Hautkrebs

Schutz vor UV-Strahlung ist ein »Muss«

17. August 2023 Heller Hautkrebs, Arbeitsschutz
Sonne_Schirm
Quelle: pixabay

Von der Berufskrankheit (BK) heller Hautkrebs sind vor allem Beschäftigte betroffen, die oft und länger im Freien arbeiten. Eine BK verlangt intensive Beratung und wirksame Präventionsmaßnahmen am Arbeitsplatz. »Gute Arbeit« sprach mit Dr. Anette Wahl-Wachendorf (BG BAU) und Gerhard Citrich (IG BAU) über Gefährdungen und die Prävention.

Vorbemerkung:

Die amtliche Statistik (Destatis) weist aus, dass sich die Behandlungsfälle mit hellem Hautkrebs in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt haben. Der IG BAU-Experte und -Arbeitsschützer Gerhard Citrich ist für besonders gefährdete Berufsgruppen zuständig und spricht im Interview über extreme Arbeitsbelastungen im Klimawandel. Die Präventionsexpertin der Berufsgenossenschaft (BG) BAU, Dr. Annette Wahl-Wachendorf, skizziert den Präventionsauftrag der BG, die insbesondere Bauberufe im Blick hat. Hier ein kurzer Auszug aus »Gute Arbeit« 8/2023.

Wie macht sich der Klimawandel im Baugewerbe bemerkbar?

Gerhard Citrich:

Wir leiden im Sommer unter extremen Hitzewellen, bei denen die Beschäftigten auf den Baustellen weiterarbeiten müssen. Damit gehen große Belastungen einher, die teilweise unerträglich sind. Wenn Dachdecker bei bis zu 40 Grad ungeschützt arbeiten, dann ist das nicht durchzuhalten. Die Gefahr, dass die Beschäftigten in der Folge unter anderem an hellem Hautkrebs erkranken, ist erhöht. Aber es ist leider nicht so, dass alle Beteiligten begriffen haben, dass der Klimawandel viele Arbeitsplätze im Freien betrifft.

Heller Hautkrebs – was ist das genau?

Wahl-Wachendorf:

Es gibt den gefürchteten schwarzen Hautkrebs, das sogenannte Melanom, und den hellen Hautkrebs, der meist gut heilbar ist. Wir unterscheiden das Plattenepithelkarzinom und das Basaliom.

Citrich:

Er entsteht durch die natürliche UV-Strahlung der Sonne. Man kann sagen, dass jeder Mensch einen Sonnen-Kredit hat. Das meint, dass wir eine bestimmte Menge an UV-Strahlen aufnehmen können. Bei der aktinischen Keratose entstehen raue, rötliche und trockener Hautareale, die größtenteils in kleinen Gruppen auftreten. Es handelt sich um die Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms. Heller Hautkrebs ist unbedingt frühzeitig zu diagnostizieren – Stichwort Vorsorge-Untersuchungen - und zu behandeln, weil er sonst einen bösartigen Verlauf nehmen kann und streut. Das Problem ist, dass dieser Krebs nicht direkt zu erkennen ist.

Kopf und Nacken sind besonders gefährdet?

Citrich:

Ja, weil die Haut hier besonders empfindlich ist. Deshalb ist der Einsatz der persönlichen Schutzausrüstung (PSA), bereitgestellt vom Arbeitgeber, extrem wichtig. Konkret ist das eine Kopfbedeckung – möglichst mit Nackenschutz, ein UV-T-Shirt, Sonnenmilch zum Einreiben und auch ein Nackenschutz beim Helm. Die Maßnahmen greifen, auch ich sehe immer weniger Arbeiter, die mit freiem Oberkörper auf dem Bau arbeiten.

Was bietet draußen Schutz vor Hitze und UV-Strahlung?

Citrich:

Im Arbeitsschutz gilt das TOP-Prinzip: Zuerst sind technische, dann organisatorische und im dritten Schritt persönliche Schutzmaßnahmen umzusetzen. Technische Möglichkeiten sind etwa im Tiefbau, über einer Baugrube einen Pavillon aufzustellen oder vergleichbare Sonnenschutzsysteme – möglichst mit Belüftung. Organisatorische Maßnahmen beziehen sich z. B. auf die Arbeitszeit: Maurer arbeiten nicht in der prallen Sonne in der Mittagszeit - mit der intensivsten UV-Strahlung, sondern werden dann im Innenausbau eingesetzt. Das ist natürlich berufsabhängig und funktioniert bei Dachdeckern meist nicht. Im dritten, sehr wichtigen Schritt geht es um die PSA, also die persönliche Schutzausrüstung. Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor 50 und der Helm mit Nackenschutz, das sind wichtige PSA, die der Arbeitgeber bereitstellen muss.

Die gesetzliche Unfallversicherung, hier die BG BAU, ist bei der Prävention in der Pflicht. Was heißt das konkret?

Wahl-Wachendorf:

Die BG unterbreitet praktische und theoretische Angebote. Sie bietet den Arbeitgebern zum Beispiel für Baustellen-Beschäftigte UV-Schutz-Pakete zur Unterstützung bei der Unterweisung: Eine Kühltasche enthält u. a. eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, wasserfeste Sonnenschutzcreme mit Lichtschutzfaktor 50, eine UV-Check-Karte, mit der die Intensität der Strahlung gemessen werden kann; die Broschüre »Gut geschützt durch den Sommer« ist ein wichtiger Lese- und Lernstoff, sie liefert Aufklärung, auch für die Unterweisung der Beschäftigten. Aber deren direkte Ansprache ist bedeutsam.

Weitere Informationen

Das umfassende Interview mit Gerd Citrich und Dr. Annette Wahl-Wachendorf (von Dr. Klaus Heimann) in »Gute Arbeit« 8/2023 lesen (S. 24-27). Außerdem im Titelthema der Ausgabe: »Zukunft der Automobilindustrie - Weiterbildung für die digitale Transformation« mit diesen Beiträgen:

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