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Arbeitszeit

Weniger Kontrolle durch den Chef zahlt sich aus

16. Juli 2018 Arbeitszeit
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Quelle: © M. Schuppich / Foto Dollar Club

Arbeitgeber, die mehr Freiräume bei der Arbeitszeit zulassen, haben zufriedenere Mitarbeiter und steigern deren Produktivität. So eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Wichtig sei aber auch, dass die außerbetrieblich geleistete Arbeit lückenlos erfasst und vergütet wird – so der DGB.

Die Studie zeigt: Mit zunehmender Kontrolle und Überwachung der Mitarbeiter nimmt die Unzufriedenheit der Beschäftigten und die Konflikte mit dem Chef zu. Setzt ein Unternehmen dagegen auf weniger Kontrolle über die Arbeitszeiten, sind ca. 60 Prozent der Arbeitnehmer sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. In Firmen mit strengen Kontrollen, z.B. durch Stechuhren oder Vorgesetzte, sind es nur 45 Prozent.

Forderungen der Kunden sind wichtiger Treiber für die Arbeit

Die direkte Kontrolle durch den Chef hat nur einen geringen Einfluss auf die Arbeitsproduktivität der Beschäftigten. Sie ist nur für zwei Prozent der Arbeitnehmer entscheidend dafür, wie schnell sie arbeiten. 35 Prozent der Arbeitnehmer gaben an, sich vor allem am Tempo der Kollegen zu orientieren. Für ca. 26 Prozent sind Forderungen von Kunden der wichtigste Treiber für ihre Arbeit.

Arbeitgeber misstrauen Arbeitnehmern

Auch in Zeiten der Digitalisierung haben Arbeitgeber nach wie vor große Schwierigkeiten damit, die traditionelle Anwesenheitspflicht am festen Arbeitsplatz aufzugeben. Es herrscht vielfach die Ansicht, dass Mitarbeiter ohne eine Kontrolle der Arbeitszeit weniger arbeiten würden. Umso überraschender ist die Tatsache, dass die Studie, die diese Annahme wiederlegt, von den Arbeitgeberverbänden finanziert wird.

DGB fordert Schutz der Beschäftigten

Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW weist darauf hin, dass selbstbestimmtere Arbeitszeiten und der Schutz vor Entgrenzung zwei Seiten einer Medaille sind.

»Es entspricht der Erfahrung der Gewerkschaften, dass sich immer mehr Beschäftigte selbstbestimmtere Arbeitszeiten wünschen. Gerade Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Kinder erziehen oder Angehörige pflegen, möchten Arbeitszeiten, die zu ihrem Leben passen und Beruf und Privatleben in Einklang bringen", so  die Vorsitzende des DGB NRW. »Wichtig ist aber: Mehr Flexibilität und mehr Schutz der Beschäftigten müssen zwei Seiten einer Medaille sein. Gerade Homeoffice und mobiles Arbeiten bergen die Gefahr einer Entgrenzung der Arbeit. Sie bedeuten nur dann eine Verbesserung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wenn es sich um reguläre Arbeitszeit und nicht um Überstunden handelt. Daher muss sichergestellt werden, dass auch außerbetrieblich geleistete Arbeit konsequent erfasst und natürlich auch vergütet wird. Außerdem muss das Recht auf Nichterreichbarkeit außerhalb der regulären Arbeitszeit dringend gestärkt werden.«

Quellen:

DGB, PM vom 10.7.2018; RP ONLINE, Meldung vom 10.7.2018.

© bund-verlag.de (ls)

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