Sucht am Arbeitsplatz: Wann ist der richtige Zeitpunkt zu handeln?
Fragen von Eva-Maria Stoppkotte
Nach zwei Jahren Pandemie stehen Unternehmen, Führungskräfte und auch Betriebsräte vor allem im Bereich der betrieblichen Suchtprävention und Suchtarbeit vor ganz neuen Herausforderungen: Für Menschen mit einer Suchtgefährdung war die Pandemie und die damit verbundene soziale Isolation eine schwierige Zeit. Neue und flexible Arbeitsformen wie Homeoffice oder auch mobiles Arbeiten erfordern mittlerweile eine veränderte Herangehensweise in den Betriebsvereinbarungen zu Sucht.
Hat die stetige Transformation in den Betrieben Folgen für die Zunahme von Suchterkrankungen?
Die Statistik für die Beantwortung dieser Frage ist schwer beizubringen, denn die Suchtforschung arbeitet sehr langfristig und mit wenig Ressourcen. Aber in der Praxis beobachten wir wichtige Zusammenhänge und Trends. Gefühlt lautet die Antwort: Ja. Die ständige Anpassung an neue Technologien kann zu erhöhtem Stress und Überforderung führen. Gepaart mit Personalabbau bringt dies eine zusätzliche Unsicherheit in die Belegschaften.
Auch neue Arbeitsformen mit flexiblen Arbeitsmodellen – teils zu Hause, teils an nicht festgelegten Arbeitsplätzen, wie z. B. Desk-Sharing – können zu Stress bei den Beschäftigten führen. Während einige ausschließlich von zu Hause arbeiten möchten, bevorzugen andere den persönlichen Kontakt im Büro. Diese Ungleichheit kann zu Spannungen im Team führen und einen Nährboden für Konflikte in vielen Betrieben bilden. Unsicherheit, Stress und Konflikte sind oft ein Grund für erhöhten Suchmittelkonsum oder Suchtverhalten wie Glücksspiel oder verstärkte Mediennutzung.
Hat die Pandemie dazu beigetragen?
Die Covid-19-Pandemie hat das Thema Homeoffice in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt. Diese Veränderung in der Arbeitswelt lässt sich nicht mehr rückgängig machen – der sprichwörtliche Geist ist aus der Flasche. Die Frage „Wie arbeiten wir?“ steht nun ganz oben auf der Tagesordnung. Es ist davon auszugehen, dass Arbeiten von zu Hause, weitgehend frei von sozialer Kontrolle, zu einer Zunahme des Missbrauchs von Alkohol oder Medikamenten geführt hat. Außerdem haben viele Menschen in dieser Zeit neue Ängste – z. B. vor Ansteckung oder vor Menschenansammlungen – entwickelt.
Welche Suchterkrankungen sind besonders verbreitet?
In Deutschland sind schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen von einer Alkoholabhängigkeit betroffen. Danach folgt Medikamentenabhängigkeit, auch die Glücksspielsucht gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die übermäßige Nutzung digitaler Medien entwickelt sich zu einem wachsenden Problem. Abhängigkeiten von illegalen Drogen und Cannabis rangieren weit hinter den genannten Erkrankungen.
Warum sind Betriebsvereinbarungen zur Suchtprävention so wichtig?
Die Betriebsvereinbarungen bieten Unterstützung, Orientierung, Handlungsanleitung und Sicherheit für alle Beteiligten. Die Betroffenen, die Führungskräfte und auch die Kolleg:innen wissen, dass eine suchtgefährdete Person Hilfe bekommen kann. Im Betrieb ist das System zudem klar kommuniziert. Dadurch, dass alle Beteiligten wissen, was hilfreich sein kann, steht nicht die Kündigung im Vordergrund, sondern die konstruktive Unterstützung der betroffenen Kolleg:innen.
- Was sind die wesentlichen Eckpunkte einer solchen Betriebsvereinbarung?
- Gibt es gute Beispiele für präventive Strategien zur Vorbeugung von Sucht?
- Wie sehen die aktualisierten Standards in der betrieblichen Suchtprävention aus?
- Warum ist eine Unterweisung über Suchtgefährdung ein guter Schritt in Richtung Prävention?
- Welche Rolle kommt den betrieblichen Akteur:innen in der Suchtarbeit zu?
- Welche Rolle spielt der Betriebsrat in der betrieblichen Suchtprävention?
- Warum ist Öffentlichkeitsarbeit bei Suchtprävention so wichtig und warum kommt es hier auch auf den Arbeitgeber an?
- Wie kann Öffentlichkeitsarbeit gerade auch mit Blick auf veränderte Arbeitswelten erfolgreich sein?
Antworten auf diese Fragen und eine Mustervereinbarung betriebliche Suchtprävention findet ihr in der AiB 9/2024. Abonnent:innen können den vollständigen Beitrag hier lesen.
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