• Meldungen
Familie und Beruf

Kinder als Karriere-Killer?

13. August 2015

Sieben von zehn Müttern befürchten Nachteile, wenn sie eine längere Auszeit vom Beruf nehmen. Teilzeitmodelle sind eine Option, doch auch die sind nicht ohne Risiko für die Karriere. Eine neue Umfrage zu Karriereperspektiven zeigt die zwiespältige Lage berufstätiger Mütter.

Vor einigen Tagen hat die der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS, Fachhochschule Frankfurt) die Ergebnisse der Karrierestudie »Karriereperspektiven berufstätiger Mütter« vorgelegt. Bei der Online-Befragung unter 1801 Müttern in Fach- und Führungspositionen lag der Fokus auf deren beruflicher Situation.

Warum haben die Wissenschaftlerinnen nur Mütter befragt?

Prinzipiell gilt, dass der Oberbegriff solcher Vereinbarkeitsstudien, »Familienfreundlichkeit«, geschlechtsneutral ist. Doch die Statistik zeigt: Mütter kehren nach der Geburt eines Kindes zwar häufiger und schneller wieder in den Beruf zurück. Sie sind es aber auch, die eher Einschränkungen für die Kinderbetreuung in Kauf nehmen (müssen). Daher war es folgerichtig, die Situation von Frauen zu erfassen.

Die Befragung förderte zum Teil erschreckende Ergebnisse zu Tage: 70 Prozent der Befragten befürchten Nachteile, jede achte befragte Frau ist der Ansicht, dass sie die Babypause sogar den Job kosten könne. Solche Ängste um Job und Karriere sorgen laut der Studie dafür, dass Frauen die berufliche Pause verkürzen. Ein Drittel der befragten Frauen hätten nur sechs Monate und kürzer pausiert.

Teilzeit kein Patentrezept

Befragt nach ihren Wünschen für einen leichteren Wiedereinstieg in den Job, nannte die Hälfte der Frauen flexiblere, gut ein Drittel kürzere Arbeitszeiten. Und 82 Prozent halten qualifizierte Teilzeittätigkeiten für eine gute Möglichkeit, nach der Pause wieder Fuß zu fassen.

Davor warnt allerdings Prof. Dr. Regine Graml, Mitautorin der Studie. Teilzeit sei nicht als optimale und ausschließliche Lösung für das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sehen. »Frauen in Deutschland dürfen sich eben gerade nicht in die Teilzeit-Ecke drängen lassen. Vielmehr müssen sich hier dringend die gesellschafts- und unternehmenspolitischen Rahmenbedingungen ändern«, heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine andere aktuelle Untersuchung, die sich auf den ersten Blick nur am Rande mit der Vereinbarkeit von Kindern und Karriere befasst. In der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie »Die Bedeutung atypischer Beschäftigung für zentrale Lebensbereiche« heißt es »so lange die Möglichkeit, Familienarbeit mit einer Beschäftigung und Karriere im Normalarbeitsverhältnis zu verbinden, aufgrund fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder mangelnden betrieblichen Familienbewusstseins nicht gegeben ist, stellt eine Reduktion des Erwerbsumfangs eine der wenigen Handlungsmöglichkeiten v.a. für Mütter dar.«

Kurz gesagt: beruflich engagierte Mütter fürchten um ihre Karriere und wählen deshalb Teilzeitmodelle, um beruflich nicht den Anschluss zu verlieren. Solche Teilzeitmodelle können aber das Tor zur prekären Beschäftigung mit Folgerisiken wie Altersarmut sein.
Die Autoren der Böckler-Studie fordern eine »bessere Aufklärung Beschäftigter über die ökonomischen Risiken der Beschäftigungsformen sowie die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch im Normalarbeitsverhältnis«.

Betriebs- und Personalräte sind gefordert

Um den Job familienfreundlicher zu machen und insbesondere für Frauen Karrierechancen zu erhalten, können Betriebs- und Personalräte ihre Kompetenzen ausschöpfen.

Denn Betriebs- und Dienstvereinbarungen sind beispielsweise ein probates Mittel, um den Berufsalltag von Mitarbeitern mit Kindern zu vereinfachen. Sei es durch flexiblere Arbeitszeitregelungen, sei es durch Regelungen über Weiterbildungsmöglichkeiten und die Förderung weiblicher Nachwuchsführungskräfte, die sich an die Mutterschutzzeiten oder die Elternzeit anschließen.

Bei all den Problemen, die für die Vereinbarkeit von Kind und Karriere auszumachen sind, bleibt festzuhalten, dass es einem Großteil der Frauen gelingt, beide Aufgaben zu stemmen – allerdings nicht ohne größere Hindernisse. Hier müssen Gesetzgeber und Arbeitgeber ran – und Karrierehindernisse von familienbewussten Mitarbeitern – meist Müttern – beseitigen. 

Weiterführende Informationen:

»Familienfreundlichkeit im Betrieb - Handlungshilfe für die betriebliche Interessenvertretung« - kostenlos herunterladen beim BMFSFJ

© bund-verlag.de (mst)

Buch-Tipp der Online-Redaktion


Maschke. Manuela / Zurholt, Gerburg
Chancengleich und familienfreundlich
Betriebs- und Dienstvereinbarungen

Bund-Verlag, Frankfurt am Main
2. Auflage 2013, 204 Seiten mit CD-ROM
ISBN 978-3-7663-6095-3

Ladenpreis ca.: € 12,90

AiB-Zeitschriften-Banner_2017_Frau_viertel - Anzeige -

Das könnte Sie auch interessieren

DBRP_2017_Logo
Deutscher Betriebsräte-Preis - Pressemitteilung

Goldpreis 2017 für den Betriebsrat am Klinikum Coburg

Schwerbehindertenausweis_42155042
Schwerbehindertenrecht - Aus den Fachzeitschriften

Keine Kündigung Schwerbehinderter ohne SBV

Streit Auseinandersetzung Konflikt Schlägerei Argumente
Unfallversicherung - Rechtsprechung

Schläge durch Kollegen sind versichert