Tarifbindung im Sinkflug
Im Jahr 2024 waren rund vier von zehn Beschäftigten in Betrieben mit Branchentarifvertrag, weitere 8 % in Betrieben mit Haustarifvertrag tätig. Seit 1996 sank die Branchentarifbindung um rund 26 Prozentpunkte.
In Westdeutschland arbeiteten im vergangenen Jahr 43 % der Beschäftigten in branchentarifgebundenen Betrieben, in Ostdeutschland knapp ein Drittel. Das sei weitestgehend auf den Rückgang der Branchentarifbindung in der Privatwirtschaft zurückzuführen. Im öffentlichen Sektor sei die Tarifbindung weitgehend stabil.
Auch die betriebliche Mitbestimmung durch Betriebsräte ist seit Jahren tendenziell rückläufig, auch wenn 2024 in privatwirtschaftlichen Betrieben ab fünf Beschäftigten mit etwa 37 % geringfügig mehr Beschäftigte in Betrieben mit Betriebsrat arbeiteten als im Vorjahr (36 %). In Westdeutschland lag der Anteil der Beschäftigten mit etwa 38 % etwas höher als in Ostdeutschland mit 31 %.
Knapp die Hälfte (48 %) aller Beschäftigten der Privatwirtschaft arbeiteten in Betrieben, die weder tarifgebunden sind noch über eine gesetzlich verankerte betriebliche Mitbestimmung verfügen.
Laut IAB weisen Betriebe mit Betriebsrat im Durchschnitt eine höhere Produktivität auf, haben weniger Personalfluktuation und bieten höhere Löhne sowie mehr Arbeitszeitflexibilität. Tarifbindung und betriebliche Mitbestimmung könnten Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte stärken.
Für das IAB-Betriebspanel werden jährlich rund 15.500 Betrieben befragt. Die komplette Studie ist abrufbar unter https://www.iab-forum.de/tarifbindung-und-betriebliche-mitbestimmung-keine-trendwende-in-sicht/.