Digitalisierung

»Verbindet digitale mit Genderthemen!«

30. November 2020 Digitalisierung
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Quelle: contrastwerkstatt_Dollarphotoclub

Frauen leisten im Schnitt weniger Erwerbsarbeit als Männer. Können sie von der Digitalisierung profitieren? »Computer und Arbeit« hat zwei Frauen gefragt, die dazu forschen.

Es ist landläufig bekannt und wird in jeder Diskussion um die Frauenquote wiederholt: In diesem Land gibt es nicht nur einen Gender Pay Gap, sondern auch viele Frauen, die nur Minijobs ausüben oder in Teilzeit arbeiten. Gut für die Rente ist das nicht. Aber kann die Digitalisierung hieran etwas ändern? Ein Projekt der Hans-Böckler-Stiftung hat das untersucht. Wir fragen bei Tanja Carstensen und Ute Demuth nach, was sie herausgefunden haben.

Frauen arbeiten durch die Digitalisierung etwas mehr, zugleich werden »Frauenberufe« wegrationalisiert. Heben sich diese Effekte auf?

Nein, die Effekte heben sich nicht auf, denn sie betreffen unterschiedliche Beschäftigtengruppen: Berufe mit Routinearbeiten, beispielsweise Assistenztätigkeiten, sind eher gefährdet, zu verschwinden. In anderen Bereichen nimmt der Arbeitsumfang zurzeit sogar zu, z.B. bei Frauen mit höherqualifizierten Jobs und einem vergleichsweise hohen Maß an Autonomie. Daher betreffen diese gegenläufigen Entwicklungen in der Regel nicht die gleichen Beschäftigten. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, bei der Digitalisierung auf Geschlechterungleichheiten zu achten, aber auch Qualifikations- und Statusunterschiede nicht aus dem Blick zu verlieren.

Wenn über Digitalisierung diskutiert wird, stehen häufig Hochqualifizierte im Mittelpunkt. Arbeitsplätze von Frauen unterscheiden sich aber sehr und sind dabei höchst unterschiedlich von Digitalisierungsprozessen betroffen. Wichtig ist, dass die Interessenvertretung beispielsweise bei den Assistenztätigkeiten genau hinschaut, sich frühzeitig einmischt und Qualifizierungsangebote anschiebt.

Ist die Tätigkeit im Home-Office also eher für Beschäftigte möglich, die »bessere« Stellen haben?

Ja, die Ergebnisse haben zwar gezeigt, dass Assistenztätigkeiten zumindest teilweise auch von zu Hause aus ausgeübt werden könnten, die Vorgesetzten aber Anwesenheit erwarten – zumindest bis zur Corona-Krise.

Beschäftigte mit besseren Jobs profitieren grundsätzlich eher mehr von der Flexibilisierung und damit auch eher Männer als Frauen. Die Forschung zeigt immer wieder, dass Home-Office vor allem als Privileg gestattet wurde. Daher muss die Interessenvertretung frühzeitig schauen, dass alle Beschäftigtengruppen in Flexibilisierungspläne einbezogen werden und sie zum betrieblichen Thema machen. Transparente Verfahren und gute Vereinbarungen sind – nicht nur an dieser Stelle – wichtig für eine gerechte Gestaltung des Wandels in der Arbeitswelt. Nach der Corona-Pandemie wird hier sicherlich einiges neu zu verhandeln sein.

Das Vereinbaren von Job und Familie führt häufig zu weniger qualifizierter Arbeit, denn Teilzeit und Karriere gehen gewöhnlich nicht zusammen – jedenfalls in den Betrieben, in die wir hineinschauen konnten. Das ist eine doppelte Benachteiligung für Frauen; es sind ja eher die einfacheren Tätigkeiten, die im Rahmen der Digitalisierung wegfallen.

Mehr lesen?

Das ganze Interview mit Ute Demuth und Tanja Carstensen sowie vieles mehr zu den Themen Datenschutz und IT-Mitbestimmung lesen Sie in »Computer und Arbeit« 11/2020: 

  • Gender, Digitalisierung und Arbeit
  • § 129 BetrVG - Fluch oder Segen?
  • Robotic Process Automation
  • Verwertungverbote vor dem Arbeitsgericht
  • Löschfristen nach der DSGVO vs. Aufbewahrungspflichten im Arbeitsverhältnis

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