Arbeitsbelastung

Wenn Personalmangel für Stress sorgt

05. Januar 2026
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Quelle: © diego cervo / Foto Dollar Club

Der Handlungsbedarf steigt: Die Arbeitsbedingungen haben sich in Zeiten der Personalnot verschlechtert. Fast überall ist spürbar, dass die Aufgaben und die Arbeitsmenge zunehmen. Arbeitsintensität ist ein ernstzunehmender Stressfaktor. Gestaltungsinitiativen sind gefragt, betont Dr. Elke Ahlers in der Zeitschrift »Gute Arbeit« 12/2025.

Die Sicherung von Arbeits- und Fachkräften im demografischen Wandel ist eine zentrale Aufgabe der Arbeitgeber. Hinzu kommen neue Kompetenzanforderungen in der digitalen und sozial-ökologischen Transformation. Dass in vielen Betrieben Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung bestehen, wird seit Jahren immer offensichtlicher.

46 % der vom DGB-Index Gute Arbeit befragten Beschäftigten sind mehr oder weniger direkt betroffen (DGB-Index Gute Arbeit 2024). Sie spüren unmittelbare Auswirkungen in Form der Arbeitsintensivierung an ihrem Arbeitsplatz. Besonders ist das bei Lehr- und Pflegetätigkeiten der Fall, in Berufen der Fahrzeugführung (zum Beispiel Bahn, Bus oder Speditionen) sowie in Bereichen der Erziehung und Sozialarbeit; dort ist die Personalnot stark verbreitet oder sogar ein Dauerzustand.

Arbeitsintensität und Personalfluktuation

Dies wirkt sich nachteilig auf die Arbeitsanforderungen und Bleibewahrscheinlichkeit der Beschäftigten in den Unternehmen und Dienststellen aus. Personalfluktuation wird als Exitstrategie genutzt, denn 78 % der Arbeitnehmer*innen müssen bei der Arbeit zusätzliche Aufgaben übernehmen; 60 % müssen ihr Arbeitstempo erhöhen; 57 % machen Überstunden und ebenfalls 57 % haben wegen der gestiegenen Arbeitsmenge keine verlässlichen Arbeitszeiten mehr.

In der Folge reduziert ein Teil der Beschäftigten aufgrund der Überlastung die Arbeitszeit (mehr Teilzeit) oder kündigt den Arbeitsplatz. Je länger der Zustand andauert, desto häufiger ziehen Beschäftigte wegen zu hoher Zusatzbelastungen persönliche Konsequenzen. So kommt ein Teufelskreis in Gang, der das verfügbare Personal weiter reduziert.

Befunde der WSI-Befragung

Auch die WSI-Betriebs- und Personalrätebefragung 2023 und der WSI-Erwerbspersonenbefragung 2024 ergab wichtige Befunde: 85 % der betrieblichen Interessenvertretungen setzen sich mit dem Thema der geringen Personalstärke auseinander und 92 % sagen, dass dies ein zentrales Thema im Betrieb ist. Besonders häufig in der Bauwirtschaft (98 %), in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (96 %) sowie im öffentlichen Dienst, insbesondere in Erziehung und Gesundheit (93 %).

Beschäftigte und Unternehmen unter Druck

Aufgrund des Personalmangels können betriebliche Pläne, Aufträge und Innovationen nicht verwirklicht werden. Vor allem aber sind die Arbeitnehmer*innen die Leidtragenden: 93 % der Betriebs- und Personalräte berichten, dass die Beschäftigten als Folge des fehlenden Personals zusätzliche Mehrarbeit leisten müssen. War die Arbeitsbelastung zuvor bereits hoch, steigt sie abermals, ebenso die Fehlzeiten und die Unzufriedenheit der Belegschaften. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt sogar die DIHK-Konjunkturumfrage 2023: Danach sehen 60 Prozent der Befragten die Mehrbelastung der Beschäftigten als Hauptfolge des Fachkräftemangels.

Trotz Dauerbelastung nur geringe betriebliche Aktivitäten

Stellt sich die Frage, was die Betriebe dagegen tun: Sie setzen bisher vor allem auf interne Weiterbildung (73 %) sowie Anreize für das Personal durch das Homeofficeangebot (70 %) und flexible Arbeitszeiten (63 %). Aber: Nur 30 % der vom WSI befragten Betriebe gehen mit solchen Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel vor, weitere 11 % planen und diskutieren das Thema. Nur 59 % der befragten Betriebe bieten (mehr) Ausbildungsplätze an, 36 % reagieren mit Lohnanreizen.

Aus Sicht des WSI mangelt es an flächendeckenden und systematische Ansätzen, den Personalmangel wirksam anzugehen: etwa mehr Gute Arbeit schaffen, Aufgaben im Arbeits- und Gesundheitsschutz sorgsam erfüllen und beim Personal für Entlastung sorgen, die Erwerbsarbeit von bestimmten bisher am Arbeitsmarkt benachteiligten Gruppen fördern (etwa Frauen, Menschen mit Behinderung und Zuwanderungsgeschichte) sowie die Bemühungen in der Aus- und Weiterbildung stärken. (…)

Weitere Informationen

Interessiert am umfassenden Beitrag von Dr. Elke Ahlers? Dann den Artikel und weitere Beiträge im Titelthema der »Gute Arbeit« 12/2025 lesen: »Mentale Gesundheit – Arbeitsintensität: Den Stress stoppen«.

Alle Beiträge im Titelthema der Ausgabe:

  • Dr. Elke Ahlers: Arbeitsverdichtung durch Personalmangel (S. 8-12).
  • Matthias Holm: Gefährdungsanzeige: Notsignal, wenn der Stress am größten ist (S.13-16).
  • Eva Aich: Digitalisierung und Arbeitsintensität (S. 17-20).

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