Nacht- und Schichtarbeit besser gestalten
Nacht- und Schichtarbeit ist in vielen Bereichen unverzichtbar, um Funktionen der Wirtschaft und Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Gesundheitsversorgung, öffentliche Sicherheit und Energieversorgung sind beispielsweise »rund um die Uhr« sicherzustellen. Darüber hinaus besteht in vielen Branchen und Arbeitsbereichen die organisatorische oder technologische Notwendigkeit für Nacht- und Schichtarbeit. Bestimmte Industriezweige wie die Lebensmittel-, Metall- und Chemieindustrie, sind mit langanhaltenden oder nicht zu unterbrechenden Produktionsprozessen auf Vollkonti-Schichten angewiesen. Frank Brenscheidt, Laura Vieten und Nils Backhaus Autor*innen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erläutern in »Gute Arbeit« 4/2026 Auswirkungen atypischer Arbeitszeiten und Gestaltungsansätze für die Praxis.
Faktoren für hohe Fehlbelastungen
Neben der Arbeit zu wechselnden und atypischen Arbeitszeiten (etwa spät abends, früh morgens oder nachts), geht Schichtarbeit oft mit zusätzlichen ungünstigen Faktoren einher. Beschäftigte in Schichtarbeit sind häufig von Sonn- und Feiertagsarbeit, verkürzten Ruhezeiten von weniger als elf Stunden zwischen zwei Arbeitseinsätzen und betriebsbedingten Änderungen der Arbeitszeiten betroffen. Ihre Teilhabe am sozialen Leben leidet.
Hinzu kommen ungünstige Arbeitsbelastungen wie Rauch, Gase, Kälte, Hitze oder Lärm, die bei Schichtarbeit häufiger auftreten. Gleiches gilt für fordernde körperliche Arbeit: etwa langes Stehen sowie das Heben und Tragen schwerer Lasten. Nicht zuletzt werden psychische Arbeitsanforderungen wie eine hohe Arbeitsintensität und monotone Arbeitsbedingungen bei Schichtarbeit häufiger von Beschäftigten berichtet.
Wirkungen auf die Sicherheit, Gesundheit und das Sozialleben
Die hohen Belastungen spiegeln sich auch in erhöhten Risiken für die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten wider. Vor allem Arbeit in Wechselschicht mit Nachtanteilen erhöht das Risiko für eine geringe Schlafqualität und -dauer sowie eine erhöhte Schläfrigkeit, während der Wachzeiten; das wiederum geht oft mit einer geringeren Konzentrationsfähigkeit einher. Das Risiko für Fehler und Unfälle steigt für die Beschäftigten, aber auch für Dritte.
Darüber hinaus steht Nacht- und Schichtarbeit mit erhöhten Risiken für verschiedene chronische Krankheiten in Verbindung. Hierzu zählen zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes sowie neurologische Erkrankungen wie Migräne. Auch ein höheres Risiko für bestimmte Krebsarten, etwa Brustkrebs bei Frauen, wird in der Forschung diskutiert. Schließlich kann sich Nacht- und Schichtarbeit auch auf die psychische Gesundheit auswirken, konkret zum Beispiel mit Erschöpfung oder depressiven Störungen zusammenhängen.
Wirkmechanismen bei Nacht- und Schichtarbeit
Vor allem bei Nachtarbeit, aber auch bei Arbeit am frühen Morgen oder späten Abend, spielt die Desynchronisation der inneren biologischen Uhr eine negative Rolle für den Organismus. Die innere Uhr steuert eine Vielzahl der vitalen Körperfunktionen wie den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Köpertemperatur, den Hormonhaushalt sowie die Verdauung. Wird nachts gearbeitet, tagsüber geschlafen, werden diese Funktionen aus ihrer natürlichen zeitlichen Taktung gebracht und gestört. Lichtquellen bei der Arbeit sowie die nächtliche Nahrungsaufnahme (der Stoffwechsel läuft auf Sparflamme) verstärken die negativen Folgen der Desynchronisation für die Gesundheit. (…)
Weitere Informationen
Neugierig auf den umfassenden Beitrag der BAuA – mit Gestaltungstipps und vielen Argumenten, Schichtarbeit besser zu gestalten? Mehr im Titelthema 4/2026 der Zeitschrift »Gute Arbeit«: Atypische Arbeitszeiten – Entlastung bei Nacht- und Schichtarbeit.
- Dr. L. Brandt: Rechtsprechung – Drama: Unterschiedliche Zuschläge für Nachtarbeit (S. 14 ff.).
- Dr. L. Brandt: Nachtarbeit und Zuschläge – Nicht die Gesundheit »abkaufen« (S. 18 ff.).
Für die Online-Ausgabe registrierte Abonnentinnen und Abonnenten von »Gute Arbeit« greifen im Archiv kostenfrei auf alle Beiträge der Zeitschrift zu (ab 2012).
Jetzt 2 Ausgaben »Gute Arbeit« gratis testen und sofort online auf alle Inhalte zugreifen!
© bund-verlag.de (be)