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Altersversorgung

Von der Rente in Würde leben

20. Oktober 2016
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Quelle: © papalapapp / Foto Dollar Club

Das Rentenniveau sinkt, immer mehr Menschen drohen Versorgungslücken im Alter. Der DGB zieht mit Forderungen zur Rentenpolitik in die Bundestagswahl 2017. Im Interview mit der Zeitschrift »Gute Arbeit« (GA)  erläutert DGB-Bundesvorstandsmitglied Annelie Buntenbach, was der DGB von der Bundesregierung erwartet.

Der DGB prognostiziert Versorgungslücken für große Teile der künftigen Rentnerinnen und Rentner. Wie gravierend sind die Probleme?

Sehr. Das Rentenniveau ist bereits erheblich abgesenkt worden. Wenn die Politik die Weichen nicht neu stellt, sinkt es weiter. Das wird in Zukunft zum sozialen Abstieg im Alter führen: Wer heute weniger verdient und auch einmal arbeitslos war, dem droht Altersarmut. Gerade die junge Generation würde verlieren. Wenn sie in Rente geht, ist das Niveau im Keller.

Diese Sicherungslücke mit privater Vorsorge zu schließen, funktioniert nicht, auch nicht mit Riester. Und wie sicher der Kapitalmarkt ist, hat der Finanzmarktcrash gezeigt. Deshalb muss die Politik dringend heute handeln, damit diejenigen, die jahrzehntelang gearbeitet und in die Rentenversicherung eingezahlt haben, auch in Zukunft eine Rente erhalten, von der sie in Würde leben können.

Auf welche Gegenmaßnahmen setzt der DGB mit seiner Kampagne?

Wir brauchen einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. Das Leistungsversprechen der gesetzlichen Rente muss wieder im Mittelpunkt stehen, darauf müssen sich die Menschen auch in Zukunft verlassen können. Deshalb muss als erstes das gesetzliche Rentenniveau auf der heutigen Höhe von rund 48% stabilisiert werden. Das ist machbar, wenn wir vorausdenken und die Rücklagen, die die gesetzliche Rentenversicherung heute hat, zu einer Demografie-Reserve ausbauen, statt sie weiter etwa für die falsche Finanzierung der Mütterrente zu verpulvern. Insgesamt müssen die Kosten gerecht verteilt werden, auch die Arbeitgeber sind paritätisch in die Pflicht zu nehmen. Gleichzeitig brauchen wir eine Debatte, wie wir langfristig wieder ein deutlich höheres Sicherungsziel erreichen. Dazu gehört auch die Ausweitung und Stärkung der betrieblichen Altersversorgung.

Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, hat ein Gesamtkonzept Rente angekündigt. Was erwartet der DGB von der Bundesregierung?

Der Sinkflug des gesetzlichen Rentenniveaus muss gestoppt werden – auf dem heutigen Niveau. Das würde insbesondere bei den Erwerbsminderungsrenten helfen: Hier brauchen wir dringend weitere Verbesserungen. Konkrete Maßnahmen gegen Altersarmut sind erforderlich. Und uns liegt sehr am Herzen, dass das Gesetz, das zur Ausweitung und Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge in Vorbereitung ist, noch in dieser Legislatur beschlossen wird – mit wirklich hilfreichen Maßnahmen.

LINKTIPPS


  1. Rente für ein gutes Leben Der DGB hat eine Rentenkampagne gestartet. Analysen und Ziele unter www.rente-muss-reichen.de.

  2. Macht die Rente stark In Kleinbetrieben gibt es kaum Betriebsrenten. Die gesetzliche Rentenversicherung ist für viele das Hauptstandbein im Alter: www.igbce.de
  3. Damit Rente morgen noch reicht Viele Beschäftigte können sich private Vorsorge schlicht nicht leisten, sagt ver.di: www.rente-staerken.verdi.de
  4. Den Lebensstandard sichern Die IG Metall warnt davor, die Generationen gegeneinander auszuspielen. Und sie erklärt, wie die Rente gesichert werden kann. www.mehr-rente-mehr-zukunft.de
  Die Interviewpartnerin:

 

Annelie Buntenbach, Mitglied im geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand, ist für die Arbeitsmarkt-, Sozial- und Migrationspoltik zuständig.

Quelle:

»Gute Arbeit« (GA) 10/2016, Magazin, S. 6. Noch kein Abonnent der GA? Jetzt zwei Ausgaben kostenfrei testen!

© bund-verlag.de (ls)

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