Tarifverträge

DGB: Deutschland braucht mehr Tariftreue

16. September 2025
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Quelle: © Gina Sanders / Foto Dollar Club

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat ein neues Zahlenwerk herausgegeben: die Tariffluchtbilanz 2025. Auf rund 123 Milliarden Euro ist darin der Schaden durch Tarifflucht und Lohndumping der Arbeitgeberseite beziffert.

Laut DGB entgehen den Sozialversicherungen und dem Fiskus Milliarden Euro zudem werde die Kaufkraft in erheblichem Ausmaß geschmälert, was die eigenen Berechnungen auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes belegten. 

Bei den Sozialversicherungen beziffert der DGB den Verlust auf jährlich rund 41 Milliarden Euro an Beiträgen. Bund, Länder und Kommunen nehmen etwa 24 Milliarden Euro weniger Einkommensteuer ein.

Die mangelnde Tarifbindung wirkt sich darüber hinaus unmittelbar auf die Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung aus: Mit einer flächendeckenden Tarifbindung hätten die Beschäftigten insgesamt rund 58 Milliarden Euro mehr pro Jahr zur Verfügung, so die Berechnung des DGB. Denn Beschäftigte, die keinem Tarifvertrag unterfallen, haben jährlich 2.891 Euro netto weniger Geld zur Verfügung als Tarifbeschäftigte. 

Stefan Körzell, DGB-Vorstandsmitglied, betont, dass Tarifverträge eine gesamtgesellschaftliche Investition in Stabilität und soziale Sicherheit seien. »Tarifflucht betrifft uns alle: Tarifverträge garantieren nicht nur höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und mehr Urlaub, sondern ermöglichen Beschäftigten auch, ihre Arbeitsbedingungen aktiv mitzugestalten.«

Starkes Tariftreuegesetz muss her

Der DGB fordert für mehr Tariftreue in Deutschland, dass ein nachgebessertes Tariftreuegesetz schnell das Gesetzgebungsverfahren durchläuft. Gelder der öffentlichen Hand dürften nicht länger Lohndumping subventionieren. Mit einem starken Bundestariftreuegesetz gehen öffentliche Aufträge nur noch an Unternehmen, die nach Tarif zahlen. Für ein wirksames, starkes Gesetz fordert der DGB, dass die Vorgaben auch für Aufträge von Sicherheitsbehörden gelten und der vorgesehene Schwellenwert, nach dem das Gesetz nur bei Aufträgen ab 50.000 Euro greift, gesenkt wird. Im Schnitt würden damit bereits heute über ein Viertel der jährlich gut 22.000 vom Bund vergebenen Aufträge nicht unter die Tariftreuebestimmungen fallen, mahnt der DGB. 

Weitere Forderungen des DGB für mehr Tariftreue: Bis Ende des Jahres müsse die Bundesregierung auf Grundlage der EU-Mindestlohnrichtlinie einen nationalen Aktionsplan für mehr Tarifverträge vorlegen: Bei Aufspaltung oder Abspaltung von Unternehmen müssen bestehende Tarifverträge bis zu einer neuen Vereinbarung fortgelten. Zudem muss es leichter werden, Tarifverträge für alle Unternehmen einer Branche allgemeinverbindlich zu erklären.

Quelle

Mitteilung des DGB vom 12.9.2025

© bund-verlag.de (mst)

 

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