Technostress lass nach
Wir leben im Zeitalter von Arbeit 4.0 und der Wissensarbeit. Nur eine Minderheit der Beschäftigten in Deutschland kommt im Arbeitsalltag ohne digitale Technologien aus. 2024 nutzten laut Statista rund 67 % aller Beschäftigten in Deutschland für geschäftliche Zwecke einen Computer mit Internetzugang; der Anteil steigt seit Jahren konstant. Allerdings sind digitale Geräte, Maschinen und Anwendungen für Arbeitnehmer*innen Unterstützung und Risiko zugleich: Wenn sie nicht richtig eingesetzt und gehandhabt werden, können sie zu Überforderung und Stress führen, zumal ihr Einsatz häufig mit dem Gefühl ständiger Erreichbarkeit, einer Flut von Information und der vermeintlichen Notwendigkeit einhergeht, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben.
Zudem werden die Techniken immer leistungsstärker und damit komplexer. So schafft etwa das immer präsenter werdende Thema Künstliche Intelligenz (KI) Verunsicherung – sowohl auf theoretischer als auch auf praktischer Ebene. Fragen wie „Welche Aufgaben übernimmt künftig die KI?“ und „Was bedeutet das für meinen Arbeitsplatz?“ lösen bei vielen Beschäftigten Sorgen aus – und in der Anwendung können Gedanken darüber, worauf man beim Prompten (der Formulierung des Anliegens an die KI) achten muss oder ob die Antworten korrekt oder nur scheinbar plausibel sind, zusätzlichen Stress bewirken.
Stress und Technostress
Die Definition von Stress ist leider ungenau, denn Stress bezeichnet nach DIN ISO 10075 das Gefühl, das eine Person hat, wenn die an sie gestellten Anforderungen ihre Fähigkeit zur Bewältigung dieser Anforderungen übersteigen.
Da Stress von jeder Person anders wahrgenommen wird, verorten Arbeitgeber die Ursachen von Stress öfter bei den Beschäftigten selbst: „Wenn die Mitarbeiter*innen Stress haben, ist es Privatsache. Natürlich zu Unrecht.
Konkrete Stressauslöser
Zunächst gibt es die betrieblichen Einflüsse wie nicht funktionsfähige Soft- und Hardware, eine ungenügende Ausbildung für und Vorbereitung auf einen Softwareeinsatz oder lange Wartezeiten durch überlastete Technik oder nicht ausreichendes WLAN. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigt, dass technische Unzuverlässigkeit und Informationsflut häufig mit der Entwicklung eines Burnouts zusammenhängen.
Grundsätzlich wirkt sich auch negativ aus, dass an vielen Arbeitsplätzen nichts mehr ohne digitale Endgeräte erledigt werden kann, so dass natürliche Bildschirmpausen fehlen. Das kann in Verbindung mit dem langen Sitzen (oder Stehen) Bewegungsmangel, Zwangshaltungen, überanstrengte Augen und allgemeine Ermüdung mit sich bringen.
Organisatorische Stressoren
Neben den genannten technischen tragen organisatorische Faktoren zur Entstehung von Technostress bei: das Gefühl, überwacht zu werden, Angst vor Arbeitsplatzverlust, ständige Veränderungen oder fehlende Kontrolle über digitale Prozesse. Die Risiken sind vielfältig – und sie betreffen alle Ebenen der Arbeit. Spannend dabei: Für ihre Auswirkungen sind nicht primär Altersunterschiede entscheidend.
Ein dauerhaft hoher Stresspegel kann zu innerer Unruhe, zu Schlafstörungen oder dem Gefühl ständiger Gehetztheit führen. In schweren Fällen entwickeln sich Symptome wie Burnout sowie Suchtverhalten oder Essstörungen. Aber Stress kann auch physische Reaktionen wie Kopfschmerzen zur Folge haben.
Bewältigungsstrategien: Verhältnis- und Verhaltensprävention
Die Gesetzgebung im Arbeits- und Gesundheitsschutz ist grundsätzlich auf Prävention ausgerichtet. Ziel ist es, Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten durch vorbeugende Maßnahmen zu sichern und zu verbessern. Deshalb verlangt das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), dass sich Betriebe zunächst um die Verhältnisprävention kümmern, also um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen; erst nachgeordnet sollen sie verhaltenspräventive, d. h. personenbezogene Maßnahmen anwenden. Das gilt auch für den Abbau von Technostress.
Mehr zur Kraft der Gefährdungsbeurteilung und euren Mitbestimmungrechten beim digitalen Stress findet ihr in»Arbeitsrecht im Betrieb« 7-8/2025.
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