Arbeitsschutz

Worum geht's beim digitalen Arbeitsschutz?

13. Oktober 2020
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Quelle: © industrieblick / Foto Dollar Club

Von digitalem Stress auf der einen bis hin zu gesundheitsschützender Software und Technik auf der anderen Seite – digitaler Arbeitsschutz ist ein weites Feld. Wir verschaffen Ihnen in »Computer und Arbeit« 10/2020 den Überblick.

Wenn ich meine Arbeitstasche ausschütte, begegnet mir eine Vielzahl digitaler Helfer: ein Laptop, zwei Smartphones (Arbeit und privat), verschiedene Ladekabel, ein Headset, Bluetooth-Kopfhörer, ein Adapter, ein Presenter und ein USB-Stick. Im Büro tauche ich – wie auch Zuhause – automatisch ins WLAN ein. Im Besprechungsraum steht eine spezielle Anlage für Videokonferenzen und ein sehr großer Bildschirm, ein Beamer ist auch verfügbar.

Über meinen Laptop springe ich hin und her zwischen Textverarbeitung, Präsentation, Firmen-Forum, Dokumentenablage und Internet, meine E-Mails habe ich schon unterwegs gesichtet und unten rechts am Bildschirm erscheinen neue Meldungen im Team-Chat. Auf der Webseite eines IT-Dienstleisters fragt mich ein Chatbot, ob ich mit ihm quatschen möchte. Per Knopfdruck fahre ich meinen höhenverstellbaren Schreibtisch nach oben und hole mir einen Kaffee. Für die nächsten fünf Stunden bin ich beinahe durchgehend in Videokonferenzen, ein normaler Arbeitstag in Corona-Zeiten, anschließend tun mir ein wenig die Füße weh. Im Gegensatz zur Arbeit im Home-Office zeichnet mein Schrittzähler am Arm an diesem Tag zumindest den Weg ins Büro auf.

Digitale Medien durchdringen zunehmend unsere Lebensbereiche, im Arbeitsleben wie auch im Privaten. Der Einsatz dieser Medien wird teils als Arbeitserleichterung und als angenehm empfunden. Mitunter fühlen sich die Beschäftigten durch den Medieneinsatz aber auch zusätzlich gestresst oder in ihren Tätigkeiten gestört. Unter dem Begriff »Digitaler Arbeitsschutz« werden die gesundheitlichen Risiken und Chancen des digitalen Wandels untersucht sowie passende Strategien und Maßnahmen für die betriebliche Praxis entwickelt. Dabei geht es – wie auch sonst im Arbeitsschutz – darum, präventiv zu agieren, um die Verhältnisse im Betrieb und das Verhalten der Beschäftigten auf die neuen Anforderungen vorzubereiten.

MTO-Analyse

Bei der Untersuchung der Gestaltungsfelder im digitalen Arbeitsschutz ist es hilfreich, mit den Perspektiven der MTO-Analyse (Mensch-Technik-Organisation) auf ein bewährtes Instrument im Arbeitsschutz zurückzugreifen. Um die gesundheitlichen Auswirkungen von neuen Technologien benennen und einschätzen zu können, sind insbesondere die Schnittstellen zu den Anwender(inne)n und die allgemeine Einbettung in die Regeln, Prozesse, Hierarchien und in die jeweilige Betriebskultur zu beachten. Durch Anwendung der MTO-Analyse wird vermieden, dass Maßnahmen isoliert bewertet und dabei einzelne Aspekte überbetont werden. Vielmehr geht es um eine ganzheitliche Betrachtung, in der die gegenseitigen Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen Menschen, Technik und Organisation im Fokus stehen.

Vor dem Hintergrund unvollständiger Informationen und Erfahrungen sind die Akteure im Arbeitsschutz häufig gut beraten, bei der Bewertung neuer Technologien eine kurzfristig mögliche Gefährdungseinschätzung anstelle einer umfangreichen Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Eine solche Gefährdungseinschätzung greift auf bewährte Heuristiken wie etwa die MTO-Analyse zurück, um trotz begrenztem Wissen und wenig Zeit zu praktikablen Lösungen zu kommen.

Veränderungsmanagement

Die Veränderungsgeschwindigkeit von digitalen Medien ist sehr hoch. Ein neues Office-Paket kann heute gekauft und bereits eine Woche später im gesamten Betrieb ausgerollt werden. Die Mehrheit der Beschäftigten wird bei einem solchen Vorgehen jedoch meilenweit abgehängt. Die Folgen sind Überforderung und Frustration, die im ungünstigsten Falle bei den Betroffenen zur Ablehnung der neuen Medien und den damit verbunden Prozessveränderungen führt. Das Ziel einer Effizienzsteigerung in den Arbeitsprozessen kehrt sich ins Gegenteil um, es herrscht eine allgemeine Verwirrung und die Arbeitsatmosphäre ist deutlich getrübt. (...)

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Den vollständigen Beitrag von Max Thomsen und viele weitere Beiträge zu den Themen Datenschutz und IT-Mitbestimmung lesen Sie in »Computer und Arbeit« 10/2020.

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