Geschlechterrollen

Traditionelles Rollenbild verschärft Fachkräftemangel

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Quelle: contrastwerkstatt_Dollarphotoclub

Dass Selbst- und Fremdwahrnehmung manchmal auseinanderklaffen, ist nicht neu – was sich zum Beispiel bei der Einschätzung von Männern zu ihrem Beitrag zur Hausarbeit erkennen lässt. Wie sich die unterschiedliche Aufgabenverteilung auf den Arbeitsmarkt auswirkt, zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. 

Einer neuen Bertelsmann-Studie zufolge wirkt sich die ungleiche Verteilung der Arbeit im Haushalt für Frauen negativ auf deren Teilhabe am Arbeitsmarkt aus. Zwar gingen mehr als zwei Drittel der Männer davon aus, dass die Arbeit im Haushalt zwischen den Geschlechtern gleich aufgeteilt sei, die Untersuchungsergebnisse zeigen jedoch, dass diese Einschätzung nicht passt. Weniger als die Hälfte der Frauen sehen hier eine gleichmäßige Aufgabenverteilung. 

Einschätzung von Frauen und Männern nicht deckungsgleich

Dieses Ergebnis hat eine repräsentative Onlinebefragung geliefert, die das Institut Arbeit und Qualifikation im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat. Befragt wurden rund 1600 Personen im erwerbsfähigen Alter von 18 bis 65 Jahren, die zum Zeitpunkt der Befragung in einer heterosexuellen Beziehung lebten.

»Auch wenn beide in vollem Umfang erwerbstätig sind, führt das nicht automatisch zu einer gleichmäßigeren Aufteilung der Haushaltsaufgaben“, sagt Michaela Hermann, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Solange traditionelle Geschlechterrollen die Ungleichverteilung von Haus- und Sorgearbeit zementieren, beschränken wir die Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt mit entsprechenden Folgen für Einkommen und Renten. Und wir verschärfen den Fachkräftemangel.«

Ungleiche Verteilung sorgt für Unzufriedenheit

Das unterschiedliche Verständnis von einer gleichmäßigen Verteilung der Aufgaben zeigt sich auch beim Zeitaufwand, den Männer und Frauen im Haushalt und für die Kinderbetreuung angeben. Selbst bei den Befragten, die das Prinzip »Wir machen das gemeinsam« bejahen, geben Männer an, pro Woche 6,7 Stunden für den Haushalt zu investieren. Bei Frauen sind es 10,6 Stunden.

Auch bei der Kinderbetreuung klafft eine Lücke: Tragen Paare gemeinsam die Sorgeverantwortung, investieren Männer nach eigener Einschätzung durchschnittlich 17,5 Stunden, Frauen dagegen 27,5 Stunden pro Woche. Dieses Ungleichgewicht sorgt bei Frauen insgesamt für eine größere Unzufriedenheit. 
Wichtig sei es, dass Frauen mehr Zeit für Erwerbsarbeit zur Verfügung haben, um zum Beispiel nach Kinderbetreuungszeiten wieder voll erwerbstätig sein zu können. 

Männer müssten daher Angebote wie Brückenteilzeit und flexible Arbeitszeitmodelle häufiger in Anspruch nehmen. Dazu müssten auch Arbeitgeber ihren Beitrag leisten. Und beispielsweise Führungsaufgaben in Teilzeit anbieten oder mehr Rücksichtnahme auf Kita-Schließzeiten erkennen lassen. 

Zur Studie
Die Studie ist der zweite Teil einer Veröffentlichungsreihe des Projekts »Spannungsfeld Vereinbarkeit: Onlinebefragung zur Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit im Paarkontext«, das das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat. Die Datengrundlage bildet eine Onlinebefragung von insgesamt 2.523 Frauen und Männern im erwerbsfähigen Alter (18-65 Jahre). 

Quelle

Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung vom 29.1.2025

© bund-verlag.de (mst)

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