Aktuell in "Der Personalrat"

Gute Personalratsarbeit würdigen

01. April 2021
Sabine Kuhlmann

DEUTSCHER PERSONLRÄTE-PREIS: Prof. Dr. Sabine Kuhlmann ist als Verwaltungswissenschaftlerin Kennerin der Strukturen im Öffentlichen Dienst und weiß, wie wichtig gute Personalratsarbeit ist. Als neues Mitglied der Jury des Deutschen Personalräte-Preises wird sie diese würdigen.

Frau Professor Kuhlmann, worin liegt der Reiz mitzubestimmen, wer die Preisträger beim Deutschen Personalräte-Preis sein werden?

Ich bin der Jury beigetreten, weil ich mich intensiv mit dem öffentlichen Sektor und dem Bereich Verwaltung befasse. Ich weiß, wie wichtig Personalratsarbeit ist. Personalräte sind auch für Reformen ganz zentrale Akteure. Daher muss deren Arbeit gewürdigt werden. Ich bin sehr gespannt, was uns an Themen und Projekten vorgelegt wird.

Haben Sie Tendenzen bezüglich der Themenauswahl?

Corona sorgt dafür, dass einige Themengebiete kaum wegzudenken sind. Digitalisierung ist hier zu nennen, sie gehört schon länger zu den großen Baustellen im Öffentlichen Dienst, was durch die Covid-19-Pandemie noch stärker zu Tage gefördert wurde. Natürlich werden Homeoffice, flexible Arbeitszeitgestaltung und mobiles Arbeiten im Zuge der Pandemie als Themen verstärkt die Personalratsarbeit beschäftigen. Ich hoffe, dass die eingereichten Projekte eine Verstetigung von guten Konzepten erkennen lassen. Und dass an den Einreichungen zu erkennen ist: Was hat funktioniert, was sind »Best Practices« oder gute Praktiken, an denen sich andere Gremien für ihre Arbeit ein Beispiel nehmen können.

Warum braucht die Arbeit von Personalrät* innen öffentliche Anerkennung?

Zum einen motiviert die Anerkennung z. B. durch den Deutschen Personalräte-Preis diejenigen, die interessante Projekte durchgeführt haben. Zudem ist es für alle anderen eine Motivation, selbst gute Personalratsarbeit zu leisten und diese gute Arbeit auch sichtbar zu machen. Es ist gerade im Bereich Interessenvertretung wichtig, dass dem Engagement der Akteure eine Bühne geboten wird, damit sie ihre Arbeit präsentieren können. Und das ist nicht alles. Es geht dabei auch um eine innovative Verwaltung.

Wie lauten Ihre Tipps für Interessenvertreter*innen?

Zunächst ist es ganz wichtig, relevante Themen zu wählen, drängendeThemen, die die Belange der Belegschaft betreffen. Es ist entscheidend zu wissen, was die Kolleginnen und Kollegen umtreibt. Genauso wichtig ist es, für die eigene Arbeit Unterstützer zu finden. Das haben unsere Forschungen gezeigt. Ohne Fürsprecher, auch auf der Leitungsebene, lassen sich trotz großem Engagements Dinge schwerer umsetzen. Für Personalräte im Bereich der öffentlichen Verwaltung sollte zudem auch immer die politische Ebene im Blick bleiben – auch hier lohnt es sich, Unterstützer zu finden. Außerdem kann ich noch mal raten: Machen Sie Ihre Projekte sichtbar, werben Sie in eigener Sache. Dabei geht es nicht ausschließlich um die Frage der eigenen Wahrnehmung, sondern auch darum, Zugang zu Beteiligung zu schaffen. Viele Beschäftigte wissen nicht, was Interessenvertreter im Hintergrund leisten. Dafür sind Networking und Präsenz wichtig.

Was zeichnet eine innovative Verwaltung aus?

Verwaltungen sollten nicht nur bürgerorientiert, effizient und in guter Qualität Leistungen erbringen, sondern auch die Belange der Beschäftigten im Blick haben und diese
langfristig motivieren. Die Verwaltung muss noch krisenfester werden, um agil und intelligent auf unerwartete Stresssituationen und neue Krisen reagieren zu können. Eine innovative Verwaltung schließt also dauerhaftes Lernen und flexible Anpassungsfähigkeit mit ein – die selbstreflexive Organisation sozusagen.
 

Zur Person: Prof. Dr. Sabine Kuhlmann ist Inhaberin des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, Verwaltung und Organisation an der Universität Potsdam sowie der Hedda Andersson Gastprofessur an der Universität Lund in Schweden und stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Normenkontrollrats in Deutschland.

► Zum Interview in: Personalrat 3/2021, S. 6.

 

 

 

 

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