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Kündigung Ein sturer Koch verdirbt keinen Brei

[02.10.2015]Hackfleischbällchen gedünstet statt gebraten, Wirsing statt Erbsen und Möhren, rote statt braune Soße – solche heißen Vergehen reichen für den Rauswurf eines Küchenchefs nicht. Stattdessen verbrannte sich der Arbeitgeber die Finger an der Kündigung, entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm.

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass sich die Arbeitsrichter mit – wie der Arbeitgeber meinte – solchen Kochsünden auseinandersetzen musste. Ein Koch, Küchenleiter in einem Seniorenheim, war mehrmals vom Speiseplan abgewichen und deshalb vom Arbeitgeber zunächst abgemahnt und dann schließlich entlassen worden – die Hackbällchen hatten den Topf wohl zum Überlaufen gebracht.

Arbeitgeber erhitzt sich an Speisen und Küchenreinigung

Außer den dreisten Abweichungen vom Speiseplan hatte der Arbeitgeber dem Koch und Küchenleiter vorgeworfen, die vorgeschriebene Reinigung der Küche nicht ordnungsgemäß durchzuführen beziehungsweise die Mitarbeiter, die dafür verantwortlich seien, entsprechend zu kontrollieren.

Der Arbeitgeber begründete den Rauswurf laut dem Urteil des LAG wie folgt:

  • Für März 2005 sei feststellbar, »dass Lager, Schränke und Regale, obwohl wöchentlich zu reinigen, nur ein einziges Mal gereinigt worden seien. Fußboden und Arbeitsflächen, Spülmaschine, Spülbecken sowie Ausgüsse seien ebenfalls nicht wie vorgeschrieben täglich gesäubert worden.

  • Auch die Kaffeemaschine sei nach den entsprechenden Eintragungen an mehreren Tagen, zweimal sogar über einen Zeitraum von jeweils drei Tagen, nicht gereinigt worden. Nach den Reinigungsplänen für April 2005 seien Lager, Schränke und Regale ebenfalls nicht wöchentlich, sondern nur ein einziges Mal und auch der Wärmewagen nicht regelmäßig gereinigt worden.«

  • Dazu kommen die neueste Abweichung vom Speiseplan und eine angebliche Beleidigung einer Mitarbeiterin.

LAG lässt Arbeitgebervortrag kalt

Das LAG ließ keinen der vorgetragenen Gründe für die Kündigung gelten. Zu den gedünsteten Hackfleischbällchen heißt es im Urteil: »Inwieweit durch das Nichtbraten, sondern Dünsten der Hackfleischbällchen der Heimvertrag mit den Bewohnern beeinträchtigt sein könnte, oder diese Art der Zubereitung den von der Beklagten gestellten Erwartungen und Anforderungen nicht entspricht, ist dem Vorbringen der Beklagten nicht zu entnehmen und erhellt sich der Kammer auch ansonsten nicht.«

Hinsichtlich der – aus Sicht des Arbeitgebers – unterlassenen Reinigung der Küche und der Küchengeräte lagen ebenfalls keine ausreichenden Gründe für eine Kündigung vor: Denn der Arbeitgeber hätte genau benennen müssen, welche Reinigungsarbeiten im Detail unterlassen wurden. Dieser Beweispflicht war er allerdings nicht nachgekommen.

Allenfalls geringfügige Pflichtverletzung

Das Gericht stellte daher fest: »Vorwerfbar ist dem Kläger daher allenfalls, dass er nicht ausreichend Sorge in seiner Funktion als Küchenleiter dafür getragen hat, dass die Eintragungen (im Reinigungsplan, Anm. d. Red.) ordnungsgemäß vorgenommen worden sind.

Hierbei handelt es sich allerdings um eine solche geringfügige Pflichtverletzung, dass sie nicht im Ansatz zur Rechtfertigung einer Kündigung herangezogen werden kann. Auch die Gesamtheit der behaupteten Pflichtverletzungen vermag die streitbefangene Kündigung nicht zu rechtfertigen.«

Das Seniorenheim musste den Koch weiterbeschäftigen – an dieser Kündigung hatte sich der Arbeitgeber die Finger verbrannt.

Quelle:

LAG Hamm, Urteil vom 16.11.2005
Aktenzeichen: 3 Sa 1713/05
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