Wochenarbeitszeit

»Der Gesundheitsschutz fällt hinten runter«

27. März 2025
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Quelle: © M. Schuppich / Foto Dollar Club

Auch in den Koalitionsverhandlungen bleibt eine wöchentliche anstelle einer täglichen Höchstarbeitszeit Thema. Die Arbeitgeberseite erhofft sich mehr Flexibilität, Gewerkschaften fürchten Raubbau an der Gesundheit der Beschäftigten.

Die Arbeit flexibel gestalten, mehr Zeit für die Familie, steuerfreie Überstunden – was auf den ersten Blick reizvoll klingt, birgt eine Gefahr: die dauerhafte Erhöhung von Arbeitszeiten. 

Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied, sagt: »Das geplante Umschwenken auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit bedeutet faktisch das Ende des 8-Stunden-Tags und die Aufgabe der 10-Stunden-Grenze bei der Tagesarbeitszeit. Dagegen stehen wir Gewerkschaften: Überlange Arbeitszeiten sind ein hohes Risiko für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten. Wir setzen uns für Arbeitszeiten ein, die zum Leben passen und die Gesundheit der Beschäftigten schützen.«

Flexibilisierung zu Lasten der Beschäftigten

Aus Sicht von Gewerkschaftsvertretern wie Piel ist ein Wechsel zu einer wöchentlichen Arbeitszeit missbrauchsanfällig. Es drohe eine weitere Flexibilisierung, die dem Wunsch der Arbeitgeberseite entspreche, aber zu Lasten der Beschäftigten gehe. »Der Gesundheitsschutz fällt hinten runter: In den Arbeitsschutzbehörden gibt es schon jetzt nicht ausreichend Personal, um bestehende Regelungen regelmäßig zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden«, mahnt Piel. 

Auch steuerfreie Überstunden seien für viele Beschäftigte kein Vorteil, sondern ein Fehlanreiz, mit einer verdeckten höheren Arbeitszeit ihre eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen, so die Befürchtung der Gewerkschafterin aus der Führungsriege des DGB. Es brauche für eine Erhöhung der Produktivität intelligente und mitbestimmte Arbeitsorganisation und bedarfsorientierte Personalbemessung. »Kluge Arbeitgeber erhöhen die Produktivität nicht durch überlange Arbeitszeiten«, sagt Piel. 

Angriff auf Chancengleichheit

Sie sieht ein weiteres Problem, dass eine wöchentliche Höchstarbeitszeit nach sich ziehen könnte: die weitere Verschlechterung der Karrierechancen von Frauen: »Gekniffen sind bei dieser Regelung wieder Frauen: Viele Frauen arbeiten wegen der ungerecht verteilten Sorgearbeit und zu wenig Kitaplätzen ohnehin in Teilzeit. Sie würden von einer Steuerfreistellung nicht profitieren. Stattdessen verstärkt das Vorhaben bestehende Ungleichheiten und gefährdet die gerechte Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Das Problem Teilzeitfalle wird damit nicht gelöst, sondern es wird nur noch größer.«

Doch nicht nur für Arbeitnehmerinnen erwartet Piel einen Nachteil bei einer entsprechenden Arbeitszeitregelung. Denn faktisch nützt die Steuerfreiheit vielen Beschäftigten nichts, da sich Überstunden oftmals auf dem Lohnzettel nicht bemerkbar machen: »In vielen Betrieben könnte die neue Regel zu Chaos führen: Häufig werden Überstunden durch freie Zeit ausgeglichen – nicht mit Geld. Dazu passt keine gesetzliche Regelung zu steuerfreien Überstunden.«

Mehr zum Problemfall »Wochenarbeitszeit«

© bund-verlag.de (mst)

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