Aktiv gegen Mobbing
Warum wurde der GPR gegen Mobbing aktiv?
Konkrete Anlässe gab es immer wieder, denn das Spektrum für Mobbing ist weit: der wiederholt benachteiligende Stundenplan, geringschätzige Bemerkungen, der ständige Unterrichtseinsatz in sogenannten Problemklassen, das »versehentliche« Übergehen bei Einladungen, das Tuscheln über die Ungewöhnlichkeiten des Anderen. Es beginnt oft mit kleinen Sticheleien, die dann aber bei immer mehr Leuten Beifall und Verstärkung finden, verunsichern, einschüchtern, bis hin zum Schulleiter, der sich in einer Gesamtkonferenz theatralisch auf dem Podium schlafen legt, um so zu veranschaulichen, was er von dem aktuellen Bericht einer Lehrkraft hält.
Steigern sich die Mobbingfälle?
Wir haben keine gesicherte Statistik, aber es gab zweifellos einen Anstieg der uns mitgeteilten Fälle über die letzten fünf Jahre. Alle Aufgaben außerhalb des Unterrichts haben immens zugenommen und wo die Belastungen steigen, setzen sich bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Personen durch und erfüllen die Stromlinien, andere geraten ins Hintertreffen. Auch das ist ein Nährboden für Mobbing.
Welche Handlungsmuster zum Lösen von Mobbingkonflikten haben sich als hilfreich erwiesen?
Hilfreich ist z. B., ein Tagebuch zu schreiben, eine schriftliche Dokumentation der erfahrenen Mobbinghandlungen. Die so versachlichte Selbstreflexion lässt emotionalen Abstand gewinnen, kann aber auch zur Grundlage für einen Austausch mit Vertrauenspersonen werden oder später zur innerdienstlichen oder gar juristischen Aufarbeitung dienen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Öffnen nach außen, das Aufsuchen von Helfenden und Unterstützenden. In der DV weisen wir auch auf Handlungsmöglichkeiten für Personalräte und weitere Unterstützende hin, dazu gehören niederschwellige Angebote zur Aussprache, z. B. ein runder Tisch, aber auch dienstrechtlich relevante Möglichkeiten im Rahmen eines Hilfegremiums.
Was ist gegen Mobbing besonders wichtig?
Eine offene, zugewandte Haltung gegenüber anderen, bewusstes Eintreten gegen niederträchtiges, erniedrigendes Verhalten, gegen Narzissmus, Schikane und Benachteiligung. Notwendig sind transparentes Handeln bzw. Leitungshandeln, ein grundsätzlich respektvoller und würdevoller Umgang miteinander und eine Kultur des Hinschauens.
Sie entwickelten eine Dienstvereinbarung (DV) Mobbing. Gibt es schon fassbare Ergebnisse, die auf die DV zurückzuführen sind?
Ein erstes Ergebnis spiegelt sich zunächst in der Dankbarkeit von Kolleginnen und Kollegen – dazu gehören auch Schulleitungen –, denen das Thema wichtig ist und die so eine Möglichkeit haben, die Thematik an ihrer Schule zu platzieren und darüber ins Gespräch zu kommen.
Welche Erkenntnisse haben Sie aus diesem Projekt gewonnen?
Dass es neben unserer »gewohnten« Arbeit als GPR lohnenswert ist, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und initiativ zu werden (auch im Sinne unserer Initiativrechte). Notwendig werden weitere Dienstvereinbarungen auf verschiedenen Personalratsebenen zur elektronischen Kommunikation oder auch im Rahmen sich verändernder Verwaltungsabläufe durch Digitalisierung und elektronische Aktenführung.
Der Personalrat 11/2024, S. 6