Schwarzarbeit

Schwarzarbeit in Privathaushalten verdrängen

02. Dezember 2019 Schwarzarbeit
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Quelle: © Michael Schütze / Foto Dollar Club

Putzen, Bügeln, Kinderbetreuung: Über drei Millionen private Haushalte nehmen solche und andere Dienstleistungen in Anspruch. Die meisten Hilfekräfte im Haushalt werden aber schwarz beschäftigt. Wie die Schwarzarbeit in privaten Haushalten durch legale Arbeit ersetzt werden könnte, erläutert Expertin Renate Kuhn in »Soziale Sicherheit« 11/2019.

Dienstleistungen in privaten Haushalten werden zur Entlastung der Haushaltsmitglieder immer wichtiger. Das liegt unter anderem am wachsenden Fachkräftebedarf. Dieser erfordert eine Ausweitung der Erwerbsbeteiligung von Frauen. Aber auch durch die Alterung der Gesellschaft und damit die Zunahme von Hilfe- und Pflegebedürftigen wächst der Bedarf an Unterstützungsleistungen im Haushalt.

Großer Bedarf an Unterstützung im Haushalt

Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass 2017 mehr als 3,3 Millionen private Haushalte Hilfe beim Putzen, Bügeln, Rasenmähen oder anderen Diensten zu Hause in Anspruch genommen haben. Der tatsächliche Bedarf wird aber noch wesentlich höher geschätzt. Denn mehr als die Hälfte der rund 41 Millionen Haushalte in Deutschland haben laut einer Umfrage Interesse an gelegentlicher oder regelmäßiger Unterstützung. Das Potenzial für (legale) Arbeit in Haushalten ist also riesig.

Anteil der Schwarzarbeit in Privathaushalten immens hoch

Doch nur 49.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und rund 300.000 Minijobbende sowie etwa 20.000 Selbstständige waren zuletzt in den Haushalten registriert. Der Anteil der Schwarzarbeit in Privathaushalten liegt nach Schätzungen bei 80 bis 90 Prozent.

So lässt sich Schwarzarbeit verdrängen

Damit die Schwarzarbeit hier verdrängt wird, müssten die Privathaushalte entweder als legale Arbeitgeber agieren. Doch viele wollen diese Funktion nicht übernehmen – auch weil sie sich damit überfordert fühlen. Eine Alternative ist deshalb: Der Privathaushalt wird Auftraggeber und kauft die Dienste im Haushalt bei einem Unternehmen (einer Dienstleistungsagentur) ein. So könnten im Prinzip mehrere hunderttausend legale sozialversicherte Arbeitsplätze in den Haushalten entstehen.

Aber: Die Dienstleistungsstunde ist wegen der fälligen Sozialabgaben, der (Mehrwert-)Steuer sowie der zusätzlich anfallenden Unternehmenskosten für die Haushalte deutlich teurer. Wenn die Einschaltung von Dienstleistungsagenturen klappen soll, dann müssen sich – auch finanziell schlechter gestellte – Privathaushalte deren Angebote leisten können.

Die Lösung dafür wäre ein öffentlicher Zuschuss, der bei Bedarf zur Verfügung steht, eine Konkurrenzfähigkeit zum Schwarzmarktpreis herstellt und ausschließlich bei Dienstleistungsagenturen einzulösen ist. Beispiele dazu liefern (Gutschein-)Modelle in Belgien und Frankreich oder in Baden-Württemberg.

Gutscheine für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen

In einem kürzlich abgelaufenen Modellprojekt im »Ländle« bekamen Personen, die wieder in den Beruf einsteigen oder ihre aufgrund von Familienaufgaben reduzierte Arbeitszeit erhöhen wollten, Gutscheine für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen. Sie hatten einen Wert von 12 Euro je Arbeitsstunde. Es gab sie für maximal 20 Stunden pro Haushalt im Monat.

Hilfsdienste im Haushalt aus der Grauzone herausholen

Dieser innovative Weg kann nicht nur zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen, sondern auch die Hilfsdienste im Haushalt aus der rechtlichen Grauzone herausholen. Die Voraussetzungen: Die Haushaltskräfte müssen vollumfänglich sozialversichert sein, existenzsichernd nach Tarif bezahlt werden und die Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung haben. Und: Die Dienstleistungsagenturen müssen vorgegebene Qualitätsstandards erfüllen und zertifiziert sein.

Dass und wie sich ein solches Modell – trotz erheblicher Kosten – sogar refinanzieren kann, macht Renate Kuhn, Expertin aus der Abteilung Arbeitsmarktpolitik beim DGB-Bundesvorstand, in der Ausgabe 11/2019 der »Sozialen Sicherheit« deutlich.  

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© bund-verlag.de (HN)

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