Gefährdungsbeurteilung

Initiative zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Arbeitshilfe - Checkliste

Es gibt Lücken im betrieblichen Arbeitsschutz: zu wenige Gefährdungsbeurteilungen, zu wenige Maßnahmen mit einer zu geringen Wirksamkeit. ver.di hat das für die Dienstleistungsbranchen untersucht. Werden die Beschäftigten im Arbeitsschutz beteiligt, sind die Effekte positiver, doch das findet nur selten statt. Der Betriebsrat der Stadtwerke Wolfenbüttel hat das Thema angepackt und in »Gute Arbeit« 10/2024 darüber berichtet.

Timo Polk, der Betriebsratsvorsitzende der Stadtwerke, blickt zufrieden auf die letzten zwei Jahre. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen wurde per Beschäftigtenbefragung mit dem DGB-Index Gute Arbeit initiiert; es folgten die Auswertung der Ergebnisse, Workshops mit Beschäftigten, die Entwicklung von Ideen für Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung sowie viele Folgegespräche. Mit im Team war Kathrin Morscheck, Koordinatorin für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) der Stadtwerke. Gemeinsam wurde ein gut strukturierter Prozess zur Verbesserung der Arbeitsgestaltung angestoßen. Die Beschäftigten waren beteiligt und wurden transparent informiert. Jeder konnte Ideen einbringen und aktuell den Stand der Umsetzung einsehen:

  • Welche Maßnahmen und Ideen wurden entwickelt?
  • Was wurde umgesetzt oder ist noch in Arbeit?
  • Welche Vorschläge wurden von der Geschäftsleitung warum abgelehnt?

Gesundheit und Arbeitsgestaltung als Projekt

Im Vergleich zur ersten Gefährdungsbeurteilung vor gut fünf Jahren ging es dem Betriebsratsgremium darum, nachhaltige Strukturen aufzubauen. »Wir haben jetzt feste Verabredungen, die es zulassen, kontinuierlich für bessere Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Nicht alle Vorschläge der Belegschaft lassen sich sofort realisieren. Da brauchen wir einen langen Atem.« Timo Polk ist zuversichtlich, dass die praktizierte Beteiligung von vielen der rund 130-köpfigen Belegschaft auch in der Zukunft Bestand hat.

Gute Arbeit in der Praxis - ein ver.di-Schwerpunkt

Die Stadtwerke Wolfenbüttel sind für Gas, Wasser und Strom von 55.000 Menschen zuständig. Begonnen hat die aktuelle Gefährdungsbeurteilung 2022. Die Gewerkschaft ver.di gab den Startschuss für die bundesweite Umfrage »Gute Arbeit in der Ver- und Entsorgung« (kurz: UGAVE). Angesprochen waren in erster Linie Beschäftigte der Branche; unter bestimmten Voraussetzungen konnten aber auch Betriebe oder Verwaltungen teilnehmen, die eine betriebliche Befragungsauswertung anstrebten – als Datenbasis für ihre Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Timo Polk war ehrenamtlicher Vertreter in der ver.di-Projektgruppe. Ihm war klar, dass die Teilnahme des Arbeitgebers an der großen Befragung Chancen eröffnen würde. Befragungsgrundlage war der DGB-Index-Gute Arbeit, der für die Stadtwerke um einige spezifische und betriebliche Aspekte ergänzt wurde.

Befragung gut betrieblich verankert

Der Projektansatz überzeugte nicht nur den Betriebsrat, sondern auch die Geschäftsführung. Beide Seiten engagierten sich mit gezielter Ansprache der Vorgesetzten und der Belegschaft dafür, dass sich möglichst viele an der Befragung beteiligten. 78% der Beschäftigten füllten den Online-Fragebogen in rund 20 Minuten aus. Es ging u. a. um Fragen aus elf Themen-Blöcken, die bedeutsam für die Qualität der Arbeitsbedingungen sind:

  • Arbeitsintensität
  • Sinngehalt der Arbeit
  • Arbeitszeitlage
  • Gestaltungsmöglichkeiten
  • Emotionale Anforderungen
  • körperliche Anforderungen
  • Betriebskultur
  • Entwicklungsmöglichkeiten
  • Beschäftigungssicherheit
  • betriebliche Sozialleistungen
  • Einkommen. (…)

Weitere Informationen

Neugierig auf den vollständigen Beitrag von Dr. Klaus Heimann? Diesen und weitere Fachbeiträge in »Gute Arbeit« 10/2024 lesen, Titelthema »Arbeitsschutz verbessern – Mehr gute Praxis bei der Gefährdungsbeurteilung«. Darin unter anderem:

  • D. Gimpel, M. Nöthen: Arbeitsbelastung hoch, Arbeitsschutz mangelhaft (S. 8-13).
  • Dr. K. Heimann: Initiative zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen (S. 14-18).
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