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Fristlose Kündigung Rauswurf wegen angeblich geklauter Fußballbildchen

[12.06.2014]Der Verdacht, einen Karton mit Fußballbildchen entwendet zu haben, kostete eine Verkäuferin den Job. Immerhin konnte sie sich mit dem Arbeitgeber auf eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses per Vergleich einigen. Das Arbeitsgericht Mönchengladbach nutzte den Gütetermin, um die Kriterien für eine wirksame fristlose Kündigung zu erläutern.

Eine seit über 15 Jahren als Mitarbeiterin im Einzelhandel beschäftigte Frau war in ihrer Firma unter anderem mit Tätigkeiten an der Kasse, Warenannahme, Kassenbuchführung und Geldtransport befasst.

Videokamera dokumentiert verdächtiges Verhalten

Im Mai 2014 beobachtete ihr Arbeitgeber per Videoüberwachung, wie sie Altpapier und Altkartons in der Papierpresse entsorgte. Das Verhalten seiner Mitarbeiterin kam ihm dabei höchst verdächtig vor:

Nachdem sie einen der Kartons geschüttelt hatte, legte sie diesen in den Kofferraum ihres Autos. Der Arbeitgeber konfrontierte die Frau mit seiner Beobachtung und untersuchte den Karton gemeinsam mit ihr. Darin fand sich ein weiterer kleinerer Karton mit Fußballsammelbildern. Diese Sammelbilder erhalten Läden zu einem Preis von 8 Euro pro Karton. Sie werden dann ab einem Einkauf von 10 Euro an der Kasse an Kunden abgegeben.

Kündigung wegen 8 Euro?

Der Arbeitgeber kündigte das Arbeitsverhältnis mit seiner Mitarbeiterin fristlos. Zur Begründung ihrer Kündigungsschutzklage tragt sie vor, nicht bemerkt zu haben, dass sich in dem mittelgroßen Karton noch etwas befunden habe. Sie habe den Karton für leer gehalten ihn zu Archivierungszwecken mit nach Hause nehmen wollen. Außerdem sei eine fristlose Kündigung angesichts des geringen Wertes der Fußballbilder unverhältnismäßig.

Der Arbeitgeber trägt vor, dass die Frau sehr wohl gewusst habe, was in dem Karton war. Das Gewicht der Fußballbilder (fast 1,3 kg) hätte sie bemerken müssen. Außerdem habe sie eine besondere Vertrauensstellung innegehabt. Das Vertrauensverhältnis sei jetzt irreparabel zerstört.

Im Gütetermin erläuterte die Vorsitzende Richterin die Kriterien für eine wirksame fristlose Kündigung in derartigen Fällen:

  • Feststellung, dass der oder dem Beschäftigten der Inhalt des Kartons bewusst war
  • Interessenabwägung zu Ungunsten der oder des Beschäftigten


Diese Hinweise folgen der aktuellen Rechtslage: Der Diebstahl geringwertiger Sachen kann durchaus eine fristlose Kündigung begründen.

Im Gütetermin selbst konnten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmerin nicht einigen, kurze Zeit später dann aber doch. In einem widerruflichen Vergleich verständigten sie sich auf die einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Rechtlicher Hintergrund:

Bagatelldelikte im Arbeitsverhältnis spielen bei Kündigungsprozessen regelmäßig eine Rolle. Großes Medienecho löste der vom Bundesarbeitsgericht (BAG) 2010 arbeitnehmerfreundlich entschiedene "Fall Emmely" aus.

Quelle:

ArbG Mönchengladbach
Aktenzeichen: 2 Ca 1442/14
PM des ArbG Mönchengladbach vom 06.06.2014

© bund-verlag.de - (jes)

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