Gute Arbeit

Bullshit Jobs oder sinnvolle Arbeit?

29. Juni 2023
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Quelle: © britta60 / Foto Dollar Club

Ob eine Arbeit als sinnvoll empfunden wird, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Neben dem gesellschaftlichen Nutzen spielen auch Entwicklungsmöglichkeiten, Betriebskultur und Entlohnung für die Beschäftigten eine wichtige Rolle. Wie eng die Sinnhaftigkeit mit der Arbeitsgestaltung zusammenhängt, beleuchten Rolf Schmucker und Robert Sinopoli vom DGB Index Gute Arbeit in der »Arbeitsrecht im Betrieb« 6/2023.

Verantwortung.

Vor einigen Jahren hat der US-amerikanische Anthropologe David Graeber eine lebhafte Debatte über die Sinnhaftigkeit moderner Arbeit angestoßen. Mit der Bezeichnung »Bullshit Jobs« beschrieb er berufliche Tätigkeiten, die keinen gesellschaftlichen Mehrwert besitzen. Würden diese Jobs verschwinden, so seine Überlegung, würde das niemandem groß auffallen. Graeber verortete Bullshit Jobs z. B. im Bereich des mittleren Managements, in der Verwaltung, in den Finanzdienstleistungen oder der PR-Branche. Er ging davon aus, dass in modernen kapitalistischen Volkswirtschaften etwa 40 % der Beschäftigten solche Tätigkeiten ausübten. Ein entscheidendes Kriterium für Bullshit Jobs bei Graeber ist, dass die Beschäftigten selbst – auch wenn sie dies nicht öffentlich äußern – davon überzeugt sind, dass ihre Arbeit keine tiefere Existenzberechtigung besitzt. Der Job dient als Broterwerb, hat darüber hinaus jedoch keine sinnstiftende Funktion.

Arbeitssinn im DGB-Index Gute Arbeit

Die eigene Arbeit als sinnvoll zu empfinden, wirkt sich positiv auf Motivation und Wohlbefinden aus. Einer Tätigkeit nachzugehen, in der man keinen Sinn sieht, stellt dagegen eine psychische Belastung und – sofern dies dauerhaft der Fall ist – auch ein gesundheitliches Risiko dar. Aus diesem Grund ist in der Beschäftigtenbefragung mit dem DGB-Index Gute Arbeit die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit ein Kriterium für gute Arbeitsbedingungen.

Der subjektive Sinn der Arbeit wird im DGB-Index Gute Arbeit jedoch – anders als bei Graeber – nicht nur mit Blick auf den gesellschaftlichen Nutzen der Tätigkeit gesehen. Sinnstiftend kann Arbeit auch sein, wenn sie auf effektive, rationale Art ausgeführt wird oder wenn die Beschäftigten sich im Betrieb als produktive und wertgeschätzte Persönlichkeiten wahrnehmen. Im Fragebogen des DGB-Index Gute Arbeit wird entsprechend nach drei Aspekten gefragt, die in die Bewertung des Arbeitssinns einfließen. Neben dem gesellschaftlichen Nutzen bewerten die Befragten den Beitrag der eigenen Tätigkeit für den Betrieb sowie das Ausmaß, in dem sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren. Im Folgenden werden Ergebnisse der repräsentativen Befragung aus dem Jahr 2022 präsentiert, in der 6.689 zufällig ausgewählte abhängig Beschäftigte Auskunft über ihre Arbeitssituation gaben.

Sehr weit verbreitet ist die Einschätzung, mit der eigenen Arbeit einen wichtigen Beitrag für den Betrieb zu leisten. 91 % der Befragten sehen dies in (sehr) hohem Maß als gegeben an. Stark ausgeprägt ist auch die Identifikation mit der Arbeit: 84 % identifizieren sich in (sehr) hohem Maß. Immerhin noch 71 % sehen ihre Tätigkeit in (sehr) hohem Maß als einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Dies bedeutet aber auch, dass knapp jede bzw. jeder dritte Beschäftigte der eigenen Arbeit keinen größeren gesellschaftlichen Nutzen beimisst. In Graebers Sinn könnte man hier von »Bullshit Jobs« sprechen.

Gesellschaftlicher Nutzen

Bei der Bewertung des gesellschaftlichen Nutzens besteht eine starke Differenzierung nach Berufen. Beschäftigte in Gesundheitsberufen, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, und auch Polizistinnen und Polizisten schätzen ihre Arbeit zu über 90 % als wichtige Tätigkeit für die Gesellschaft ein. Bei Berufen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie in Werbung und Marketing sieht das anders aus. Hier liegt der Anteil derjenigen, die den gesellschaftlichen Nutzen ihrer Arbeit hoch bewerten, lediglich bei etwas mehr als der Hälfte der Befragten. Ein als eher gering eingeschätzter gesellschaftlicher Mehrwert der eigenen Tätigkeit bedeutet jedoch nicht, dass zugleich auch die Identifikation mit der Arbeit oder der eigene Beitrag für den Betrieb gering bewertet werden: In IKT-Berufen geben jeweils etwa 90 % der Befragten an, dass sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren bzw. dass sie einen wichtigen Beitrag für den Betrieb leisten. Sinnstiftung beruht hier offenbar weniger auf dem gesellschaftlichen Nutzen als auf anderen Merkmalen der Arbeit.

Warum Entwicklungsmöglichkeiten und eine gute Betriebskultur eine immense Auswirkung auf die Sinnhaftigkeit der Arbeit haben, erfahrt Ihr in »Arbeitsrecht im Betrieb« 6/2023. Den vollständigen Beitrag lesen Abonnent:innen hier.

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