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Beförderung Rheinland-Pfalz muss Lehrern den Aufstieg erleichtern

[15.12.2014]Seit 2008 arbeiten in Rheinland-Pfalz Lehrer unterschiedlicher Schulformen unter dem Dach der "Realschule plus" zusammen. Das Land muss es Grund- und Hauptschullehrern erleichtern, sich für das Lehramt (und die höhere Besoldungsstufe) an dieser Schule zu qualifizieren, fordert das BVerwG.

Schulsturkturreform in Rheinland-Pfalz
Durch Landesgesetz wurden in Rheinland-Pfalz zum Schuljahr 2009/2010 alle „Regionalen Schulen“ in „Realschulen plus“ umgewandelt; für die Haupt- und Realschulen war das Verfahren bis zum Schuljahr 2013/2014 gestreckt; seitdem sind die allgemeinbildenden Schulen in die Schularten Grundschule, Realschule plus und Gymnasium gefächert. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Lehramt an Hauptschulen im Bundesland abgeschafft.

Hauptschullehrerin fordert Aufstiegschance
Die Klägerin ist Lehrerin mit der Befähigung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen (Besoldungsgruppe A 12 LBesO). Sie war ursprünglich an einer Hauptschule und seit 2004 an einer Regionalen Schule eingesetzt. Seit dem Schuljahr 2009/2010 ist sie - wie rund 3 000 andere ehemalige Hauptschullehrer - an einer Realschule plus tätig.

Sie beantragte, ihr ab dem Schuljahr 2013/2014 das Amt einer Lehrerin mit der Befähigung des Lehramts an einer Realschule plus (Besoldungsgruppe A 13 LBesO) zu übertragen, hilfsweise ihr eine Zulage in Höhe des Besoldungsunterschieds zu gewähren. Dies lehnte lehnte das beklagte Land ab; ihre Klage blieb vor dem VG und OVG Koblenz ohne Erfolg.

BVerwG sieht Grundsatz des Berufsbeamtentums verletzt
Das BVerwG hat festgestellt, dass das Land Rheinland-Pfalz der Klägerin die Befähigung für das Lehramt einer Lehrerin an einer Realschule plus nicht verweigern oder durch überhöhte Anforderungen versagen darf.

Zur Begründung hat es im Wesentlichen ausgeführt:

  • Zu den hergebrachten Grund­sätzen des Berufsbeamtentums gemäß Art. 33 Abs. 5 GG gehört es, dass das Statusamt eines Beamten (Amt im statusrechtlichen Sinne) und der von ihm wahrgenommene Dienstposten (Amt im konkret-funktionellen Sinne) sich entsprechen.

  • Die derzeitige Rechtslage an den Realschulen plus in Rheinland-Pfalz führt dagegen zu einem dauerhaften Auseinanderfallen von Statusamt und Funktion.

  • Lehrer wie die Klägerin mit der Befähigung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen unterrichten seit Jahren trotz fehlender formeller Qualifikation beanstandungsfrei auf einem Dienstposten an Realschulen plus, ohne dass ihnen das entsprechende Statusamt übertragen ist.
     
  • Dies kann mit Blick auf die Umorganisation der Schulstruktur des Landes übergangsweise nur dann hingenommen werden, wenn den Betroffenen eine zumutbare und realistische Chance eingeräumt ist, die Befähigungsvoraussetzungen für das Amt eines Lehrers an Realschulen plus berufsbegleitend zu erwerben.


Land muss Wechselmöglichkeiten für Lehrkräfte überarbeiten

Ansatzpunkt für die gebotene Nachbesserung ist die gegenwärtige derzeit geltende Lehrkräfte-Wechselprüfungsverordnung (LWPO). Gegenstand der Wechselprüfung ist die Feststellung, ob der Lehrer den gegenüber einer Hauptschule gesteigerten Anforderungen des Unterrichts an einer Realschule plus entspricht; im Vordergrund der Prüfung steht die praktische Kompetenz des Lehrers.

Die Regelungen der LWPO in der derzeitigen Fassung genügen dem nicht. Sie stellen zum Teil unverhältnismäßige Voraussetzungen auf, , befindet das BVerwG. Hiervon ausgehend ist insbesondere zu beanstanden, dass einem Lehrer, der über einen längeren Zeitraum (hier: fünf Jahre) zur vollen Zufriedenheit des Dienstherrn an einer Realschule plus unterrichtet hat, regelmäßig abverlangt wird, parallel zu seinen (ihn auslastenden) Unterrichtsverpflichtungen eine schriftliche Hausarbeit anzufertigen (§ 18 LWPO).

Frist bis zum nächsten Schuljahr
Das beklagte Land muss die Regelungen über diese Wechselprüfung überarbeiten. Für die Nachbesserung hat das BVerwG eine Frist bis (spätestens) zum Beginn des Schuljahres 2015/16 gesetzt.

Quelle:
BverwG, Urteil vom 11.12.2014
Aktenzeichen 2 C 51.13
BverwG, Pressemitteilung Nr. 80/2014

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