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Digitalisierung

Digitalisierung führt zu mehr Leistungsdruck und Stress

11. August 2017
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Quelle: © Picture-Factory / Foto Dollar Club

Die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz sind hoch und steigen weiter. Das liegt auch an der Digitalisierung – so eine Sonderauswertung des »DGB-Index Gute Arbeit«. Ständige Erreichbarkeit, Termin- und Leistungsdruck sind Risikofaktoren. Mehr dazu lesen Sie in der »Sozialen Sicherheit« .

Digitalisierung führt zu mehr Stress

Digitalisierung kann genutzt werden, um Arbeit zum Vorteil der Menschen und ihrer Gesundheit zu gestalten. Dass der Trend aber gerade in die andere Richtung geht, zeigt die Sonderauswertung »Digitalisierung und Arbeitsintensivierung« des DGB-Index Gute Arbeit, die am 3. Mai in Berlin vorgestellt wurde. Für die Studie wurden 2016 knapp 10.000 Beschäftigte aller Branchen und Berufsgruppen danach gefragt, wie sie die Auswirkungen der Digitalisierung auf ihre Arbeitsbedingungen einschätzen.

46 % der Befragten gaben an, dass ihre Arbeitsbelastung aufgrund der Digitalisierung zugenommen habe. 54 % berichteten, ihre Arbeitsmenge sei größer geworden. Auch der Zeitdruck nehme mit steigendem Digitalisierungsgrad zu: Während 51 % derjenigen, die nicht digital arbeiten, davon berichteten, waren es 60 % derjenigen, die mit digitalen Mitteln arbeiten. Von ständigen Unterbrechungen und Störungen berichteten 69 % der Befragten (im Vergleich zu 36 %, die nicht digital arbeiten).

»Die Ergebnisse zeigen, dass Digitalisierung Arbeit nicht automatisch besser macht«, so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Durch die ständige Erreichbarkeit über E-Mails oder andere Kommunikationstechnologien sei die Zahl der Überstunden und damit auch die Mehrbelastung gestiegen, so IG Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban: »Das goldene Dreieck mit dem Achtstundentag, der 40-Stundenwoche und mindestens 11 Stunden Ruhezeit ist gerade für die digitale Arbeit notwendig, um Arbeitnehmer vor unzumutbarer Hetze bei der Arbeit zu schützen«, so Urban. Die Forderung nach einer Anti-Stress-Verordnung gewinne durch die Digitalisierung weiter an Dringlichkeit. Lothar Schröder, Bundesvorstandsmitglied von ver.di, verwies darauf, dass laut der Studie weniger belastet ist, wer auf die Digitalisierung Einfluss nehmen kann. »Weil die Digitalisierung neue Formen der Arbeit fördert, brauchen Betriebsräte Mitbestimmung bei der Arbeitsmenge«. Außerdem seien »verpflichtende Gefährdungsbeurteilungen dringend notwendig in einer Arbeitswelt, in der häufig die Grenzlinien zwischen privat und beruflich an Eindeutigkeit verlieren«.

Termin- und Leistungsdruck machen krank

Wie groß die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz mittlerweile sind, zeigt auch der Abschlussbericht des Forschungsprojekts »Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt«, den die BAuA am 5. Mai vorgelegt hat. Dafür wurden u. a. 18.000 Beschäftigte nach ihren Belastungen bei der Arbeit befragt. 51 % klagten über starken Termin- und Leistungsdruck. 49 % berichteten, häufig sehr schnell arbeiten zu müssen. 67 % gaben an, verschiedenartige Aufgaben häufig gleichzeitig zu betreuen (Multitasking) und 47 % berichteten, bei der Arbeit häufig gestört und unterbrochen zu werden.

Im Ergebnis konnte die BAuA-Studie »die Zusammenhänge von mehr als 20 Arbeitsbedingungsfaktoren mit psychischen Störungen, Muskel-Skelett- und Herz-Kreislauferkrankungen, dem Befinden, Beschwerden und der Leistung« analysieren. Am 5. Mai wurde von den Sozialpartnern, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der BAuA der Dialogprozess (»Runde Tisch«) »Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt« gestartet. Hier sollen die Befunde der Studie vertieft und Schlussfolgerungen für die Gestaltung einer gesundheitsgerechten Arbeitswelt gezogen werden. Der DGB fordert, dass daraus »spätestens Ende 2018 wirksame Schritte für die Gesundheit der Beschäftigten umgesetzt werden«.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in der Fachzeitschrift »Soziale Sicherheit« 5/2017, S. 173. Noch kein Abonnent der »Sozialen Sicherheit«? Jetzt zwei Ausgaben kostenfrei testen! © bund-verlag.de (ls)
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