Betriebsrat Marquardt GmbH, Rietheim-Weilheim

Beschäftigungs- und Standortsicherung in Deutschland


Stichworte zum Projekt

  • Betriebsrat wirkt mit umfassendem Konzept aktiv daran mit, dass Gespräche zur Standortsicherung zwischen den Tarifparteien aufgenommen und erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. 
  • Engagement schafft Grundlage für den Erhalt von 800 Arbeitsplätzen in Deutschland

  • Unternehmen/Betrieb: Marquardt GmbH, Rietheim-Weilheim 
  • Branche: Automobil-Zulieferer 
  • Zahl der Mitarbeiter: 2.000
  • Gewerkschaften: IG Metall


Motiv
Hoher Kostendrucks und harter Wettbewerb verschärfen seit langem die Situation für Automobilzulieferer am Standort Deutschland. Aus diesem Grund gab es bei Marquardt über zehn Jahre lang Haustarifverträge. Diese wurden an die jeweilige Personal- und Marktsituation angepasst. Zumeist brachten sich die Beschäftigen mit unbezahlter Mehrarbeit ein, teilweise auch mit einer verminderten Auszahlung von Urlaubs-und Weihnachtsgeld. Neue Verhandlungen im Jahr 2013 scheiterten aufgrund der mangelnden Unterstützung durch die IG Metall-Mitglieder im Betrieb. Der ausgearbeitete Vertrag fand keinen Anklang, es kam nicht zur Unterschrift. Zum Erhalt der Wettbewerbsfähig¬keit forcierte die Geschäftsführung dann die Verlagerungen von Produktlinien in die Auslandswerke sowie den Abbau von Ar¬beitsplätzen.

Vorgehen
Auf einer Wirtschaftsausschuss-Sitzung und einer Betriebsver¬sammlung im Jahr 2015 stellte die Geschäftsführung dann die Personalplanung bis 2018 vor. So sollten bis dahin mehr als 800 Arbeitsplätze verlagert werden oder entfallen. Dies nahm der Betriebsrat als Anlass, aktiv auf die Verhandlungspartner, also die Geschäftsführung und die Gewerkschaft IG Metall zuzuge¬hen. Gemeinsam wollte man den Standort erhalten. Gleichzeitig machte sich der Betriebsrat in einer zweitägigen Klausurtagung Gedanken, wie die geforderten Einsparungen von 12 Millionen Euro pro Jahr sinnvoll von den Beschäftigten erbracht werden könnten. Das Konzept wurde zunächst der IG Metall vorgestellt und dann der Geschäftsführung. Innerhalb dreier konstruktiver Gesprächsrunden einigte man sich schließlich auf ein Ergebnis, welches der Belegschaft vorgestellt werden konnte. Das vom Betriebsrat erstellte Konzept wurde gemeinsam mit der Geschäftsführung und der Gewerkschaft IG Metall erst beraten und dann verbessert und umgesetzt.

Ergebnisse

Durch die getroffenen Vereinbarungen konnten schließlich mehr als 800 Arbeitsplätze in Deutschland über alle Bereiche erhalten werden. Hinzu kommen Maßnahmen für Qualifizierung, Wahlmöglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung und Vorteile für Auszubildende. Mit dem Neubau des Forschungs- und Entwicklungszentrums kann sich der Automobilzulieferer in Rietheim zukünftig als attraktiver Arbeitgeber insbesondere auch für junge Ingenieure und Techniker aus der weiteren Umgebung präsentieren. Ebenso geplant ist ein neues Ausbildungszentrum.