Interview

»Ohne die Kolleg*innen läuft kein Spiel!«

05. August 2025
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Quelle: © Smileus / Foto Dollar Club

Prominente Fußballclubs wie Borussia Dortmund, der Hamburger SV oder der FC Schalke 04 verfügen über einen Betriebsrat. Wie Profifußball und Mitbestimmung zusammenpassen, erfahrt Ihr im Gespräch mit Dr. Christine Walther, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende »auf Schalke«. 

Wie groß ist euer Betriebsratsgremium und wie viele Mitarbeiter habt ihr, abgesehen vom Spielerkader? 

Wir sind ein elfer-Gremium. Wir haben beim FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V. aktuell etwas mehr als 600 Mitarbeitende, darunter Festangestellte, Minijobber, Werkstudierende, Auszubildende, Praktikant*innen. 

Werden auch die Spieler und Trainer von euch vertreten?

Auch die Beschäftigten der »Knappenschmiede«, unseres Nachwuchsleistungszentrums, sowie des Profikaders inklusive der Spieler und aller Trainer zählen zu unseren Kolleg*innen. Allerdings werden die Interessen insbesondere von Spielern und Trainern nach unseren Erfahrungen durch ihre Berater bestens vertreten. Gleichwohl steht die Tür zu unserem Betriebsratsbüro auch für sie offen. 

Welche spezifischen Herausforderungen gibt es bei der Vertretung der Spieler?

Die Arbeit auf dem Fußballplatz ist grundsätzlich anders als alle anderen Arbeiten bei einem Fußballverein. Deshalb haben wir Spieler und Trainer des Profikaders auch aus den meisten Betriebsvereinbarungen vom Geltungsbereich ausgenommen. Man stelle sich nur vor, ein Spieler bestünde darauf, mobil zu arbeiten … 

Wie geht der Betriebsrat mit Themen wie Arbeitszeitregelungen und Trainingszeiten um? 

Wir haben bereits seit mehreren Jahren eine Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit, die nicht nur für die Verwaltung gilt, sondern auch für die Kolleg*innen, die rund um die Lizenzspielermannschaft oder im Nachwuchsbereich arbeiten. Sie gilt sogar auch für die meisten Trainer. Die Trainingszeiten sind der Dienstplan, der für den Trainer selbst, aber auch andere Gewerke wie Zeugwart, Mannschaftsbetreuer oder Physiotherapeuten gilt und die Arbeitszeiten vorgibt. Überstunden führen wie in anderen Arbeitsbereichen auch zu Zeitguthaben, die z. B. durch Freizeit ausgeglichen werden können. 

Wie gut funktioniert eine Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit bei einem Fußballverein?

Als wir die Betriebsvereinbarungen abgeschlossen haben, gab es zunächst Vorbehalte und viele Fragen. Da hieß es insbesondere von den Kolleg*innen aus dem Spielbetrieb: Ich als Trainer kann doch nicht meine Arbeitszeit erfassen, wie soll das gehen z. B. an Spieltagen? Wann stempele ich mich ein und wann wieder aus? Ist das Spiel selbst Arbeitszeit? Doch es hat sich herausgestellt: So kompliziert ist es gar nicht. Man stempelt ein, wenn man ins Büro oder in die Kabine oder auf den Platz kommt. Die Regelung zur Arbeitszeit und ihrer Erfassung hat aus unserer Sicht durchweg positive Effekte, denn sie hat zu einem ganz neuen Bewusstsein für die eigene Arbeitszeit letztlich bei allen Arbeitnehmer*innen geführt. Mit einem Mal haben sie einen Überblick, wann sie ihre Soll-Arbeitszeit erreicht haben oder wann es Zeit für eine Pause ist. 

Hier geht's zum vollständigen Interview aus der »Arbeitsrecht im Betrieb« 7-8/2025 ab Seite 40.

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