Kurzarbeit

Juristinnenbund rügt Frauendiskriminierung beim Kurzarbeitergeld

21. April 2020
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Quelle: nikolayshubin_Dollarphotoclub

Der Deutsche Juristinnenbund (djb) macht auf eine mittelbare Diskriminierung von Frauen beim Kurzarbeitergeld aufmerksam: Diese ergebe sich daraus, dass bei verheirateten Frauen das Kurzarbeitergeld regelmäßig auf der Basis der Steuerklasse V berechnet wird und daher netto gering ausfällt.

Die Juristinnen setzen sich mit dem Vorschlag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auseinander, das Kurzarbeitergeld von bisher 60 bzw. 67 Prozent (mit Kindern) auf 80 bzw. 87 Prozent des Nettolohns anzuheben. Bundesminister Hubertus Heil (SPD) unterstützt den Vorschlag.

In ihrer Pressemitteilung weisen die Juristinnen darauf hin, dass das Kurzarbeitergeld pauschal anhand des Nettolohns und bei verheirateten Frauen damit häufig anhand der Steuerklasse V berechnet werde. »Das ist eine mittelbare Diskriminierung von Frauen, die in Lohnsteuerklasse V hohe Abzüge beim Nettolohn und daraus resultierende Nachteile bei Lohnersatzleistungen in Kauf nehmen müssen.«, kritisiert die Präsidentin des djb, Prof. Dr. Maria Wersig. Sie betont weiter: »Geschlechtergerecht durch die Krise bedeutet auch, dass wir solche alten Zöpfe endlich abschneiden.«

In Steuerklasse V – in der überwiegend Frauen sind – fällt der Nettolohn aufgrund der hohen Steuerabzüge sehr gering aus. Der Grund ist die Konzeption der Steuerklassenkombination III/V, die dazu führt, dass die Person in Steuerklasse V einen Teil der Lohnsteuer der Person in Steuerklasse III trägt. Der vergleichsweise niedrige Nettolohn wirkt sich dann auf Lohnersatzleistungen aus, die in der Regel anhand des Nettolohns berechnet werden.

    Rechenbeispiel für die Kurzarbeit

    Bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 2.000 Euro würden Beschäftigten ohne Kinder erhalten:

    • in Steuerklasse V bei »Kurzarbeit Null«beispielsweise 700 Euro ausgezahlt,
    • in Steuerklasse IV 850 Euro,
    • in Steuerklasse III seien es 960 Euro.

    Auch bei einem erhöhten Leistungssatz von 67 Prozent für Beschäftigte mit Kindern fällt das Kurzarbeitergeld in Steuerklasse V mit 783 Euro geringer aus als das reguläre Kurzarbeitergeld in Steuerklasse IV und III.

    Weitere Leistungen betroffen

    Der DJB weist darauf hin, dass auch weitere wichtige Leistungen nach dieser ungünstigen Methode berechnet werden. Zu diesen Leistungen gehören neben dem Kurzarbeitergeld:

    • Elterngeld und Arbeitslosengeld,
    • die finanziellen Unterstützungen im Rahmen der Corona-Krise, z.B. die Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz,
    • das nach Ablauf von sechs Wochen greifende Krankengeld

    Nachteilige Steuerklasse V

    Nach Daten des statistischen Bundesamtes sind Frauen beim Bezug von Lohnersatzleistungen überwiegend Steuerklasse V zugeordnet. Demzufolge erhalten verheiratete Frauen bei gleichem Bruttoeinkommen erheblich niedrigere Leistungen als verheiratete Männer, deren Lohnersatzleistungen sehr viel häufiger nach Steuerklasse III berechnet werden. Die Leistungen in Steuerklasse V sind dabei sogar niedriger als bei ledigen Beschäftigten, deren Lohnersatzleistungen anhand der Steuerklasse I (=IV) berechnet werden. Da Kinderfreibeträge nur in den Steuerklassen I, II, III und IV eingetragen werden dürfen, setzt der Anspruch auf das Leistungsentgelt in Höhe von 67 Prozent in Steuerklasse V zudem einen besonderen Antrag voraus, in dem der Eintrag der Kinderfreibeträge beim Ehepartner nachgewiesen werden muss. Ein rechtlicher Anspruch auf innerehelichen Ausgleich fehlt.

    Verfassungswidrige Benachteiligung bei Lohnersatzleistungen

    Diese finanzielle Schlechterstellung von Frauen ist nach Ansicht der Juristinnen mittelbar diskriminierend und verstößt gegen Art. 3 Abs. 2 GG. (Längerfristige) Abhilfe schaffe die Streichung der Steuerklasse V und die Berechnung aller Lohnersatzleistungen nach Steuerklasse I bzw. IV.

    Forderung des DJB: Steuerklasse IV anwenden

    Kurzfristig bietet die Anhebung des Kurzarbeitergelds die Chance, jetzt die Nachteile verheirateter Frauen auszugleichen, indem das Kurzarbeitergeld in Höhe von 80 bzw. 87 Prozent anhand der Steuerklasse IV berechnet wird. Das gelte erst recht, wenn die Anhebung über die Rücklagen der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden soll, denn: diese Rücklagen resultieren aus Beiträgen. Diese werden anhand des Bruttoeinkommens berechnet und fallen damit – im Gegensatz zum Kurzarbeitergeld – bei gleichem Bruttoeinkommen gleich hoch aus.

    Quelle:

    Deutscher Juristinnnenbund (djb e.V.),  Pressemitteilung vom 20.4.2020

    © bund-verlag.de (ck)

     

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