Nach Startschwierigkeiten – eher zufriedene Azubis
Die befragten Azubis bewerten auch einzelne Aspekte der Ausbildung positiv: 86 Prozent erleben die Atmosphäre in ihrem Team häufig oder fast immer als gut. 85 Prozent geben an, regelmäßig Neues zu lernen; 83 Prozent empfinden ihre Aufgaben als sinnvoll; 79 Prozent haben häufig oder fast immer Spaß bei der Arbeit und beim Lernen. Ausbildung hat demnach kein Imageproblem, doch es besteht Handlungsbedarf auf mehreren Feldern:
- Die Zahl der ausbildenden Betriebe sinkt: Das Angebot an Ausbildungsplätzen sank um fünf Prozent. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging um zwei Prozent auf rund 476.000 zurück – und das im Fachkräftemangel.
- Insbesondere junge Menschen mit niedriger Schulbildung zweifeln – zu Recht – an ihren Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. 38 Prozent glauben nicht daran, einen Ausbildungsplatz zu finden.
- Es gibt Barrieren beim Zugang zur Ausbildung und Probleme bei der beruflichen Orientierung. 2025 gingen laut Berufsbildungsbericht rund 84.000 Bewerber*innen bei der Ausbildungssuche leer aus, ein Anstieg von über 19 Prozent.
Schulnoten zählen mehr als Motivation und Potenzial
Trotz des guten Images der Ausbildung ist der Ausbildungsmarkt nicht ausgeglichen, Betriebe und junge Menschen finden oft nicht zusammen: Rund 54.400 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt. Das sind zwar 22 Prozent weniger als 2024, ist aber kein Zeichen für eine bessere Vermittlung: Bewerber*innen und freie Ausbildungsplätze befinden sich oft nicht in derselben Region oder passen berufsfachlich nicht zusammen. Hinzu kommen Auswahlverfahren, bei denen Schulnoten und formale Abschlüsse teils stärker gewichtet werden als die Motivation, die praktischen Fähigkeiten und die Entwicklungspotenziale junger Menschen.
Jungen Menschen mit niedriger Schulbildung schätzen ihre Chancen trotz des Fachkräftemangels sehr pessimistisch ein, was fatal ist: Die Ausbildung die beste Weichenstellung für den Einstieg in ein auskömmliches, gutes Berufsleben. Wer ohne Abschlusses dasteht, handelt sich nachhaltige Probleme ein: 2025 lag die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss bei 21 Prozent, bei Personen mit einer betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung lediglich bei vier Prozent.
Wege aus der Ausbildungsmisere
Die Quote der ungelernten Arbeitskräfte ist dringend zu senken, denn schließlich steckt Deutschland im Fachkräftemangel, auch wenn die Krisendebatten zurzeit davon ablenken; und es erwachsen aus der Summe ungelernter Arbeitskräfte gesamtgesellschaftliche Kosten.
Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt: Der Einstig in die Berufsausbildung sollte so niedrigschwellig wie möglich gestaltet werden. Zugänge wie Einstiegsqualifizierungen, längere Praktika und Programme wie die Assistierte Ausbildung seien auszubauen.
Arbeitgeber sollten die Auswahlverfahren stärker an Kriterien wie persönliche Kompetenzen und praktische Fähigkeiten orientieren statt allein an Schulnoten. Gleichzeitig benötigen Unternehmen verlässliche Unterstützung, wenn sie junge Menschen ausbilden, die am Start nicht alle Anforderungen erfüllen. Die Zufriedenheit der Azubis sei ein ermutigendes Signal, die Berufsausbildung zu fördern und besser zu flankieren. Dazu gehört auch eine verbesserte Berufsorientierung: Es existiert zwar eine Fülle von Informationen, doch mehr als die Hälfte der Befragten findet sich nur schwer zurecht. Es mangelt an persönlicher Beratung und zum Beispiel an regionalen Netzwerken zwischen Schulen, Betrieben, Arbeitsagenturen und Jugendberufsagenturen.
Hintergrund
Für die Studie wurden 1.763 junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren sowie 1.325 Auszubildende im Alter von 15 bis 25 Jahren repräsentativ befragt (Online-Befragung Anfang März bis Mitte April 2026). Ausbildungsmarktdaten: Berufsbildungsbericht 2026, Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit, Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung, www.bertelsmann-stiftung.de.
Beate Eberhardt (Redaktion »Gute Arbeit«, www.gutearbeit-online.de)
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