Betriebsratsarbeit

Hubertus Heil will Beschlüsse per Videokonferenz zulassen

Videokonferenz
Quelle: pixabay

In Zeiten der Corona-Krise sollen Betriebsratssitzungen mittels Video- oder Telefonkonferenz zulässig sein. Beschlüsse, die in einer solchen Sitzung gefasst werden, sollen wirksam sein. So jetzt Arbeitsminister Hubertus Heil in einer offiziellen Erklärung. Ob die Gerichte dieser Auslegung folgen würden, ist unklar.

Erklärung des Arbeits- und Sozialministers Hubertus Heil vom 23.3.2020 zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit der Betriebsräte mit Blick auf Covid 19 (Anmerkung der Redaktion: Für völlige Rechtssicherheit folgen Sie den Handlungsempfehlungen von Prof. Dr. Peter Wedde)

 

Update:
Inzwischen haben wir eine Kommentierung zum neuen § 129 BetrVG von Dr. Michael Bachner, die Sie kostenlos herunterladen können.
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»Die aktuelle Situation um Covid-19 stellt die gesamte Arbeitswelt vor erhebliche Herausforderungen. Das gilt natürlich auch für die Arbeit der Betriebsräte.

Eine solche Ausnahmesituation kann allerdings keine Ausrede sein, um die Betriebsräte zu übergehen und ihre Rechte faktisch außer Kraft zu setzen. Ich appelliere daher an die Arbeitgeber und die Betriebsrätinnen und Betriebsräte: Das Finden von schnellen und pragmatischen Lösungen hat derzeit die höchste Priorität, bitte beherzigen Sie dies bei all Ihrem Handeln.

Für die Betriebsrätinnen und Betriebsräte stellt sich nun allerdings zunehmend die Frage: Wie können wir noch zu einer Präsenzsitzung zusammenkommen, um die erforderlichen Beschlüsse zu treffen und einen Beitrag zur Bewältigung der Auswirkungen von Covid-19 zu leisten?

Der Normalfall ist, dass die Betriebsratsmitglieder zu einer Sitzung zusammenkommen; die Nutzung von Video- oder Telefonkonferenzen ist nicht explizit im Betriebsverfassungsgesetz vorgesehen.

Von einem solchen Normalfall können wir hier jedoch nicht sprechen, denn wir haben es mit einer Ausnahmesituation zu tun. Wir sind daher der Meinung, dass in der aktuellen Lage, wenn beispielsweise die Teilnahme an einer Präsenzsitzung zu Gefahren für das Leben oder die Gesundheit der Betriebsratsmitglieder führt oder wegen behördlicher Anordnungen nicht möglich ist, auch die Teilnahme an einer Betriebsratssitzung mittels Video- oder Telefonkonferenz einschließlich online gestützter Anwendungen wie WebEx Meetings oder Skype, zulässig ist. Dies gilt sowohl für die Zuschaltung einzelner Betriebsratsmitglieder als auch eine virtuelle Betriebsratssitzung.

Die Beschlüsse, die in einer solchen Sitzung gefasst werden, sind nach unserer Auffassung wirksam. Weil es eine handschriftlich unterzeichnete Anwesenheitsliste in solch einem Fall nicht geben kann, sollte die Teilnahme gegenüber dem Betriebsratsvorsitzenden in Textform, also zum Beispiel per E-Mail bestätigt werden.

Auch bei einer Video- oder Telefonkonferenz muss der Grundsatz der Nichtöffentlichkeit gewahrt bleiben. Es ist also sicherzustellen, dass unberechtigte Dritte an der Sitzung nicht teilnehmen.

Bitte nutzen Sie die Möglichkeit der Video- und Telefonkonferenz verantwortungsvoll und vor allem: bleiben Sie gesund!«

Quelle:

Erklärung des Arbeits- und Sozialministers Hubertus Heil vom 23.3.2020: Ministererklärung zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit der Betriebsräte mit Blick auf Covid 19

Mehr erfahren

Um juristisch auf der sicheren Seite zu sein, empfehlen wir die Handlungsempfehlungen von Prof. Dr. Peter Wedde. Wie er die Erklärung des Ministers einschätzt und was er Betriebsräten jetzt rät, lesen Sie unter Frage 2 in der Meldung: »7 Fragen zur Betriebsratsarbeit während der Corona-Krise«.

© bund-verlag.de (ls)

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