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Arbeitsqualität: Das Recht auf Gute Arbeit

12. Juli 2021 Gute Arbeit
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Quelle: pixabay

Mit welchen Schritten und Gesetzen ist Gute Arbeit machbar? Der ver.di-Bundesvorsitzende Frank Werneke zeichnet dazu grobe Linien in der Zeitschrift »Gute Arbeit« 7/2021 – und er problematisiert: In Wahljahren versprechen alle Parteien Gute Arbeit. Doch wer Gute Arbeit will, muss sich an den gewerkschaftlichen Positionen messen lassen.

Burnout wird ab dem kommenden Jahr endlich auch in der Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten aufgeführt sein – als ein Syndrom, das mit Stress am Arbeitsplatz im Zusammenhang steht. Das ist hilfreich und nicht zuletzt auch ein gewerkschaftlicher Erfolg. Wie oft war uns jahrelang vorgeworfen worden, unter dem Titel »Burnout« allfällige Daseinsbeschwerden auf die Arbeitsbedingungen zu schieben. Ziel sind letztlich Arbeitsbedingungen, die so gut sind, dass die Diagnose Burnout nicht mehr gestellt werden muss.

Lehren aus der Pandemie

Davon waren die Verhältnisse bereits vor der Corona-Zeit weit entfernt, die erhebliche zusätzliche Belastungen mit sich gebracht hat. Umso wichtiger ist es, die Zeichen einer Pandemie richtig zu deuten, in der die prinzipielle Verletzlichkeit der Individuen und die hausgemachten Schwächen des Sozialgefüges augenfällig wurden. Die Zeit ist überreif für eine Wende in Richtung Ausbau der Sozialrechte, der sozialen Infrastruktur und der sozialen Dienstleistungen sowie eine arbeitspolitische Agenda, die sich am Recht auf Gute Arbeit orientiert. (…)

Bundestag und Bundesregierung stehen zwei Wege für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen offen, sie können:

  • Gesetze und Verordnungen verabschieden, die direkt auf die Arbeitsqualität einwirken, so etwa durch ein Homeofficegesetz oder eine Antistressverordnung.
  • Indirekt durch eine rechtliche Stärkung des Tarifsystems wirken, indem die Tarif- und Betriebsparteien bessere Möglichkeiten erhalten, die Arbeitsbedingungen nach den Regeln der sozialen Selbstbestimmung zu gestalten.

Tarifautonomie und soziale Dienstleistungen stärken

Das Tarifsystem kann nur funktionieren, wenn die Tarifparteien sich als dessen Träger verstehen und entsprechend handeln. Untergraben wird das System, wenn Arbeitgeber reihenweise Tarifflucht begehen und dies von Arbeitgeberverbänden auch noch begünstigt wird, indem sie Unternehmen OT-Mitgliedschaften (ohne Tarifbindung) offerieren. (…)

Was der jahrelange politische Kurs der Entstaatlichung, Privatisierung und Rationalisierung angerichtet hat, ist durch die Pandemie in ein grelles Licht gerückt worden. Versäumnisse in Forschung und Prävention, akuter Personalmangel in der Kranken- und Altenpflege, Unterausstattung der Gesundheitsämter, - der Platz reicht nicht für eine vollständige Schadensmeldung. Offenkundig ist: Wir brauchen einen Kurswechsel hin zu einer gemeinwohlorientierten Daseinsvorsorge und einem Investitionsprogramm inkl. massiver Personalaufstockung insbesondere in den Bereichen Arbeitsschutz, Gesundheitswesen, Weiterbildung, Forschung, Kinder- und Jugendförderung sowie im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Individuelle Rechte der Beschäftigten erweitern

Gute Arbeit ist ein Prädikat für die Qualität von Arbeitsbedingungen. Gute Arbeit kann nicht jede und jeder für sich in Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber verwirklichen. Was kollektivrechtlich oder gesetzlich abgesichert wird, soll aber selbstverständlich den Einzelnen zugutekommen.  (…) Wichtig sind:

  • Ein Recht auf Homeoffice Wahlfreiheit, soweit die Arbeitsaufgabe dies zulässt, eine gute Arbeitsqualität.
  • Ein Recht auf Unerreichbarkeit Schutz der Privatsphäre und der Gesundheit in Zeiten der Digitalisierung, ein Recht auf ausreichend Personal und eine adäquate Arbeitsmenge.
  • Ein Recht auf Weiterbildung Mit einem Weiterbildungsgesetz und geförderter Weiterbildungsteilzeit die Anforderungen der Digitalisierung meistern.
  • Ein Aus für sachgrundlose Befristungen sowie für den Missbrauch von Werkverträgen und Plattformarbeit, Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. (…).

Weitere Informationen

Der ausführliche Betrag von Frank Werneke im Titelthema »Gute Arbeit« 7/2021 (S. 8-10). Außerdem im Titelthema »Arbeitsqualität – Offensive für gute Arbeitsbedingungen« lesen:

  • Dr. Nadine Müller, Astrid Schmidt: »Personalführung: Arbeitsintensität im Fokus« (S. 11-14).
  • Sylvia Skrabs, Christian Wille: »Gute Arbeit ist kein Selbstläufer« (S. 15-18).
  • Klaus Heimann: »Knackpunkt psychische Belastungen« (S. 19-21).

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