DGB-Index Gute Arbeit 2023

Handlungsbedarf bei der Prävention

06. Dezember 2023
Stress
Quelle: iStock.com, filadendron

Wenn die Arbeit krank macht: Je höher die Arbeitsbelastung, desto schlechter schätzen Beschäftigte ihre künftige Gesundheit und Arbeitsfähigkeit ein. Das zeigt die Beschäftigtenbefragung des »DGB Index Gute Arbeit 2023«, die der Deutsche Gewerkschaftsbund in Berlin vorgestellt hat. »Gute Arbeit« berichtet in der Ausgabe 1/2024 darüber.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Ergebnisse seiner diesjährigen Beschäftigtenbefragung „DGB-Index Gute Arbeit 2023“ am 5.12.23 in Berlin vorgestellt. Sie bestätigt eine wichtige Erkenntnis: Die Gesundheit der Beschäftigten in Deutschland hängt eng mit ihren Arbeitsbedingungen zusammen.

Die repräsentative Umfrage zeigt einen alarmierenden Zusammenhang: Sind Beschäftigte gleich mehreren Belastungsfaktoren ausgesetzt, geben nur noch 39% eine gute Gesundheit an. Lediglich 7 % der Hochbelasteten gehen davon aus, ihre Tätigkeit unter diesen Bedingungen bis zum Rentenalter durchhalten zu können – eine Zahl, die insbesondere mit Blick auf den Fachkräftemangel sorgenvoll stimmt.

Zu selten wirksame Schutzmaßnahmen

Die Befragung zeigt erhebliche Defizite bei der betrieblichen Prävention auf; der Gefährdungsbeurteilung psychischer und körperlicher Belastungen folgen zu selten Maßnahmen, mit denen Gesundheitsgefährdungen wirksam eingedämmt oder vermieden werden können. So schreibt es das Arbeitsschutzgesetz vor (§ 5 ArbSchG)!

Von wirksamen Maßnahmen des Arbeitgebers zur Belastungsreduzierung berichtet nur eine Minderheit der Betroffenen: Bei körperlich schwerer Arbeit sind es 27%, beim Arbeiten unter Zeitdruck lediglich 14%. Auch für Beschäftigte, die Lärm oder Belastungen durch Konflikte mit Kund:innen, Klient:innen oder Patient:innen ausgesetzt sind, ist ein wirksamer Arbeits- und Gesundheitsschutz die Ausnahme.

DGB-Stimmen zu den Ergebnissen

Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi betonte in Berlin: »Wertschätzung gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zeigt sich insbesondere auch in der Wertschätzung ihrer Gesundheit. Arbeit darf nicht krank machen. Wenn Unternehmen ihren gesetzlichen Pflichten im Arbeitsschutz nicht nachkommen, müssen Beschäftigte mit ihrer Gesundheit dafür bezahlen. Das ist nicht akzeptabel. Nicht für die Betroffenen – und auch nicht mit Blick auf einen Arbeitsmarkt, der unter einem Mangel an Fachkräften leidet.«

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, erklärte: »Die psychischen Belastungen nehmen zu. Beschäftigte bezahlen Arbeitshetze und Arbeitsdichte mit massiven gesundheitlichen Folgen für Körper und Psyche. Burnout darf nirgendwo als Berufsrisiko abgetan werden. Beschäftigte brauchen eine wirksame Prävention an den Wurzeln der Probleme und Betriebsräte sanktionierbare Regeln auch im Bereich psychischer Belastungen. Dabei würde endlich ein verbindliches Werkzeug wie eine Anti-Stress-Verordnung von Seiten der Politik helfen, damit Beschäftigte nicht weiter ausbrennen.«

Rebecca Liebig, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand führte aus: »Die Digitalisierung lässt schwere Arbeit nicht verschwinden, die Arbeit mit und am Menschen nimmt zu. Dienstleistungsarbeit geht mit besonderen Belastungen einher. Es braucht mehr präventive und wirksame Maßnahmen für alle Tätigkeiten. Ein Beispiel ist die dringend notwenige Entlastung von Paketboten durch die Einführung eines Maximalgewichts von 20 Kilogramm für Pakete.«

Prävention – das wirksame Verfahren

Das zentrale Instrument der betrieblichen Prävention ist die Gefährdungsbeurteilung, zu deren Durchführung Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet sind. Doch nur 38 % der Befragten gaben an, dass eine Gefährdungsbeurteilung für ihren Arbeitsplatz in den letzten zwei Jahren stattfand. Dabei werden psychische Arbeitsbelastungen, die in der modernen Arbeitswelt weit verbreitet sind, nur unzureichend behandelt: Lediglich knapp die Hälfte (47 %) der Gefährdungsbeurteilungen berücksichtigt Arbeitsstress; nur 18 % der Befragten berichteten von einer vollständigen Gefährdungsbeurteilung für ihre Tätigkeit.

Hintergrund: Die Befragung

Seit 2007 erhebt die repräsentative Befragung DGB-Index Gute Arbeit jährlich die Arbeitsqualität der abhängig Beschäftigten – mit telefonischen Interviews. Die Ergebnisse spiegeln die Sicht der Beschäftigten auf ihre Arbeitsbedingungen wider. 2023 wurden (ab Januar bis April) bundesweit 6.266 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer:innen aller Branchen, Berufe, Einkommens- und Altersgruppen, Regionen und Betriebsgrößen befragt. Die Ergebnisse sind im Report 2023 des DGB-Index Gute Arbeit sowie im Jahresbericht 2023 nachzulesen, alles zu finden unter: index-gute-arbeit.dgb.de.

Weitere Informationen

Die Zeitschrift »Gute Arbeit« 1/2024 stellt im Titelthema (S. 8-22) die Ergebnisse der DGB-Index-Befragung ausführlich vor. Zwei weitere Beiträge erläutern das Arbeitsschutzrecht und Wege zu guter die Prävention bei Lärm und Muskel-Skelett-Belastungen. Die Vorschau:

  • Dr. Rolf Schmucker, Robert Sinopoli (DGB): »Gefährdungsbeurteilung – weiter im Fokus« (S. 8-12).
  • Dr. Rolf Schmucker, Robert Sinopoli (DGB): » Prävention: Körperlich schwere Arbeit und Lärm« (S. 13-16).
  • Axel Herbst: »Muskel-Skelett-Erkrankungen verringern« (S. 17-20).
  • Rüdiger Granz: »Lärmprävention am Arbeitsplatz« (S. 21-24).
  • Und: Im Titelthema »Gute Arbeit« 2/2024 geht es um Arbeitsstress und Prävention.

Für die Online-Ausgabe registrierte Abonnent:innen von »Gute Arbeit« haben auf Bund-Online Zugriff auf das ePaper der Zeitschrift sowie im Archiv kostenfrei auf alle Beiträge und Ausgaben (ab 1/2012).

© bund-verlag.de (BE)

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