Gekonnt humorvoll kommunizieren
Frau Ullmann, was bedeutet es, Sinn für Humor zu haben?
Sinn für Humor im wissenschaftlichen Sinne heißt zum einen etwas Komisches, dass jemanden unterhält, machen zu können. Zum anderen aber auch, etwas Komisches genießen zu können, also die Fähigkeit, über etwas zu lachen. Humor hat also nicht nur der Macher, sondern auch der Empfänger. Und laut Duden-Definition ist Sinn für Humor die Fähigkeit zur heiteren Gelassenheit – also die Fähigkeit, mit Leichtigkeit auf Dinge zu reagieren.
Welche Vorteile bringt es, Humor am Arbeitsplatz zu kultivieren?
Zu uns kommen ganz oft Führungskräfte und Menschen aus Organisationen, die für ihre Themen die Aufmerksamkeit erhöhen wollen – und dabei hilft Humor. Denn Humor kann zum einen Situationen deeskalieren, aber andersherum auch mal Provokation oder Spannung reinbringen. Wenn Themen eher langatmig oder komplex sind, dann ist Humor oft eine Art Würze, die die Aufmerksamkeit erhöht und diese Themen unterhaltsamer macht.
Gibt es im Arbeitskontext Situationen, in denen Humor fehl am Platz ist?
Für mich gibt es eigentlich keine Situation, in der Humor nicht passt – aber es gibt natürlich ganz viel für die jeweilige Situation unpassenden Humor.
Ich unterscheide da zwischen sozialem und aggressivem Humor. Sozialer Humor ist Humor, der ohne Beschämung auskommt und Dinge aufwertet. Wenn meinem Gegenüber etwa ein Glas Wasser runterfällt und ich sage »Sie können aber gut loslassen«, dann ist das harmloser und wohlwollender als wenn ich sage »In Ihrem Alter kann man das Wasser auch nicht mehr so gut halten!« Das ist eine sehr sinnvolle und ungefährliche Humortechnik. Auf der anderen Seite gibt es aggressiven Humor, zu dem auch die ganzen Klischees gehören wie zum Beispiel die Frauen, die nicht einparken können.
Generell gilt, dass Gesprächsrunden, in denen Menschen sich nicht besonders gut kennen (zum Beispiel Personalgespräche oder Bewerbungsgespräche), mit Vorsicht und Feingefühl angegangen werden müssen, da reicht eine Portion ungefährlicher, sozialer Humor. Überall da, wo Leute eine vertraute Beziehung haben, hat man mehr Möglichkeiten und kann auch mal frecheren, sarkastischen oder zynischen Humor nutzen.
Wie können Interessenvertreter Humor für sich einsetzen?
Ich kann mit Humor Türen aufmachen, ich kann mit Humor Türen aber auch verschließen. Was ich etwa bei Personal- und auch Betriebsräten in diesem Zusammenhang schon erlebt habe, ist, dass manchmal ein sehr bissiger Humor benutzt wird. Wenn etwa der Personalrat mit der Dienststellenleitung zusammenkommt, wird das Gegenüber oft mit Humor abgewertet. Dann brauche ich mich aber auch nicht wundern, wenn mein Gegenüber sich verschließt und darunter auch die Verhandlungsbereitschaft leidet.
Gerade für Betriebs- und Personalräte ist es daher spannend, sozialen Humor zu trainieren, weil er Türen öffnen kann. Wenn Betriebs- oder Personalräte unter sich sind, ist Humor auf Kosten der Geschäftsführung oder Dienststellenleitung aber durchaus okay, denn das ist auch ein tolles Ventil, um unter sich mal Dampf abzulassen und Frust abzubauen.
Bei harten Verhandlungen ist es aber oft hilfreicher, eine soziale Komponente von Humor dabei zu haben, weil die eben viel bereiter zur Verhandlung macht, Lernbereitschaft erzeugt und zur Kooperation mit dem Verhandlungspartner einlädt.
Geht Humor auf Kosten der Seriosität?
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