Arbeitsschutz

Sicherheitsbeauftragte übernehmen wertvollen Part im betrieblichen Ablauf

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Quelle: Zerbor_Dollarphotoclub

Ohne Sicherheitsbeauftragte wäre die Zahl der Arbeitsunfälle noch höher. Eine gute Kommunikation mit Führungskräften und Interessenvertretungen, weiteren Arbeitsschutzakteuren und eine klare Aufgabendelegation sind Erfolgsfaktoren für ihre Arbeit. Dr. Klaus Heimann eröffnet in »Gute Arbeit« 12/2024 den Blick in die Praxis.

Andreas Gabriel ist seit über acht Jahren ehrenamtlicher Sicherheitsbeauftragter (Sibe) im Ersatzteillager von Ford in Köln-Niehl. »Ein Kollege ist ausgeschieden und dann habe ich mich freiwillig als Sibe gemeldet.« Gabriel bezeichnet sich als neugierig, er ist ein erfahrener Ford-Mitarbeiter und interessiert sich für alle Probleme der Arbeitssicherheit. Das sind drei wichtige Voraussetzungen für das Amt der Sibe.

Leidenschaft für Arbeitssicherheit

Für den gelernten Mechatroniker steht die Sicherheit der Kolleg:innen an erster Stelle. Das wird z. B. den Beschäftigten im Ersatzteillager regelmäßig in Schulungen vermittelt.

Andreas Gabriel hat ein wachsames Auge darauf, dass Arbeitsmittel richtig verwendet, Schutzvorrichtungen bestimmungsgemäß gehandhabt und die persönliche Schutzausrüstung korrekt getragen wird. Falls nötig, gibt es bei Ford rasch neue und bessere Betriebsmittel. Die Anschaffung von sicheren Werkzeugen oder besseren Leitern sei nie ein Problem. »Ich merke den Vorteil, in einem großen Werk zu arbeiten.«

Aufgaben der Sibe

Langjährige Beschäftigte auf einen fehlerhaften oder nicht optimalen Umgang mit der Sicherheit anzusprechen, sei manchmal heikel, sagt Gabriel. Oft werde argumentiert, das habe man schon immer so gemacht. Jüngere Kolleginnen und Kollegen seien bisweilen »leichter zu erreichen und offener für gute Ratschläge und Hinweise«. Bei manchen beiße die Sibe auf Granit.

Gabriel gibt Tipps und Hinweise, möchte aber gerade ältere Kolleg:innen nicht mehrmals maßregeln. Er unterstützt, wo er kann«, doch letztendlich verantwortlich seien Vorgesetzte oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit, die bei Bedarf handeln oder durchgreifen müssen. Arbeitssicherheit sei nur im Miteinander zu gestalten.

Qualifiziert für das Ehrenamt

Ein Sibe soll möglichst mehrjährige Berufserfahrung und ein gutes Standing im Betrieb mitbringen. Für die fachlichen Schulungen sind die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen zuständig. Gabriel hat gleich zu Beginn seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei der zuständigen Berufsgenossenschaft Holz und Metall Seminare belegt. »Im Grund- und Aufbaukurs haben wir die Basics für unsere Arbeit erhalten – das war eine gute Sache.« Der Erfahrungsaustausch mit anderen Sibe war ihm besonders wichtig, die rechtlichen Themen haben Sicherheit für seine betriebliche Rolle und die Aufgaben vermittelt.

Betriebsrat kümmert sich

Im Sozialgesetzbuch (SGB) VII (§ 22 SGB VII) und im Betriebsverfassungsgesetz (§ 89 BetrVG, insbesondere Abs. 4) ist geregelt, dass der Betriebsrat bei den Aufgaben der Sibe zu beteiligen ist. Frank Koepp, Betriebsrat in der »Ford Customer Service Division«, kümmert sich darum. In seiner Datei im Kölner Werk stehen rund 40 Sibe, die berufen und aktiv im Einsatz sind, darunter auch Andreas Gabriel. »In den Lagerhallen kommt eine Sibe auf 55 Mitarbeiter, im Büro ist das Verhältnis 1:250.

Mit einem Vorurteil räumt Koepp auf: »Sibe sind keine Polizisten, die Strafzettel bei Verstößen gegen die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz verteilen. Sie sind das Bindeglied zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Sicherheitsfachkraft und den Vorgesetzten.« Erkennt ein Sibe ein sicherheitsrelevantes Problem oder Fehlverhalten, sind Beschäftigte unmittelbar anzusprechen – oder ein Vorfall muss (je nach Tragweite) gemeldet werden. 

Weitere Informationen in »Gute Arbeit« 12/2024 

Neugierig auf den umfassenden Beitrag von Dr. Klaus Heimann mit viel Praxiswissen und wertvollen Rechtsgrundlagen? Mehr lesen in »Gute Arbeit« 12/2024, Titelthema »Arbeitsschutzorganisation – Sicherheitsbeauftragte: Wichtig, aber oft verkannt«.

Darin u. a.:

  • Axel Herbst: Sicherheitsbeauftragte: Unterschätzte Akteure auf dem Arbeitsschutzparkett (S. 8-12).

  • Dr. Klaus Heimann: Kooperation: Wertvoller Part der Sicherheitsbeauftragten (S. 13-17).

  • Dr. Jürgen Reusch: Führungskräfte und Arbeitsschutz – zwei Welten treffen sich (S. 18-22).

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