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Privatisierung Übertragung der Bewährungshilfe auf freie Träger ist verfassungsgemäß

[05.02.2013]Die Übertragung der Bewährungshilfe in Baden-Württemberg auf einen freien Träger verletzt nicht die Rechte der beamteten Bewährungshelfer. Durch die Privatisierung wird das fortbestehende Dienst- und Treueverhältnis zum Dienstherrn nicht in verfassungswidriger Weise beeinträchtigt.

Der Fall:
Der Kläger ist beamteter Bewährungshelfer im Dienst des Landes Baden-Württemberg. Das beklagte Land hat im Rahmen der Privatisierung der Bewährungshilfe eine gemeinnützige GmbH mit der Durchführung der Bewährungs- und Gerichtshilfe beliehen. Grundlage dafür sind das Landesgesetz über die Bewährungs- und Gerichtshilfe sowie die Sozialarbeit im Justizvollzug (LBGS), eine hierzu ergangenen Durchführungsverordnung sowie ein Beleihungs-, Durchführungs- und Dienstleistungsüberlassungsvertrag zwischen dem Land und der GmbH.

Der Kläger sieht seine Rechte durch die Überlassung von Weisungs- und Aufsichtsrechten sowie sonstigen Dienstherrenbefugnissen an einen freien Träger verletzt. Das Verwaltungsgericht wies seine Feststellungsklage trotz verfassungsrechtlicher Bedenken ab. Im Vorfeld hatte das Bundesverfassungsgericht einen Vorlagebeschluss des Verwaltungsgerichts als unzulässig beschieden.

Die Entscheidung:
Der VGH hat die Berufung des Klägers zurückgewiesen.

Die Richter des VGH teilen die verfassungsrechtlichen Bedenken des Verwaltungsgerichts nicht. Bundesrecht steht der landesrechtlichen Beleihung eines freien Trägers in Verbindung mit einer Überlassung des Ergebnisses der Dienstleistung der beamteten Bewährungshelfer nicht entgegen.

Auch bedarf es hierfür keiner besonderen verfassungsrechtlichen Öffnungsklausel. Auf den Funktionsvorbehalt des Grundgesetzes, wonach die Ausübung hoheitsrechtlicher Befugnisse als ständige Aufgabe in der Regel Angehörigen des öffentlichen Dienstes zu übertragen ist, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis stehen, kann sich der Kläger nicht berufen. Denn dieser Vorbehalt dient nicht dem Schutz individueller Beamteninteressen.

Das verfassungsrechtliche Gebot, das Recht des öffentlichen Dienstes unter Berücksichtigung der hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums zu regeln und fortzuentwickeln, ist nicht verletzt. Die auf gesetzlicher Grundlage und damit demokratisch hinreichend legitimierte Übertragung der Ausübung von Entscheidungsbefugnissen auf einen Nichtdienstherrn ist rechtlich nicht zu beanstanden. Denn dem Land sind als Dienstherrn, dem die Fachaufsicht über die freien Träger bei Erledigung der übertragenen Aufgaben sowie die Dienstaufsicht über die Bewährungshelfer obliegt, hinreichende Kontroll- und Eingriffsbefugnisse eingeräumt worden.

Dem freien Träger wird nicht "der Beamte", sondern nur das Ergebnis seiner Dienstleistung überlassen. Das fortbestehende Dienst- und Treueverhältnis zum Land als Dienstherrn wird nicht in verfassungswidriger Weise beeinträchtigt. Der dem Landesgesetzgeber zustehende Gestaltungsspielraum, das öffentliche Dienstrecht zu modernisieren und an sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen, ist nicht verlassen worden. Fehlerhafte Entscheidungen auf Seiten des freien Trägers oder des Dienstherrn könnten im Einzelfall rechtlich überprüft werden.

Die Revision wurde wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache zugelassen. 

Quelle:
VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 22.01.2013
Aktenzeichen: 4 S 2968/11

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