Arbeitsschutz an Schulen: Note Mangelhaft
Der Investitionsstau und ein unzureichender Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen sind Ergebnisse der jahrzehntelangen Unterfinanzierung. Bildung ist Ländersache, aber »klamme« Kommunen sind für die Instandhaltung der Schulgebäude zuständig; die Länder sparen an der Arbeitsschutzorganisation. Deutschland muss die Bildungspolitik in den Fokus rücken und das Personal schützen, das täglich für die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen sorgt.
Unterfinanzierung des Schulbereichs
Schule sollte ein sicherer Ort für Lehrkräfte, Schüler*innen und das Schulpersonal sein. Doch in der Realität sind die Arbeitsbedingungen oft alarmierend. Während in Industrie und Handwerk strenge Sicherheitsmaßnahmen gelten und meist eingehalten werden, bleiben Lehrkräfte und das Schulpersonal häufig unzureichend geschützt. Von mangelhafter Ergonomie über psychische Belastungen bis hin zu fehlenden Notfallplänen – die Arbeitsbedingungen sind teils besorgniserregend. Viele Rahmenbedingungen im Bildungsbereich stimmen nicht: Angefangen beim anhaltenden Fachkräftemangel, über die immer stärkere Ausweitung von zu hohen und entgrenzten Arbeitszeiten bis hin zu Problemen, die die Digitalisierung mit sich bringt.
Unterschiedliche Zuständigkeiten
Neben dem Investitionsstau gibt es eine weitere Ursache für das Dilemma, nämlich zersplitterte Zuständigkeiten. Bildung ist Ländersache, doch die Finanzierung der Gebäudeinfrastruktur liegt oft bei den Kommunen. Finanzschwache Städte und Gemeinden können notwendige Investitionen nicht stemmen. Hinzu kommt, dass Prioritäten falsch gesetzt werden. Trotz der Missstände fließen öffentliche Gelder häufig in andere Projekte.
Psychische und körperliche Belastungen
Die schlechte Akustik in maroden Klassenräumen verstärkt den Stress und die Erschöpfung der Lehrkräfte. Die Stimmbelastung ist hoch, langes Stehen belastet den Rücken. Veraltete Möbel und fehlende Pausenräume erschweren gesundheitsförderliches Arbeiten. Fehlende Sicherheitsvorkehrungen wie Brandschutzmaßnahmen oder rutschfeste Böden gefährden Schüler*innen und Lehrer*innen. Aktuell steigen vor allem die psychischen Belastungen im Lehrberuf. Ursachen sind etwa wachsende bürokratische Aufgaben, in der Folge leidet die pädagogische Arbeit, alles muss unter erhöhtem Zeitdruck bewältigt werden. Gewalt an Schulen nimmt zu, was viele Lehrkräfte verunsichert. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung von Eltern und Gesellschaft: Neben der Wissensvermittlung und der pädagogischen Arbeit ist zunehmend »Sozialarbeit« gefordert.
Fehlende Gefährdungsbeurteilungen
Das Kernstück des Arbeitsschutzes ist die Gefährdungsbeurteilung. Sie ist – sofern sie sorgfältig und rechtskonform durchgeführt wird – der Ausgangspunkt einer wirksamen betrieblichen Prävention. Trotz der gesetzlichen Vorgabe des § 5 Arbeitsschutzgesetz sind bislang in den meisten Bundesländern keine flächendeckenden Gefährdungsbeurteilungen an Schulen erfolgt – fast 30 Jahre nach der gesetzlichen Regelung.
Mangelhafte Arbeitsschutzorganisation
Die Vorschriften im Arbeits- und Gesundheitsschutz gelten auch für Lehrkräfte, egal ob verbeamtet oder angestellt. Der Dienstherr beziehungsweise Arbeitgeber ist rechtlich für ihre Sicherheit und Gesundheit verantwortlich, ebenso für den Aufbau der Arbeitsschutzorganisation. Allerdings werden vor allem organisatorische und arbeitsstättenbezogene Arbeitgeberpflichten oft nicht ordnungsgemäß erfüllt. Die Autoren Wolfhard Kohte und Ulrich Faber kommen im aktuellen GEW-Leitfaden »Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen« zum Ergebnis: Im »Betrieb« Schule fehle es in den meisten Bundesländern an den Grundvoraussetzungen für einen effektiven Arbeits- und Gesundheitsschutz. (…)
Lesetipp
Prof. Dr. Wolfhard Kohte, Dr. Ulrich Faber: Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen – Leitfaden für Personalräte und Schulleitungen. Reihe: Aktiv im Personalrat, 2. Aufl. 2024, Bund-Verlag Frankfurt am Main.
Weitere Informationen
Neugierig auf den Beitrag von Annett Lindner und Albena Chipkovenska? Mehr lesen im Titelthema »Gute Arbeit« 5/2025 »Für die Zukunft rüsten: Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen«. Darin unter anderem:
- Annett Lindner, Albena Chipkovenska: Arbeits- und Gesundheitsschutz an Schulen: Note mangelhaft (S. 8-12).
- Prof. Dr. Wolfhard Kohte: BEM an Schulen – So kann es gehen (S. 13-17).
- Dr. Frank Mußmann, Mark Rackles: Wie erfassen wir Arbeitszeiten von Lehrkräften? (S. 18-21).
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