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Dienstunfähigkeit Keine Entlassung aus der Bundeswehr wegen Gummi-Allergie

[01.07.2013]Ein Soldat auf Zeit (hier: Stabsarzt) ist dienstfähig, solange die Bundeswehr ihn in Friedenszeiten und im Verteidigungsfall seinem Dienstgrad entsprechend zumutbar einsetzen kann. Dass er wegen einer Allergie gegen Gummistoffe keine ABC-Schutzkleidung tragen kann, genügt nicht als Entlassungsgrund.

Der Fall

Der auf seine Entlassung aus der Bundeswehr klagende Stabsarzt während seiner Dienstzeit als Soldat auf Zeit Medizin studiert. Für das Studium war er vom Dienst befreit. Am Ende der medizinischen Ausbildung wurde festgestellt, dass der Kläger auf bestimmte Inhaltsstoffe von Gummi allergisch reagiert.

Unter Berufung auf diese Allergie, die auch dazu führe, dass er keine ABC-Schutzausrüstung mehr tragen könne, beantragte der Kläger seine Entlassung. Die Bundeswehr lehnte dies ab. Die Vorinstanzen haben der Klage stattgegeben (zuletzt OVG Koblenz, Urteil vom 14. Oktober 2011 - 10 A 10628/11).

Die Entscheidung


Das BVerwG hat das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das OVG zurückverwiesen. Die bisherigen Tatsachenfeststellungen des OVG reichen nicht aus, um über den geltend gemachten Anspruch auf Entlassung aus dem Soldatenverhältnis auf Zeit wegen Dienstunfähigkeit entscheiden zu können.

Gibt es in Friedenszeiten wie auch im Verteidigungsfall für den Kläger als Stabsarzt zumindest eine Verwendung, für die das Tragen einer ABC-Schutzausrüstung keine unerlässliche Voraussetzung ist, so kommt es auf die Allergieerkrankung des Klägers nicht an und die Klage ist abzuweisen.

Gibt es eine solche Verwendung nicht, so ist aufzuklären, welche konkreten Nachteile er durch das Tragen dieser Ausrüstung erleiden müsste. Die Bandbreite einer allergischen Reaktion ist außerordentlich groß. Die im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten reichen für die Beurteilung, ob dem Kläger das Tragen einer Schutzausrüstung noch zumutbar ist, nicht aus.

Hierbei ist auch zu berücksichtigen, dass ein Soldat die Pflicht hat, selbst lebensbedrohliche Situationen auf sich zu nehmen, und dass der Kläger bei Gebrauch einer Schutzausrüstung im Verteidigungsfall gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe geschützt wäre.

Quelle:
BVerwG, Urteil vom 27.06.2013
Aktenzeichen: 2 C 67.11
BVerwG, Pressemitteilung Nr. 42/2013 vom 27.06.2013

© bund-verlag.de (ck)

Lesetipp der Online-Redaktion:
»Rechtsprechung zum Beamtenrecht im Jahr 2012 - Entscheidungen des BVerwG« von Frank Wieland in »Der Personalrat« 5/2013, S. 202-209.