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Verhaltensbedingte Kündigung Herstellung von Raubkopien in der Dienststelle

[20.07.2015]Ein Justizangestellter kann fristlos gekündigt werden, wenn er über Jahre hinweg und in großem Umfang seinen dienstlichen Computer verwendet, um für sich oder für Kollegen Filme im DVD-Format zu kopieren, entschied das BAG.

Der Kläger war seit Februar 1992 bei dem Land Sachsen-Anhalt beschäftigt. Er nahm die Funktion des »IT-Verantwortlichen« beim Oberlandesgericht (OLG) Naumburg wahr. Seine Aufgaben umfassten auch die Verwaltung des technischen Zubehörs und die Bestellung von neuen Speichermedien zur Datensicherung.

Raubkopierer beim Oberlandesgericht

Anfang März 2013 räumte der Leiter der Wachtmeisterei in einem Personalgespräch ein, den dienstlichen Farbdrucker seit längerer Zeit zur Herstellung so genannter »CD-Cover« genutzt zu haben. Bei einer Mitte März 2013 erfolgten Geschäftsprüfung wurden auf den Festplatten eines vom Kläger genutzten Rechners mehr als 6.400 E-Book-, Bild-, Audio- und Videodateien vorgefunden. Zudem war ein Programm installiert, das geeignet war, den Kopierschutz der Hersteller zu umgehen.

DVD-Videos auf Kosten des Landes kopiert

Es stellte sich heraus, dass in der Zeit von Oktober 2010 bis März 2013 über 1.100 DVDs bearbeitet worden waren. Im gleichen Zeitraum waren etwa gleich viele DVD-Rohlinge von Seiten des Gerichts bestellt und geliefert worden.

Bei näherer Untersuchung und Auswertung der vom Kläger benutzten Festplatten wurden Anfang April 2013 weitere (Audio-)Dateien aufgefunden. Der Kläger erklärte, alles, was auf dem Rechner bezüglich der DVDs sei, habe er »gemacht«.

Er gab an, er habe für andere Mitarbeiter »natürlich auch kopiert«. Die Äußerungen nahm er einige Tage später »ausdrücklich zurück«. Mit Schreiben vom 18.April 2013 erklärte das beklagte Land die außerordentliche fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses.

ArbG und LAG verwarfen die Kündigung

Die Vorinstanzen haben der Kündigungsschutzklage des Klägers stattgegeben. Das LAG Sachsen-Anhalt hat angenommen, die Kündigungen seien schon deshalb unwirksam, weil unklar sei, welchen Tatbeitrag gerade der Kläger zu den in Rede stehenden Kopier- und Brennvorgängen geleistet habe (LAG Sachsen-Anhalt vom 19.12.2014 - 4 Sa 10/14 -).

Dies hätte das beklagte Land als Arbeitgeber näher aufklären müssen. Die zweiwöchige Frist für die Erklärung einer außerordentlichen Kündigung sei verstrichen gewesen. Im Übrigen habe das Land als Arbeitgeber gegenüber den anderen Beteiligten keine vergleichbaren Maßnahmen ergriffen und den Personalrat nicht ordnungsgemäß unterrichtet.

BAG gibt dem Dienstherrn Recht

Der Zweite Senat des Bundesarbeitsgerichts (BAG) sah dies nun anders und verwies den Rechtsstreit an das LAG zurück.

Es stellt einen Grund zur fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses dar, wenn der Arbeitnehmer während der Arbeitszeit mit seinem dienstlichen Computer unbefugt Bild- oder Tonträger auf dienstliche »DVD-« bzw. »CD-Rohlinge« kopiert, sei es für eigenen Gebrauch oder für Arbeitskollegen.

Dies gilt unabhängig davon, ob darin zugleich ein strafbewehrter Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz liegt. Die (fristlose) Kündigung komme auch dann in Betracht, wenn der Kläger nicht alle fraglichen Handlungen selbst vorgenommen, sondern dabei mit anderen Bediensteten zusammengewirkt hat.

Aus dem Umstand, dass es ihm erlaubt gewesen sein mag, seinen dienstlichen Rechner für bestimmte andere private Zwecke zu nutzen, konnte er nicht schließen, ihm seien die behaupteten Kopier- und Brennvorgänge gestattet.

Land kann Sachverhalt selbst ermitteln

Die fristlose Kündigung ist auch nicht deshalb unwirksam, weil das beklagte Land zunächst eigene Ermittlungen angestellt und nicht sofort die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet hat. Ein solches Vorgehen ist dem Arbeitgeber grundsätzlich unbenommen.

Solange er die Ermittlungen zügig durchführt, wird auch dadurch der Beginn der Frist des § 626 Abs. 2 BGB gehemmt. Nicht entscheidend ist, welche Maßnahmen das Land gegenüber den anderen Bediensteten ergriffen hat. Der Gleichbehandlungsgrundsatz findet im Rahmen verhaltensbedingter Kündigungen grundsätzlich keine Anwendung.

Da auch die Anhörung des Personalrats ordnungsgemäß erfolgte, hat das BAG das zweitinstanzliche Urteil aufgehoben und die Sache zur weiteren Aufklärung an das LAG zurückverwiesen.

Quelle:
BAG, Urteil vom 16.07.2015
Aktenzeichen - 2 AZR 85/15 –
BAG, Pressemitteilung Nr. 36/15 vom 16.07.2015

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