Teilnehmer im Interview

»Bleibt motiviert«

27. August 2024
Florian Grünert_Stadt Maintal

Der 2021 neu gewählte Personalrat (PR) der Stadt Maintal wollte den Kontakt zu den Beschäftigten wieder stärken. Florian Grünert, Personalratsvorsitzender, erzählt, wie dies erreicht wurde.

Wie sah die Personalratsarbeit aus, bevor der neue PR 2021 gewählt wurde?

Der PR vor 2021 veröffentlichte pro Quartal einen Newsletter mit Themen, die allerdings nur wie Überschriften angerissen waren und viel Hintergrundwissen voraussetzten. Dies war neben der jährlichen Gesamtpersonalversammlung die einzige Öffentlichkeitsarbeit, die seitens des PR betrieben wurde. Man wurde über relevante Themen nur spärlich informiert. Wenn man nicht konkret nach bestimmten Vorgängen fragte, hat man keinerlei Infos bekommen.

Was waren die ersten Schritte, die interne Info-Politik zu verbessern?

Wir gründeten eine »Task-Force«. Diese Gruppe nahm sich vor, ein Mitarbeitermagazin zu konzipieren, was aber aus Kapazitätsgründen vor der Veröffentlichung wieder verworfen wurde. Es gab viele Diskussionen, wie man die Beschäftigten kurz und knackig informieren kann, sodass es in deren Arbeitsalltag passt und interessant bleibt. So kamen wir auf die Idee, die Kollegen und Kolleginnen über einen Podcast zu informieren; des Weiteren machen wir auch eine »VorOrt«-Tournee.

Wie viele Podcast-Folgen gibt es mittlerweile? Wie kommt er an?

Es gibt derzeit vier Podcast-Folgen, die im Intranet bereitgestellt werden. Das Feedback aus der Belegschaft ist durchweg positiv und wir werden darauf angesprochen, wann die neue Folge erscheint.

Wie gestalten Sie die »VorOrt«-Tournee?

Wir besuchen pro Woche eine Kita für eine Stunde. In allen Häusern befinden sich knapp 350 Beschäftigte. Bei der Vielzahl an Einrichtungen sind wir planmäßig zweimal pro Jahr in einer einzelnen Einrichtung. Zum vereinbarten Termin steht dem PR ein Raum zur Verfügung, der auch vertrauliche Gespräche erlaubt. In der Regel kommen zwei bis vier Beschäftigte mit einer gesamten Bandbreite an Fragen. Darüber hinaus wird der PR auch bei den anderen Beschäftigten des jeweiligen
Hauses sichtbar. Dadurch entstehen viele und wichtige »Tür-und-Angel«-Gespräche. Abseits der Tournee sind wir häufiger in Dienstbesprechungen einzelner Abteilungen zu Gast.

Was haben Sie für Ihre Personalratsarbeit gelernt?

Einiges. Man benötigt eine Menge Zeit für solche Projekte. Ohne Freistellungen wäre dies komplett unmöglich. Um gesehen zu werden, muss man wie ein kleines Medienunternehmen arbeiten und zielgruppengerechte Medien (Print, Audio, Video) einsetzen.

Welchen Tipp haben Sie für andere PR?

Der PR benötigt ein Gesicht. Wenn er wahrgenommen wird, dann erhöht es die Aufmerksamkeit und die Menschen trauen sich eher, mit ihren Anliegen zu einem zu kommen. Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass man trotz all dem Aufwand  nur einen eher kleinen Teil der Belegschaft erreicht. Nämlich die, die ohnehin offen für neue Themen durch das Leben gehen. Wichtig ist, dran zu bleiben: Ein Mindset verändert sich nicht von heute auf morgen. Wenn dies geschehen
ist, muss man aber damit rechnen, dass der PR oft in Anspruch genommen wird. Wenn man die Anliegen ernst nimmt, erfordert die Recherche zu Themen auch eine Menge Zeit. Das darf man nicht unterschätzen, gehört aber zum Gesamtpaket dazu. Sonst kann man sich die tollsten Medien sparen. Und: Werdet nicht müde, bleibt motiviert und wiederholt Themen von Zeit zu Zeit in euren Veröffentlichungen, da neue Beschäftigte dazustoßen und auch nicht jeder alles liest.

Der PR der Stadt Maintal nahm mit seinem Projekt »Wissen ist Macht – Interne Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Dienststelle« an dem Deutschen Personalräte-Preis 2023 teil.

Aus: Der Personalrat 8-9/2024, S.6

► Mehr zum Projekt

 

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