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Unfallversicherungsrecht Meniskusschäden von Profifußballern sind als Berufskrankheit anzuerkennen

[15.11.2013]Profifußballer dürfen damit rechnen, dass Meniskusschäden als Berufskrankheit anerkannt werden. Lizenzspieler der oberen vier Ligen sind nämlich andauernden bzw. häufig wiederkehrenden, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastenden Tätigkeiten im Sinne des Berufskrankheitenrechts ausgesetzt. So das Hessische LSG.

Der Fall:

Ein 1977 geborener Profifußballer erlitt nach mehrjähriger Tätigkeit als Lizenzspieler einen Meniskusschaden am rechten Knie. Die Berufsgenossenschaft (BG) lehnte die beantragte Anerkennung als Berufskrankheit ab.

Die Behörde argumentierte, dass die Meniskuserkrankung mangels ausreichender Belastungsintensität nicht mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit auf die berufliche Tätigkeit des Fußballspielers zurückzuführen sei.

Der Fußballer sah das anders und bemühte sich um gerichtliche Klärung.

Die Entscheidung:

Die Richter des Hessischen Landessozialgerichts (LSG) gaben ihm Recht und verurteilten die Berufsgenossenschaft zur Anerkennung der Meniskuserkrankung als Berufskrankheit.

Folgen von Berufskrankheiten werden von der gesetzlichen Unfallversicherung entschädigt. Als Berufskrankheit zählen auch Meniskusschäden nach mehrjährigen andauernden oder häufig wiederkehrenden, die Kniegelenke überdurchschnittlich belastenden Tätigkeiten im Sinne der Berufskrankheit Nr. 2102.

Eine solche Tätigkeit ist nach Ansicht der Darmstädter Richter bei Profifußballern anzunehmen – zumindest in den oberen vier Spielklassen.

Profifußball belastet die Kniegelenke überdurchschnittlich

Aufgrund der sportartspezifischen Kniebelastung reiche bei einem Profifußballer eine Expositionsdauer von drei Jahren aus, damit eine Meniskuserkrankung mit ausreichender Wahrscheinlichkeit auf die sportliche Betätigung zurückgeführt werden könne.

Dies gelte insbesondere auch für Fußballspieler der 3. und 4. Liga, die – ebenso wie die Spieler der 1. und 2. Bundesliga – nahezu täglich trainierten.

Auch sei davon auszugehen, dass die Kniebelastung in den niedrigeren Spielklassen (3. und 4. Liga) aufgrund folgender Faktoren sogar noch höher sei als in den beiden Bundesligen:

- geringere technischen Fertigkeiten der Spieler
- schlechtere Trainingsbedingungen
- stärker kampf- und körperbetonte Spielweise

Ob das Meniskusgewebe des seit seinem sechsten Lebensjahr Fußball spielenden Klägers bereits zu Beginn seiner Lizenzspielertätigkeit vorgeschädigt gewesen sei, sei unerheblich.

Denn jedenfalls ist die Belastung aufgrund der mehrjährigen Tätigkeit als Profifußballspieler eine wesentliche Teilursache für den Meniskusschaden.

Die Revision wurde nicht zugelassen.

Quelle:

Hessisches LSG, Urteil vom 13.11.2013
Aktenzeichen: L 9 U 214/09
PM des Hessischen LSG Nr. 18/13 vom 13.11.2013

© bund-verlag.de - (jes)

Lesetipp der Online-Redaktion:

»Berufskrankheitenrecht – ein Hindernislauf zur Anerkennung« von Jürgen Reusch in »Gute Arbeit. Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung« Ausgabe 10/2013, S. 12 - 15