Studie zu Kündigungsgründen

Stress und falsche Vorgesetzte vermiesen die Lust am Job

16. Mai 2025
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Quelle: © DDRockstar / Foto Dollar Club

Wenn Beschäftigte das Handtuch werfen, dann tragen in den allermeisten Fällen die Vorgesetzten mindestens eine Mitschuld – so lautet jedenfalls eine weit verbreitete Einschätzung bei Eigenkündigungen. Forschende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Universität Ulm haben überprüft, was an dieser These dran ist.

Die Auswertung von 78 internationalen Studien zum Thema Kündigung durch das Forschungsteam um die Arbeitspsychologin Dr. Sabine Hommelhoff vom Institut für Psychologie der FAU, eine anonyme Online-Befragung und vorhandene Austrittsinterviews mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu ihrem Ausscheiden zeigen, dass Beschäftigte vor allem Überarbeitung und den dadurch bedingten Stress als Grund für die Kündigung nennen. Auch der Wunsch nach besseren Arbeitsbedingungen oder Weiterentwicklungsmöglichkeiten motiviert zur Kündigung. Die schlechten Führungsqualitäten von Vorgesetzten spielen allerdings auch eine Rolle: Dieser Austrittsgrund wird am dritthäufigsten genannt.

Die Kombination aus Studienanalysen und Befragungen zeigt, dass Menschen mit Kündigungswunsch häufig mehrere Gründe für die Kündigung aufführen, mitunter auch eine Mischung aus annäherungs- und vermeidungsorientierten Gründen, also solchen, die auf eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen abzielen bzw. solchen, die schlechte Bedingungen aktiv vermeiden wollen. Gegenüber dem Arbeitgeber werden die wahren Kündigungsgründe, zumindest zum Teil, häufig verschwiegen, erläutert Arbeitspsychologin Hommelhoff.

Die Auswertung von 312 anonymisierte Interviews ergab, dass die Jobwechsler andere Tätigkeiten attraktiver fanden, dort bessere Aufstiegsmöglichkeiten für sich sahen oder mehr Gehalt erhielten. Erst an vierter Stelle ging es um die mangelnde Qualität von Führungskräften, wobei hier häufiger das höhere Management genannt wurde als die unmittelbaren Vorgesetzten.

Stresslevel eindämmen, Beschäftigte fördern

Für Psychologin Hommelhoff haben die Erkenntnisse aus der Studie auch eine praktische Relevanz, aus der Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können. Arbeitgeber sollten insbesondere Stress durch Überlastung vermeiden und darauf achten, dass Beschäftigte sich weiterentwickeln können. Wer diese beiden Aspekte im Auge behalte, packe die beiden wichtigsten Kündigungsgründe aus den 78 analysierten Studien bei der Wurzel.

Es gelte zudem, negative Stereotypen über Führungskräfte – »people quit bosses« – zu hinterfragen und differenzierter zu betrachten. Probleme mit Führungskräften waren ein wichtiger Kündigungsgrund, jedoch weniger zentral als häufig angenommen. 

Hier geht's zur Studie (in englischer Sprache): Turnover reasons are more complex than »people quit bosses«: An approach-avoidance perspective - ScienceDirect

Quelle

Mitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

© bund-verlag.de (mst)

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