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Hinterbliebenenversorgung Keine Versorgungsehe trotz kurzer Ehezeit

[19.11.2013]Der Witwe eines an Krebs verstorbenen Polizeibeamten, den sie rund fünf Monate vor seinem Tod geheiratet hatte, steht ein Anspruch auf beamtenrechtliche Versorgung (Witwengeld) zu, weil es sich trotz der kurzen Ehezeit nicht um eine "Versorgungsehe" gehandelt hat. So das Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz.

Der Fall:

Nachdem der Ehemann, ein Polizeibeamter, mit 51 Jahren an Krebs verstorben war, lehnte das Land Rheinland-Pfalz einen Antrag auf Witwenversorgung mit der Begründung ab, es habe eine sogenannte Versorgungsehe vorgelegen.

Nach den einschlägigen gesetzlichen Vorgaben muss die Ehe mit einem verstorbenen Beamten mindestens ein Jahr bestanden haben, um einen Versorgungsanspruch des überlebenden Ehepartners auszulösen.

Das gilt allerdings nicht, wenn nach den besonderen Umständen des Falles angenommen werden kann, dass es nicht der alleinige oder überwiegende Zweck der Heirat war, dem überlebenden Ehepartner eine Versorgung zu verschaffen.

Diese – gesetzlich so formulierte – Ausnahme machte die Witwe für sich geltend. Das Verwaltungsgericht folgte dem nicht und wies ihre Klage ab.

Die Entscheidung:

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz korrigierte die Entscheidung der Vorinstanz und gab der Frau recht.

Denn sie habe die gesetzliche Vermutung, wonach eine Ehe, die weniger als ein Jahr gedauert habe, als eine "Versorgungsehe" anzusehen sei, erfolgreich widerlegt.

Gesetzliche Vermutung widerlegt

Zwar greife besagte Vermutung regelmäßig, wenn die Heirat – wie hier – in Kenntnis einer schweren Erkrankung sowie der deshalb eingeschränkten Lebenserwartung eines Ehepartners geschlossen werde. Die Witwe habe aber glaubhaft geschildert, dass der Heiratsentschluss bereits vor Bekanntwerden der lebensbedrohlichen Erkrankung gefasst worden sei.

Ihre Angaben seien nach einer vom Gericht durchgeführten Beweisaufnahme auch von mehreren Zeugen bestätigt worden. Der Umstand, dass die Hochzeit nur wenige Tage nach der Diagnose eines bösartigen Hirntumors stattgefunden habe, spreche demgegenüber nicht entscheidend für die Annahme einer "Versorgungsehe".

Hierzu habe die Frau nachvollziehbar erklärt, ihr Ehemann habe befürchtet, nach der Chemotherapie und den damit verbundenen Begleiterscheinungen nicht mehr die Kraft für eine Hochzeitsfeier zu haben.

Quelle:

OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 29.10.2013
Aktenzeichen: 2 A 11261/12.OVG
PM des OVG Rheinland-Pfalz vom 14.11.2013

© bund-verlag.de - (jes)

Lesetipp der Online-Redaktion:

»Grundzüge der Beamtenversorgung – Überblick über die Hinterbliebenenversorgung« von Eberhard Baden in »Der Personalrat – PersonalRecht im öffentlichen Dienst« Ausgabe 5/2007, S. 194 - 197. Registrierte Nutzer lesen den Beitrag hier online. Leseprobe:

Der dem Beamtenverhältnis eigene Grundsatz der lebenslangen Alimentation verlangt von dem Dienstherrn nicht allein Fürsorge für den Beamten selbst, sondern auch für dessen Familie und insbesondere nach seinem Ableben für die Hinterbliebenen. Daher setzt sich eine Beamtenversorgung nach dem Tod des Berechtigten, aber auch bei Tod des noch aktiven Beamten in der Form von Witwen- und Waisengeld bzw. in bestimmten Fällen in Form von Unterhaltsbeiträgen fort. Für die Lebensplanung des Beamten, insbesondere aber für dessen Altersvorsorge sind demgemäß nähere Kenntnisse des Versorgungssystems erforderlich.