Teilnehmer am Deutscher Personalräte-Preis 2024

Projekt: Emotionale Erstbetreuung nach Krisensituationen/ traumatischen Ereignissen
Bewerber/in: Personalrat Sächsisches Krankenhaus Arnsdorf
Beschäftigtenzahl: 501 bis 1000   
Projektzeit: 2/2023 fortlaufend

 

Kurzbeschreibung

Emotionale Erstbetreuung nach Krisensituationen und traumatischen Ereignissen.

Motiv

In einem psychiatrischen und neurologischen Krankenhaus betreffen Krisen der Patienten naturgemäß auch in gewissem Maß die Personale. Kommt es z.B. zum Suizidversuch oder Übergriffen, sind Mitarbeiter direkt betroffen in dieser Ausnahmesituation.
Die betroffenen Kollegen sind entsprechend sehr belastetet. Es wurden Maßnahmen einer professionellen und strukturierten emotionalen Krisenbetreuung und Erstversorgung der betroffenen Kollegen offenkundig.

Vorgehen

Der Personalrat sah die Notwendigkeit und überlegte, ein Team von Helfern für die Betroffenen solcher Notfälle zu bilden. Es wurde überlegt, welche Kolleginnen und Kollegen geeignet wären. Dabei lag das Hauptaugenmerk neben persönlicher und fachlicher Eignung vor allem auf Empathie. Gleichzeitig muss der Helfende auf viele Erfahrungen zurückgreifen können und in der Lage sein wiederum für sich Distanz zu wahren. Die emotionale Unterstützung einer solchen Krise verlangt einem Menschen viel ab. Angefragt wurden Pflegekräfte, Ärzte und Psychologen.
Nach Vorstellung des Projektes bei der Krankenhausleitung kam die Zusage zur Kostenübernahme und Freistellung zu einer fachlichen Schulung von 17 Kollegen. Der Personalrat kümmerte sich um einen erfahrenen, fachlich kompetenten Dozenten und organisierte die Schulungsveranstaltung, die zwei Tage dauerte.

Ergebnis

Es besteht ein festes Team zur emotionalen Erstbetreuung von Mitarbeitern nach traumatischen, belastenden Ereignissen.
Ein Teammitglied ist immer erreichbar und löst nach Aktivierung durch die Pflegedirektion eine Alarmkette aus, durch die die anderen Teammitglieder über einen Einsatz informiert werden. Teammitglieder, die bei dem Einsatz helfen können, melden sich und bekommen die nötigen Informationen, um ausrücken zu können.
Vor Ort wird vor allem erste seelische Hilfe unmittelbar nach dem Ereignis geleistet.
Dabei wird nicht in der Funktion eines Psychotherapeuten gearbeitet. Hauptsächlich wird versucht, die Handlungsfähigkeit des Betroffenen wiederherzustellen.
Das Angebot ist niederschwellig angelegt, kann von Beruhigen, Herausführen aus der Situation, Gesprächsangebot bis hin zur Hilfe beim Ausfüllen des Unfallbogens und der Organisation der Heimfahrt und dem Informieren von Angehörigen führen.

Die Vergütung der anfallenden Arbeitszeit bei Aktivierung wurde in einer Dienstvereinbarung geregelt.
Das Team wird 2024 noch einmal um ca. 15 Mitglieder erweitert. Im April hatten wir unseren ersten Einsatz. Die Alarmkette hat funktioniert und die betroffene MA waren sehr dankbar, dass es dieses Team gibt.

Nach 2-3 Wochen haben wir uns erneut bei den betroffenen Kollegen erkundigt, wie es ihnen geht und auch da kam erneut positives Feedback und Dankbarkeit.