Gesundheit

Präsentismus: Immer mehr Beschäftigte gehen krank zur Arbeit

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Ob Kopfschmerzen und Unwohlsein oder gar starke Krankheitssymptome – es ist keine Seltenheit, dass Beschäftigte zur Arbeit gehen, obwohl sie nicht gesund sind. Präsentismus nennt man dieses Phänomen. Aktuelle Untersuchungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und des DGB zeigen, wie verbreitet Präsentismus ist.

Im Rahmen der BAuA-Arbeitszeitbefragung wurde untersucht, wie Beschäftigte mit Krankheit umgehen und wie häufig sie krankgemeldet waren oder trotz Krankheit zur Arbeit gegangen sind.

Das Ergebnis lässt aufhorchen: Demnach haben sich 76 Prozent der abhängig Beschäftigten in einem 12-Monats-Zeitraum mindestens einen Tag krankgemeldet (Absentismus), während 54 Prozent angaben, mindestens an einem Tag trotz Krankheit gearbeitet zu haben (Präsentismus). Zudem berichten Frauen häufiger von Präsentismus als Männer (Frauen: 60 Prozent; Männer: 48 Prozent).

Frauen geben auch im Schnitt mehr Tage an, an denen sie krank gearbeitet haben (Frauen: 7,8 Tage, Männer: 5 Tage).

Zahlreiche Faktoren beeinflussen Präsentismus

Weiterer Einflussfaktor für Präsentismus: das Alter. Jüngere Beschäftigte (18-29 Jahre) arbeiten eher trotz Krankheit als ältere Beschäftigte (50-65 Jahre).

Präsentismus-Fälle variieren laut BAuA abhängig von der beruflichen Tätigkeit und der Branche. Menschen, die in personenbezogenen Dienstleistungsberufen wie Pflege oder Lehre tätig sind, weisen im Durchschnitt deutlich mehr Fehltage und Präsentismustage auf als Beschäftigte in IT- oder naturwissenschaftlichen Berufen.

Insgesamt zeigen die Daten, dass Berufe mit häufiger sozialer Interaktion tendenziell mit höheren Präsentismus- und Absentismustagen verbunden sind.

Auch Arbeitsbedingungen wie hohe Arbeitsintensität, wechselnde Arbeitszeiten und wenig Autonomie am Arbeitsplatz hängen mit dem Präsentismusverhalten zusammen. So geben Beschäftigte, die von ihren Vorgesetzten und Kollegen häufig Unterstützung erfahren, deutlich weniger Fehltage an und neigen weniger zu Präsentismus.

Die BAuA-Experten raten zu Maßnahmen wie flexibleren Arbeitszeiten, durchdachtem Ausfallmanagement und zu einer Führungskultur, die den Wert der Regeneration im Krankheitsfall betone. Das sei entscheidend, um den richtigen Umgang mit Erkrankungen zu fördern.

DGB kommt zu vergleichbaren Ergebnissen

Mit Fragen rund um Präsentismus und Absentismus hat sich auch der »DGB-Index Gute Arbeit« befasst. Diese Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass nach dem Rückgang der Krankmeldungen während der Corona-Pandemie seit 2024 wieder ein deutlicher Anstieg erkennbar sei, der auf dem Niveau von der Pandemie liege.

Die DGB-Zahlen sind sogar noch etwas höher als die des BAuA: Dem Gewerkschaftsbund gegenüber haben 63 Prozent der Befragten angegeben, dass die trotz Krankheit arbeiteten. Besonders häufig sei Präsentismus in den Berufsgruppen Reinigungsberufe, Lehr- und Erziehungsberufe sowie Gesundheitsberufe zu finden, was sich mit den Beobachtungen des BAuA deckt.

Auch bei der Suche nach Gründen von Präsentismus kommen die Experten von DGB und BAuA zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders häufig werde laut DGB trotz Krankheit gearbeitet, wenn die Beschäftigten hohen Arbeitsbelastungen ausgesetzt sind, sie von einer schlechten Betriebskultur berichten oder sich um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes sorgen.

Der baua: Bericht kompakt Präsentismus und Absentismus - Verbreitung und Zusammenhänge mit ausgewählten Arbeitsbedingungen finden Sie hier.

Auszüge aus dem »DGB-Index Gute Arbeit« finden Sie hier

Quelle

Pressemitteilungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vom 30.1.2025 und des Deutschen Gewerkschafts Bundes. 

© bund-verlag.de (mst)

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