Gleichstellungspolitik

Equal Pay Day und Internationaler Frauentag

07. März 2025
Team Frauen Männer Lohn Gehalt Geld
Quelle: www.pixabay.com/de

2025 folgen zwei wichtige Gedenk- und Aktionstage für Geschlechtergerechtigkeit im Arbeitsleben direkt aufeinander: Am 7. März 2025 erinnert der Equal Pay Day daran, dass Frauen im Vergleich zu Männern immer noch signifikant weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten - an diesem Tag und am gleich darauf folgenden Weltfrauentag (8. März 2025) setzen sich Gewerkschaften und Verbände dafür ein, dass dies anders wird.

Frauen erhalten in Deutschland im Schnitt 18 Prozent weniger Gehalt als Männer, das hat das Statistische Bundesamt für das Jahr 2023 berechnet. Rechnet man den Wert von 18 Prozent in Tage um, arbeiten Frauen vom 1. Januar an 66 Tage unentgeltlich. Der Equal Pay Day findet deshalb in diesem Jahr am 7. März 2025 statt. Als Gender Pay Gap oder geschlechtsspezifische Lohnlücke wird die prozentuale Differenz zwischen durchschnittlichen Bruttostundenlohn der Männer und dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn der Frauen bezeichnet. Frauen erhielten im Jahr 2023 mit durchschnittlich 20,84 Euro einen um 4,46 Euro geringeren Bruttostundenverdienst als Männer (25,30 Euro).

Gewerkschaften fordern Gleichbehandlung beim Lohn ein

Bei einer Gewerkschaftsaktion vor dem Brandenburger Tor forderte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack die künftige Bundesregierung auf, mehr in Gleichstellung zu investieren:

»Auch in diesen Zeiten bleibt es grundgesetzlich verbriefter Auftrag der Bundesregierung, die Gleichstellung von Frauen und Männern durchzusetzen. Unverzichtbar sind Investitionen in die Infrastruktur: Bedarfsdeckende Angebote für Kinderbetreuung und mehr Unterstützung bei der häuslichen Pflege sind notwendig, um Frauen mehr Erwerbsarbeit zu ermöglichen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dafür sollte der Bund die Länder dauerhaft stärker finanziell unterstützen. 

Damit Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen partnerschaftlich verteilt werden kann, braucht es weitere Maßnahmen, wie die Einführung von zehn Tagen bezahlter Freistellung für Väter und zweite Elternteile nach der Geburt eines Kindes sowie ein höheres Elterngeld. Und natürlich müssen Frauen gerecht bezahlt werden: Als eine erste Maßnahme sollte die künftige Bundesregierung deswegen die EU-Entgelttransparenzrichtline vollständig in nationales Recht umsetzen, damit Entgeltdiskriminierung auf betrieblicher Ebene in Zukunft aufgedeckt und beseitigt wird.« (DGB.de, Pressemitteilung 018 »Equal Pay Day und Internationaler Frauentag« vom 7.3.2025).

Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: “Die Ungleichheit in der Bezahlung zwischen Frauen und Männern macht nicht vor dem öffentlichen Dienst Halt. In drei Bundesländern werden Grundschullehrkräfte immer noch schlechter eingruppiert und damit bezahlt, als Lehrkräfte an anderen Schulformen – und an Grundschulen arbeiten mit 90 Prozent die meisten Frauen. An Grundschulen gibt es zudem deutlich weniger Karrieremöglichkeiten als an anderen Schulformen. Unsere Besoldungs- und Tarifpolitik wird so auch zur Gleichstellungspolitik. In vielen Bundesländern war die GEW damit erfolgreich und hat durchgesetzt, dass der Grundsatz ‚kleine Kinder, kleines Geld‘ nicht länger gültig ist. 13 von 16 Bundesländer haben sich auf Druck der GEW hin auf den Weg gemacht, Grundschullehrkräfte endlich genauso einzugruppieren, wie die Lehrkräfte an anderen Schulformen. Die drei verbleibenden Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland müssen jetzt liefern!” (DGB.de, Pressemitteilung 018 »Equal Pay Day und Internationaler Frauentag« vom 7.3.2025).

Michael Vassiliadis, IG BCE-Vorsitzender: “Es ist ein mittelalterlich anmutendes Verständnis von Geschlechtergleichheit, das bis heute in vielen Bereichen unserer Gesellschaft erkennbar ist. Potenziale werden verschenkt, Gerechtigkeit und Gleichheit als zentrale Prinzipien unseres Grundgesetzes täglich verletzt. Dass wir bei gleicher Arbeit noch immer einen Unterschied von 16 Prozent zwischen Männern und Frauen messen, ist ein Skandal, den die deutschen Gewerkschaften niemals hinnehmen werden und laut und stark bekämpfen. Das wichtigste und erfolgreichste Gegenmittel gegen ungleiche Bezahlung sind Tarifverträge und somit Tarifbindung. In der Chemie haben wir damit den Gender Pay Gap auf 7 Prozent reduziert. Das ist besser als in allen Bereichen ohne Tarifverträge, aber weiterhin viel zu hoch. In Unternehmen mit starker Mitbestimmung und einer Kultur der Gleichstellung kann man noch mehr erreichen. Es gibt Fälle, da haben wir den Gender Pay Gap bereits unter 2 Prozent drücken können. Aber auch hier gilt, wie generell: Das Ziel bleibt 0 Prozent.” 

(Quelle der Gewerkschafts-Statements: DGB.de, Pressemitteilung 018 »Equal Pay Day und Internationaler Frauentag« vom 7.3.2025).


Den Equal Pay Day gibt es seit 2009. Er findet jährlich an dem Tag statt, ab dem Frauen auch für ihre Lohnarbeit bezahlt werden. 2009 fand der Aktionstag noch am 20. März statt. Die Lücke wird also kleiner, liegt aktuell bei 66 Tagen. Doch bis Frauen auch ab dem 1. Januar bezahlt werden, so wie Männer, dauert es wohl noch. Der Gender-Pay-Gap, also die geschlechtsspezifische Lohnlücke, lag laut Statistischem Bundesamt 2024 bei 16 Prozent. Im Jahr 2023, auf die sich der diesjährige Tag bezieht, lag sie bei 18 Prozent.

Gedenktag mit langer Geschichte

Der Internationale Frauentag oder Weltfrauentag wird jedes Jahr am 8. März begangen. In Deutschland ist der Frauentag in den Bundesländern Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gesetzlicher Feiertag. Mit den Friedensaufrufen stellen sich die Weltfrauentage in eine lange Tradition. Während der Weltfrauentag bereits seit 1909 unter verschiedenen politischen Vorzeichen (Frauenstimmrecht, Sozialismus) begangen wurde, haben die Vereinten Nationen (UN) den Tag erstmals 1975 weltweit begangen - als »Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden« - beide Anliegen sind immer noch miteinander verbunden.

© bund-verlag.de (ck)

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