Tarifvertrag

Digitalisierung bei H&M: Prozesse begleiten, Beschäftigte beteiligen

07. März 2025
Unterschrift Vertrag Vereinbarung Betriebsvereinbarung Arbeitsvertrag Dollarphotoclub_87438799
Quelle: Rido_Dollarphotoclub

Smarte Assistenz- und Steuerungstechnologien sind im Handel Motor der digitalen Transformation. Arbeitsaufgaben und die Arbeitsorganisation wandeln sich. Für ver.di ist die proaktive Mitbestimmung dieser Veränderungen zentral. Ein Tarifvertrag schlägt neue Wege ein. »Gute Arbeit« 2/2025 stellt das Beispiel vor.

Der schwedische Modekonzern H&M entwickelt sich vom »Modeunternehmen zu einem Datenunternehmen«. Den Trend beschrieb ein H&M-Technologieleiter, der es wissen muss. ver.di hat die Zeichen der Zeit erkannt und schloss für die Filialbeschäftigten von H&M einen Tarifvertrag (TV) ab, der die Beteiligung der Beschäftigten und die Mitbestimmung der laufenden Prozesse festschreibt.

Digitale Innovationen

Unternehmen wie H&M nutzen digitale Tools zur Umsetzung neuer Geschäftsideen. Der kontaktlose Datenaustausch mit RFID-Identifikation erlaubt es etwa, die zur Umkleidekabine gebrachte Ware zu erkennen und über einen digitalen Spiegel dazu passende, personalisierte Produkt- und Styling-Empfehlungen anzubieten. Das gibt es bisher vor allem in den USA, doch der Trend ist klar, und der Einzelhandel setzt Neues um. Selbstzahler-Kassensysteme sind hierzulande bereits installiert.

Der neue Ansatz im Tarifvertrag

Der für Filialbeschäftigte vereinbarte Digitalisierungs-TV stellt die Beschäftigten in den Mittelpunkt des Geschehens: Technikeinsatz wird aus ihrer Perspektive bewertet und gestaltet. Die zuständige ver.di-Fachgruppe hat festgelegt, sich nicht mit den Folgen digitaler Technik zu befassen, sondern IT-Systeme von Beginn an – vor Einführung der Innovationen – mitzubestimmen.

Die frühzeitige Beteiligung der Beschäftigten und ihrer Interessenvertretungen soll sicherstellen, dass Bedürfnisse, Interessen und das Wissen der Belegschaft berücksichtigt werden, dass die Arbeitsqualität präventiv verbessert wird, dass Fragen der Leistungsregulierung (ohne Arbeitsverdichtung) von vornherein diskutiert werden.

Folgenabschätzung des Wandels

Technikeinsatz darf laut TV nicht zur Dequalifizierung oder Abwertung von Tätigkeiten führen, dagegen sind Kontakte mit der Kundschaft und persönliche Beratung im Verkauf zu stärken. Das Ersetzen qualifizierter Kräfte durch Leiharbeit und Werkverträge soll gestoppt werden. Das stationäre Geschäft und die Beschäftigungssicherung rücken in den Fokus.

Hier einige Eckpunkte der Vereinbarung: 

  • Das Unternehmen informiert Beschäftigte und Betriebsräte vorab, welche IT-Technik geplant ist, wofür die Tools eingesetzt werden sollen.
  • Beschäftigte und Betriebsräte werden frühzeitig bei digitaler Technik beteiligt, die zwar zunächst Kund*innen adressiert, aber die Arbeitsorganisation verändert.
  • Änderungen sind mit den (möglichen) Auswirkungen auf die Arbeitszeiten, den Personalbedarf und die Personaleinsatzplanung zu bewerten.

Dazu regelt der TV mit drei Module:

  • Modul 1: Durch Beratung Einfluss auf das Zukunftskonzept von H&M nehmen.
  • Modul 2: Digitale Technik im Sinne guter, gesundheitsförderlicher Arbeit gestalten.
  • Modul 3: Nachhaltige Beschäftigungssicherung durch einen Kündigungs- und Abgruppierungsschutz sowie eine Qualifizierungsinitiative zur Optimierung der Kundenberatung und -ansprache.

Zur Umsetzung wurden Prozesse definiert und Mitbestimmungsgremien mit klar umrissenen Befugnissen festgelegt.

Den vollständigen Beitrag in »Gute Arbeit« 2/2025 lesen

Weitere Informationen

Neugierig auf den Beitrag von Cosimo-Damiano Quinto, der viele Details zu den Mitbestimmungsregularien bei H&M verrät?

Mehr lesen im Titelthema »Gute Arbeit« 2/2025, »Beschäftigte beteiligen – Eine Offensive für gute Arbeitsgestaltung«. Darin u. a.:

  • Dr. Nadine Müller, Claus Zanker: Gute Arbeit im Logistiksektor gestalten (S. 8-13).
  • Cosimo-Damiano Quinto: Digitalisierung bei H&M: Prozesse begleiten, Beschäftigte beteiligen (S. 14-18).
  • Clivia Conrad, Astrid Schmidt, Dr. Alexandra Wagner: Fakten für Gute Arbeit in der Ver- und Entsorgung (S. 19-22).

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