»Wichtigste Baustelle ist, die Zahl der Betriebsräte zu erhöhen«
Nur in mitbestimmten Betrieben können die Interessen der Arbeitnehmer*innen wirksam vertreten werden. Gewählt werden Betriebsräte zwischen dem 1. März und 31. Mai 2026.
Ist die BR-Wahl 2026 für dich Business as usual oder hat sie in der arbeitspolitischen Gesamtlage besondere Bedeutung?
Dr. Thomas Klebe Die Wahl ist total wichtig! Wirtschaft und Gesellschaft sind im Umbruch. Da ist die soziale Gestaltung der Arbeitswelt durch Betriebsräte und Gewerkschaften unverzichtbar. Nach einer aktuellen IG Metall-Befragung von Betriebsräten haben knapp 50 Prozent der Betriebe keine Zukunftsstrategie. Wer, wenn nicht Betriebsräte und Gewerkschaften sollen dann dafür sorgen, dass die Beschäftigten nicht unter die Räder kommen? Zusammengefasst: Die Wahl ist verdammt wichtig. Ich hoffe, dass in deutlich mehr Betrieben als beim letzten Mal gewählt wird, dass wir eine hohe Wahlbeteiligung haben und die DGB-Gewerkschaften deutlich gestärkt werden.
Betriebsräte haben in der laufenden Wahlperiode Krisen, Wirtschaftsturbulenzen und das Transformationsgeschehen gewuppt. Was sind für dich die wesentlichen Baustellen ab 2026?
Die wichtigste Baustelle ist, dass die Zahl der Betriebe mit Betriebsräten deutlich erhöht wird. Bekanntlich sinkt sie leider seit Jahren. Sachlich geht es weiter vor allem um die Transformation zu klimaneutralem, Ressourcen schonendem Wirtschaften. Und natürlich geht es weiter um die Digitalisierung. Das sind unglaublich fordernde Themen, die für die Beschäftigten sozial gestaltet werden müssen: Beschäftigungssicherung, Weiterbildung, Arbeits- und Gesundheitsschutz und Schutz der Persönlichkeitsrechte sind hier die Stichwörter.
Aber auch die betrieblichen Klassiker sind zu stemmen.
Dr. Thomas Klebe Klar, daneben sind Themen wie Arbeitszeit, Entgeltfragen oder Leistungsverdichtung zu bearbeiten: Jede Menge Arbeit, und das alles vor dem Hintergrund unsinniger Wirtschafts- und Zollaktionen und verheerender Kriege.
Und schließlich: Auch und gerade in den Betrieben müssen wir unsere Demokratie gegen die Verfassungsfeinde verteidigen. Dabei stärkt eine aktive Beteiligung der Beschäftigten an den Themen, die sie betreffen, auch ihr positives Verhältnis zur gesellschaftlichen Demokratie.
Wie schaust du auf die Vorhaben der schwarz-roten Bundesregierung? Versprechen die Pläne wirtschaftliche Stabilisierung und bessere Bedingungen für die BR-Arbeit?
Dr. Thomas Klebe Die neue Bundesregierung muss jetzt liefern. Und mit deutlich verbesserten Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel den Strompreisen oder den staatlichen Investitionsvorhaben, sind die Unternehmen in der Pflicht, Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen. Bei den Rahmenbedingen finde ich wichtig, dass im Koalitionsvertrag für Gewerkschaften ein digitales Zugangsrecht zum Betrieb und seinen Beschäftigten vorgesehen ist! (….)
Zur Person: Dr. Thomas Klebe war Justiziar der IG Metall und Gründer sowie Leiter des Hugo-Sinzheimer-Instituts für Arbeits- und Sozialrecht. Er ist Rechtsanwalt, Honorarprofessor der University of Labour in Frankfurt am Main, ehrenamtlicher Richter am Bundesarbeitsgericht und Herausgeber sowie Autor der Kommentare zum BetrVG DKW und Basiskommentar im Bund-Verlag.
Weitere Informationen
Wer das vollständige Interview mit Dr. Thomas Klebe lesen möchte, findet es im Titelthema der Zeitschrift »Gute Arbeit« 10/2025: BR-Wahl 2026: Arbeitsschutz braucht starke Betriebsräte«.
Darin auch die Beiträge:
- Daniel Gutiérrez, Max van Kaldenkerken: Historischer Erfolg: Mitbestimmung bei Ryanair errungen (S. 8-12).
- Manfred Wulff: Der Betriebsrat verbessert den Arbeitsschutz (S. 13-16).
- Dr. Claudia Niewerth: Im Gremium agil arbeiten (S. 19-22).
Für die Online-Ausgabe registrierte Abonnentinnen und Abonnenten von »Gute Arbeit« greifen im Archiv kostenfrei auf alle Beiträge der Zeitschrift zu (ab 2012).
Jetzt 2 Ausgaben »Gute Arbeit« gratis testen und sofort online auf alle Inhalte zugreifen!
© bund-verlag.de (be)