Sonderpreisträger der DGB-Jugend im Interview

Mehr drin für Azubis

24. April 2025
JAV-Preis3

Ob Ausstattung mit mobilen Endgeräten, Übernahmeregelungen oder Erweiterung der Fortbildungsangebote – die Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung (GJAV) der Stadt München setzte nach einer Befragung der Nachwuchskräfte deutliche Verbesserungen um. GJAV-Vorsitzende Patricia Fehrmann über Vorgehen und Ergebnisse.

Warum seid ihr aktiv geworden?

Uns als GJAV haben über die Zeit immer wieder Anliegen von unseren Nachwuchskräften erreicht, die großer Kultur- und Prozessveränderungen bedurften, um die bestehenden Probleme zu beheben. Da wir diese, im Gegensatz zu vielen anderen Themen, nicht allein lösen konnten, haben wir uns auf den Weg eines Großprojekts gemacht. Denn eins war und ist für uns immer klar: Diese Themen müssen unbedingt angegangen werden, um die Attraktivität unserer Ausbildungs- und Studienbedingungen sichern und verbessern zu können.

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Wie seid ihr konkret vorgegangen?

Wir haben eine 2. Auflage des Großprojekts »Reiter übernehmen Sie« gestartet. Dabei werden Forderungen an den Münchner Oberbürgermeister (OB) Dieter Reiter übergeben. Das Konzept hatte die GJAV bereits 2013 bis 2016 erfolgreich durchgeführt. Und da wir das Rad nicht neu erfinden müssen, haben wir genau dieses Konzept in einer Version 2.0 aufleben lassen. Hierzu waren im Vorfeld Gespräche mit unserem Gesamtpersonalrat und dem OB notwendig. Dann haben wir die wichtigsten zwölf Forderungen unserer rund 3.000 Nachwuchskräfte gesammelt und sie anschließend in einer großen Partizipationsphase über Monate noch einmal zur Abstimmung gestellt. Über 1.000 Azubis und dual Studierende haben teilgenommen und die sechs wichtigsten Punkte gevoted:
· Ausstattung aller Nachwuchskräfte mit mobilen Endgeräten
· Verbesserung der Übernahmeregelungen (unter anderem Einstellung in Erfahrungsstufe 2 nach TVöD)
· Erweiterung der Veranstaltungs- und Fortbildungsangebote für Nachwuchskräfte
· Etablierung einer stadtweiten Praktikumsplatzbefragung
· Schaffung einer Praktikumsplattform
· digitales, medienbruchfreies Personalmanagementsystem für Nachwuchskräfte

Danach haben wir, auch in Zusammenarbeit mit unseren JAVen der sogenannten homogenen Ausbildungsbereiche (s. Randspalte), diese Forderungen ausgearbeitet und in einer Broschüre den Ist-Stand, das Problem und unseren Vorschlag zur Lösung zusammengefasst. Diese wurde im Rahmen einer großen Veranstaltung mit den Nachwuchskräften unserem OB übergeben. Er sagte uns vor Ort seine Unterstützung für jede einzelne Forderung zu – ein großer Erfolg für uns!

(…)

Welche Argumente haben bei der Stadtspitze gezogen?

Da unser OB bereits die erste Version von »Reiter übernehmen Sie« sehr gerne unterstützt hat und auch ein großer Befürworter unseres Engagements ist, stießen wir mit unserer Anfrage nach einer Neuauflage erfreulicherweise auf offene Türen. Immerhin sehen wir noch heute die Errungenschaften des ersten Durchlaufs und ihre positiven Auswirkungen auf die Attraktivität unserer Ausbildungs- und Studienbedingungen.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Wir haben bereits die Hälfte aller Nachwuchskräfte  mit mobilen Endgeräten ausgestattet, das ist ein großer Erfolg, aber er wird erst komplett, wenn alle Nachwuchskräfte Zugang zu E-Mail  und Intranet haben. Das Schulungsangebot für Nachwuchskräfte wurde durch unser Wirken nach einer coronabedingten Niederlegung in überarbeiteter Version wieder aufgenommen und jetzt endlich stadtweit allen Nachwuchskräften bereitgestellt. Hier geht es um die Sensibilisierung  für unter anderem interkulturelle Öffnung, LGBTQIA+ oder den Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Auch die Aufnahme und spezielle Regelung von Nachwuchskräften in unserer Dienstvereinbarung »DV Mobiles Arbeiten« oder unser Mitgestalten bei der Etablierung von Personalmanagementsystemen und der digitalen Zeiterfassung haben die Digitalisierung der Ausbildung und des Studiums bei der Landeshauptstadt München stark positiv beeinflussen können. Außerdem haben wir bereits den heterogenen Ausbildungsbereich an die  Praktikumsplatzbefragung  angeschlossen und konnten hier schon die erste Auswertung nach einem Jahr fahren. Diese Erkenntnisse sind unglaublich wichtig für uns und wir haben es geschafft, dass sich auch alle Ausbildungsbeauftragten damit auseinandersetzen, Handlungsbedarfe ableiten und diese verfolgen.

Wie ist das Feedback auf euer Projekt bei den Nachwuchskräften?

Durchweg positiv, worüber wir uns sehr freuen. Das kommt wahrscheinlich auch durch die hohe Beteiligung von über 1.000 Nachwuchskräften und unsere breite Kommunikation über den gesamten Zeitraum. Aber auch Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Kolleginnen und Kollegen sprechen uns immer wieder positiv auf unsere Aktion an.

Das Interview führte Christof Herrmann, Pressesprecher des Bund-Verlags.

Aus: Der Personalrat 5/2025, S. 20f.

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