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Flüchtlinge Bis an die Grenze

[02.10.2015]Die Flüchtlingsfrage erhitzt die Gemüter. Viele Menschen wollen helfen. Andere weisen darauf hin, dass der stetige Zustrom die Kapazitäten übersteigt und bezweifeln, dass Integration gelingen kann. Für die November-Ausgabe unserer Zeitschrift »Arbeitsrecht im Betrieb (AiB)« hat Professor Wolfgang Däubler eine erste Einschätzung gegeben. Wir veröffentlichen den Text vorab in voller Länge.

Darum geht es:

1. Nach dem Krieg kamen sechs Millionen Flüchtlinge in die Bundesrepublik.
2. Die Lücke in der Bevölkerungspyramide kann durch Zuwanderung teils geschlossen werden.
3. Auch die deutsche Außenpolitik hat Anteil daran, dass Länder destabilisiert wurden.

Der Begriff »Flüchtlinge« war seit Jahren aus dem Wortschatz fast verschwunden. Die Älteren erinnern sich noch an die Nachkriegszeit; sechs Millionen Vertriebene und Flüchtlinge hatte damals allein die alte Bundesrepublik aufgenommen. Nach 1990 gab es mehr als zwei Millionen Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa, die meist als Volksdeutsche oder deren Enkel kamen. Sie konnten alle Rechte eines deutschen Staatsbürgers in Anspruch nehmen, auch wenn sie erst mal Deutsch-Kurse besuchen mussten. Die Integration in das Alltagsleben war nicht immer leicht – aber das Problem wurde gelöst.

Heute kommen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Balkan. Wann verlässt ein Mensch seine Heimat? Wenn die Lebensbedingungen schlechter werden, äußert er Kritik und demonstriert, notfalls wird passiver Widerstand geleistet. Nur wenn die Umstände unerträglich
werden, denkt man an Auswanderung. Viele unserer Vorfahren waren in einer ähnlichen Situation;
in Südamerika gibt es heute noch deutsche Siedlungen, und in den USA erinnern Familiennamen
an den deutschen Ursprung.

Einige Betroffene wurden zu Revolutionären, gründeten Geheimbünde und begingen Attentate. Heute wird ein derartiges Verhalten vom islamischen Fundamentalismus gestützt. Trotz aller religiösen Versprechungen auf ein besseres Jenseits das die christliche Tradition ja auch kennt: Wie schlimm muss das Leben sein, damit sich jemand mit Dynamit selbst in die Luft sprengt?

Die meisten der heutigen Flüchtlinge sind keine »Gastarbeiter«, die nur vorübergehend
hier Geld verdienen und dann in ihre Heimat zurückkehren wollen. Jedenfalls für die nächste
Zukunft ist die Rückkehr keine Perspektive. Dies bedeutet, dass die Ankömmlinge Deutsch
lernen und sich qualifizieren wollen. Glaubt man den Fernsehbildern, so kommen viele
jüngere Leute, die dazu auch in der Lage sind.

Ein Teil bringt Hochschulbildung aus der Heimat mit. Das heißt natürlich nicht, dass die Betreffenden sofort als Arzt, Architekt oder Jurist arbeiten könnten, aber sie haben in der Regel die Fähigkeit, etwas zu lernen und sich mit neuen Lebensumständen vernünftig auseinanderzusetzen. Das wird sich in einigen Jahren sehr positiv auf die Entwicklung unserer Gesellschaft auswirken. Unsere Bevölkerungspyramide hat gerade unter den Jungen eine große Lücke – sie kann durch die Zuwanderung wenigstens teilweise geschlossen werden.

Was kommt auf die Betriebe zu? Anders als die Gemeinden, die für Unterkünfte sorgen müssen, sind die Unternehmen zunächst nicht gefordert: Allenfalls wird es darum gehen, dass in einigen Monaten ein Auszubildender oder ein Praktikant auftaucht, der ein wenig anders aussieht und nicht so gut Deutsch spricht. Doch das ist keine wirklich neue Erfahrung.

In der aktuellen Situation wird leider viel zu selten nach den Ursachen der Fluchtbewegung gefragt. Hat nicht vielleicht auch die deutsche Außenpolitik ihren Anteil daran, dass bestimmte Länder destabilisiert und die Lebensbedingungen dort unzumutbar wurden? Haben wir in Afghanistan wirklich nur Brunnen gegraben und Kurse in Buchhaltung angeboten? Frieden zu stiften und für ein erträgliches Leben zu sorgen, liegt auch in unserem eigenen Interesse: Wir können 800.000, vielleicht sogar zwei oder drei Millionen Menschen aufnehmen, aber irgendwann sind auch unsere Möglichkeiten erschöpft.

Den Beitrag von Wolfgang Däubler lesen Sie auch in »Arbeitsrecht im Betrieb« 11/2015.

Hintergrund

Asylbewerber brauchen eine Arbeitserlaubnis, um zu arbeiten. Diese können sie frühestens nach drei Monaten bekommen (früher neun Monate). Anerkannte Asylbewerber
dürfen grundsätzlich uneingeschränkt arbeiten. Mehr Informationen unter: www.bamf.de.