Gesundheitsschutz

Hugo Sinzheimer Institut warnt vor Entgrenzung der Arbeitszeit

02. Juni 2025
Arbeitszeit
Quelle: iStock.com, coffeekai

Die Pläne der Bundesregierung könnten eine tägliche Höchstarbeitszeit von mehr als zwölf Stunden erlauben, zeigt eine Kurzstudie des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeitsrecht (HSI) der Hans-Böckler-Stiftung – mit zahlreichen negativen Folgen.

»Eine Arbeitszeitderegulierung, die Erkenntnisse von Arbeitsmedizin und Arbeitsforschung ausblendet und an der sozialen Realität vorbeigeht, dürfte wirtschaftlich sogar kontraproduktiv wirken. Denn sie würde gerade jene Entwicklungen bremsen, die in den vergangenen Jahren wesentlich zu Rekordwerten bei Erwerbstätigkeit und Arbeitsvolumen beigetragen haben und gleichzeitig Probleme bei Gesundheit und Demografie verschärfen«, sagt HSI Expertin Dr. Amélie Sutterer-Kipping zum Vorhaben der Bundesregierung, die gesetzlichen Vorgaben zu täglichen Höchstarbeitszeiten aufzuweichen. 

In einer Kurzstudie zeigt sie zusasmmen mit Co-Autor Dr. Laurens Brandt auf, dass eine weitgehende Lockerung der täglichen Arbeitszeit bestehende gesundheitliche Probleme in der Erwerbsbevölkerung verschärfen und somit das Arbeitspotenzial schwächen würde – was Prognosen widerspricht, die aus dem Arbeitgeberlager kommen und besagen, dass diese Maßnahme die Wirtschaft in Deutschland ankurbeln würde.

Die Autoren sehen außerdem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Gefahr, was insbesondere die Teilnahme von Frauen am Erwerbsleben einschränken würde. 

Erhoffte Flexibilität bereits jetzt vorhanden

Die Autoren der Kurzstudie weisen darauf hin, dass die geltende Rechtslage bereits heute eine erhebliche Flexibilität erlaube. Die Arbeitszeit könne beispielsweise ohne Rechtfertigung auf bis zu zehn Stunden täglich ausgeweitet werden, wenn innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich erfolgt, also die durchschnittliche Arbeitszeit von acht Stunden werktäglich nicht überschritten wird.

Zudem lasse das Arbeitszeitgesetz zahlreiche branchen- bzw. tätigkeitsbezogene Abweichungen und Ausnahmen durch Tarifvertrag, Betriebs- oder Dienstvereinbarung oder durch behördliche Erlaubnis zu, wobei im Regelfall ein entsprechender Zeitausgleich gewährleistet sein muss.

Gesundheitsrisiko bei weiterer Flexibilisierung

Als weiteres Argument gegen eine Anhebung der täglichen Arbeitszewit führen die Autoren die Gesundheitsgefahren für die Beschäftigten an. Arbeitsmedizinisch sei längst erwiesen, dass Arbeitszeiten von mehr als acht Stunden die Gesundheit gefährden. Die Gefahr von stressbedingten Erkrankungen und insbesondere psychischen Leiden würde erheblich ansteigen. Ebenfalls erhöhen würde sich die Gefahr von Arbeitsunfällen. 

»Neben den fatalen Folgen für Arbeitnehmende stellt dies langfristig auch das Gesundheitssystem und Arbeitgebende vor enorme Herausforderungen«, betonen Sutterer-Kipping und Brandt.

© bund-verlag.de (mst)

Quelle

Pressemitteilung der Hans-Böckler-Stiftung vom 30.05.2025

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