Betriebsrat der Airbus Operation GmbH

Meisterinnenförderprogramm

Motiv
In Führungsebenen dominieren Männer, Frauen schaffen nur selten den Sprung nach oben. Dieses Phänomen ist in den von Technik geprägten Branchen wie der Flugzeugproduktion besonders ausgeprägt – zum Leidwesen nicht nur vieler Frauen.
Der Betriebsrat der Airbus Operations GmbH initiierte daher ein Förderprogramm, um an den Standorten Hamburg, Bremen, Buxtehude und Stade die eklatant niedrige Frauenquote auf der Ebene der Meister endlich zu erhöhen.
Diese Quote betrug vor dem Start des Programms nur 3% - und lag damit noch erheblich niedriger als die ohnehin schon geringe generelle Frauenquote von 18%.

Vorgehen
Kern des Meisterinnenförderprogramms ist die gleichnamige Gesamtbetriebsvereinbarung vom Dezember 2011.
Die mit der Personalabteilung ausgehandelte Förderung ermöglicht es hochqualifizierten Frauen, eine Führungslaufbahn einzuschlagen. Konkret werden die Teilnehmerinnen darin unterstützt, die IHK-zertifizierte Qualifikation der Industriemeisterin zu erlangen.
Die Gesamtbetriebsvereinbarung hatte dabei das explizite Ziel, die zulasten von Mitarbeiterinnen bestehenden Nachteile beim Zugang zu Führungspositionen zu verhindern bzw. auszugleichen.
Um möglichst viele Frauen anzusprechen, hatten die Teilnehmerinnen die Wahl, die Meisterschule entweder in Vollzeit oder berufsbegleitend in Teilzeit zu absolvieren.
In der Vollzeitform betrug die Dauer der Bildungsmaßnahme je nach Bildungsanbieter zwischen vier und neun Monaten, in der Teilzeitform zwischen 14 und 36 Monaten. Die Wahl des jeweiligen Bildungsanbieters oblag den Teilnehmerinnen.
Flankierend wurden betriebliche Trainings und Coachings angeboten. Im Einzelnen:
- drei zweitägige Trainingsmodule zu Sozial- und Führungskompetenz
- zwei halbtägige Teamcoachings mit kollegialer Beratung
- eine einwöchige Hospitation bei einer Führungskraft im operativen Bereich
- Mentoring durch Führungskräfte, vorzugsweise aus Produktions- bzw. produktionsnahen Bereichen
Ziel der angebotenen Trainingsmodule und des Coachings war es, die angehenden Meisterinnen auf ihrem Weg von der Fach- zur Führungskraft zu unterstützen.
Die Kosten der Qualifizierung übernahm der Arbeitgeber. Die Hälfte der auf die Meisterschule entfallenden Arbeitszeit ging zu Lasten des Arbeitgebers. Unterrichtsstunden wurden als Arbeitsstunden gerechnet.
Diese 50% der auf die Meisterschule entfallenden Arbeitszeit wurden im Falle des Teilzeitmodells auf die Gesamtdauer der Meisterausbildung heruntergebrochen, wobei für die Umrechnung ein Richtwert von 220 Arbeitstagen pro Jahr herangezogen wurde. Die bisherige wöchentliche Regelarbeitszeit wurde um die auf diese Weise errechnete wöchentliche Arbeitszeit reduziert.
Alle Teilnehmerinnen erhielten für die Dauer des Programms einen Ergänzungsvertrag zu ihrem bestehenden Arbeitsvertrag. Im Falle des Teilzeitmodells vereinbarten sie die Verteilung der Teilzeit (An- und Abwesenheit) mit dem jeweiligen Vorgesetzten individuell.
Aus Kostengründen wollte der Arbeitgeber ursprünglich nur 12 Mitarbeiterinnen fördern. Der Betriebsrat ließ aber nicht locker und erreichte schließlich, dass bisher schon 24 Frauen am Meisterinnenförderprogramm teilnehmen konnten.

Ergebnisse
Inzwischen haben mehrere Frauen den Lehrgang erfolgreich durchlaufen und die erste frisch gebackene Meisterin hat bereits eine Meisterstelle angetreten.


Materialien
Betriebsvereinbarung Meisterinnenförderprogramm

 

Eine Initiative der Zeitschrift

AIB

Aus der Jury

Thorsten Halm »Wir müssen das Rad nicht immer wieder neu erfinden, wohl aber dem jeweiligen Gelände anpassen. Darum leisten die teilnehmenden Gremien mit ihren eingereichten Projekten einen so wertvollen Beitrag zum Wissenstransfer unter den Betriebsräten.«

Thorsten Halm, [m]5-consulting, Berater von Betriebsräten und Gewerkschaften, Veranstalter des Deutschen BetriebsräteTags in Bonn und Studienleiter des Betriebsräte-Studiums »Veränderungs-Management« in Bochum