Was Eltern und Pflegende in der Arbeitswelt brauchen
Was brauchen Eltern und Pflegende konkret? Wie müssen die Rahmenbedingungen auf betrieblicher Ebene ausgestaltet werden, damit Menschen mit familiären Pflichten ohne Nachteile erwerbstätig sein können? Das hängt stark von der jeweiligen Situation ab. Auch hier lohnt sich ein Blick in die oben genannte Prognos-Studie:
- Mütter brauchen flexible Möglichkeiten, ihre Arbeitszeit an externe Zeitvorgaben anzupassen, ohne dadurch berufliche Nachteile zu haben.
- Väter wünschen sich Gestaltungsspielräume, um ihre Arbeitszeit an familiären Verpflichtungen ausrichten zu können, und eine Kultur pro Elternzeit.
- Alleinerziehende bewerten Vereinbarkeit von Familie und Beruf als besonders fordernd. Für sie verschärfen sich strukturelle Schieflagen, die auf gesellschaftliche und betriebliche Defizite zurückzuführen sind.
- Pflegende Angehörige möchten, dass ihre Betreuungssituation anerkannt wird, sie brauchen besondere Rücksicht zum Beispiel bei spontanen Betreuungsbedarfen.
Wünsche und aktuelle Angebote
Aber Wunsch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Die Umsetzung bedarfsorientierter Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nach wie vor eine riesige Herausforderung.
Das DGB-Projekt »Vereinbarkeit gestalten« hilft Interessenvertretungen seit Jahren auf die Sprünge, gute Lösungen und betrieblich passende Angebote umzusetzen. Kostenfreie Beratung und Coachings für die Gremien, gefördert von der Bundesregierung, helfen dabei, betriebliche Initiativen zum Erfolg zu führen.
Schauen wir in die Arbeitswelt: Der aktuelle Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit zeigt, dass angesichts des Fachkräftemangels 85,5 % der deutschen Unternehmen familienfreundliche Maßnahmen als wichtig bewerten. Das bedeutet leider nicht, dass sich die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im gleichen Umfang positiv verändern. Nur 38,2 % der Beschäftigten bescheinigen ihren Unternehmen eine ausgeprägt familienfreundliche Unternehmenskultur (BMFSFJ 2023).
Wer sich permanent zwischen Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung und Pflege aufreiben muss, hat weder Zeit noch Energie für gesellschaftliches, betriebliches oder politisches Engagement. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine zwingende Voraussetzung für demokratische Beteiligung.
Sorge- und Erwerbsarbeit zusammen denken
Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist kein nettes Extra, sondern Voraussetzung für gleichberechtigte Erwerbsteilhabe von Menschen mit Sorgeverantwortung. Aktuell müssen rund 11,6 Millionen Eltern und 2,5 Millionen pflegende Angehörige Familie, Pflege und Beruf gleichzeitig stemmen – Tendenz steigend.
Noch immer leisten Frauen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit. Sie kümmern sich um Kinder, versorgen Alte und Kranke und schmeißen den Haushalt. Das bildet sich auch im Gender Care Gap ab. Dieser liegt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt (2025) bei über 43 Prozent. Viele Mütter und Pflegende arbeiten deshalb in kurzer Teilzeit, Minijobs oder steigen für eine gewisse Zeit komplett aus dem Arbeitsleben aus. Das ist ein Problem, nicht, weil es schlecht ist, Zeit mit seinen Kindern oder mit der Pflege von Angehörigen zu verbringen, sondern weil das mit langfristigen Nachteilen für das Einkommen, die berufliche Entwicklung und die Altersvorsorge einhergeht.
Kontakt zum Projekt »Vereinbarkeit gestalten«, zu den Beratungs- und Schulungsangeboten:
Dies ist nur ein Ausschnitt, den vollständigen Fachbeitrag lesen Interessierte in »Gute Arbeit« 9/2025.
Weitere Informationen
Interessiert am Thema Vereinbarkeit? Im Titelthema »Gute Arbeit« im September 2025 mehr lesen: »Beruf und Familie – Vereinbarkeit braucht faire Arbeitszeiten«.
Dazu diese Beiträge:
- Ricarda Scholz: Was Eltern und Pflegende in der Arbeitswelt brauchen (S. 8-11).
- Dr. Laurens Brandt, Dr. Amélie Sutterer-Kipping: Vereinbarkeit und Arbeitszeit – Pläne der Bundesregierung (S. 12-15).
- Beate Eberhardt: Arbeitszeiten – flexibel und verlässlich (S. 16-18).
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